Markus – das Verklärungsevangelium


Der 25. April ist der Gedenktag des Evangelisten Markus, dem Verfasser des kürzesten der vier kanonischen Evangelien. Er bietet einen kompakten Bericht, der mit dem öffentlichen Auftreten Johannes’ des Täufers beginnt, zur Verklärung führt, die einen zentralen Platz einnimmt, um dann nach eindringlichen Lehren den Einzug in Jerusalem und die Leidensgeschichte zu schildern. Markus endet mit der Himmelfahrt Jesu.1

Bei Markus wird die Geschichte Johannes des Täufers eng mit dem Auftreten Jesu verwoben: Der Täufer wird anfangs gesandt, um dem Herrn den Weg zu bereiten (Mk 1,2-4), wie es schon Jesaja prophezeit hatte. Der Täufer weist schon auf den hin, der nach ihm mit dem Heiligen Geist taufen wird — da kommt Jesus, lässt sich taufen, und der Geist schwebt auf ihn herab. (Mk 1,9-11) Mit der Einkerkerung des Johannes des Täufers beginnt Jesu eigentliches öffentliches Wirken, das sich sogleich in drei Heilungswundern als vom Herrn erfüllt erweist.

Später wird die Enthauptung des Täufers geschildert (Mk 6,14-29). Herodes glaubt in der Folge, Jesus sei der wiedererstandene Johannes. Damit ist auch ein Motiv angedeutet, warum Herodes Jesu’ Hinrichtung später wohlwollend gegenüberstehen wird.

In der Mitte des Evangeliums steht die Verklärung, in der sich die Gottheit Jesu manifestiert. Wenige Verse zuvor erzählen die Apostel Jesus, dass viele Menschen ihn für Elija, Johannes den Täufer oder sonst einen Propheten halten würden; Petrus bekennt ihn aber ausdrücklich als den Messias. (Mk 8, 27-30). Jesus sagt als Erfüllung seines Messiaswegs sein Leiden und seine Auferstehung voraus, was bei Petrus noch auf Unverständnis stößt. (Mk 8,31-33) Jesus ruft zur Nachfolge auf und verkündet das nahe Heranbrechen des Reiches Gottes. (Mk 8,34-9,1)

Und dieses nahe Heranbrechen wird nun unmittelbar erlebbar für Petrus, Jakobus und Johannes, die sehen, wie Jesus als Erfüllung des Gesetzes und der Propheten mit Mose und Elija spricht. Eine Stimme aus den Wolken verkündet Jesus als den geliebten Sohn Gottes. Das menschliche Messiasbekenntnis des Petrus wird durch das göttliche Messiasbekenntnis bei der Verklärung als richtig bestätigt und erweitert.

Gleich danach wird wiederum auf Elija rekurriert und die Beziehung zu Johannes dem Täufer hergestellt. (Mk 9,11-13)

Mit der Austreibung eines offenbar mächtigen Dämonen wird die Sendung Jesu neuerlich bezeugt, wobei es symbolisch zupass kommt, dass ein Vater seinen besessenen Sohn bringt, der schon aus Feuer und Wasser gerettet werden musste.

Man kann das Markusevangelium auf Grund der zentralen Stelle der Verklärung mit Fug und Recht Verklärungsevangelium nennen. Gottes Reich bricht schon heran, die Herrlichkeit des Vaters ist schon spürbar. Es ist programmatisch, dass auf die Ankündigung des nahen Reich Gottes die Verklärung folgt. Es ist ebenso programmatisch, dass im Sendungsauftrag am Schluss des Markusevangeliums Wundertaten genannt werden, die auf die Realisierung des Reiches Gottes hinweisen.

Das Reich Gottes ist eben keine ferne Vertröstung, sondern kann in der Kirche Realität werden.


  1. Das Ende scheint manchen unrund, was moderne Bibelexegeten zu verschiedenen Annahmen geführt hat. Viele halten den Schlussteil Mk 16,9-20 aus stilistischen Gründen für eine spätere Ergänzung, die entweder durch den Verlust des originalen Schlusses oder weil Markus sein Evangelium nicht vollenden konnte notwendig geworden war. Nicholas P. Lunn hat in einem umfangreichen Werk 2008 die Debatte zusammengefasst und dafür plädiert, die überlieferte kanonische Fassung als das vorgesehene Ende des Werkes zu betrachten. 
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