Ohne Himmelfahrt kein offener Himmel


Himmelfahrt Christi (Ende 10. Jh) © KHM-Museumsverband <a href="http://www.khm.at/typo3conf/ext/objectdb/Resources/Public/AGB_Bilddatenbank.pdf">Nutzungsbedingungen</a>

Himmelfahrt Christi (Ende 10. Jh) © KHM-Museumsverband Nutzungsbedingungen

Christi Himmelfahrt ist ein Fest, das durch Fantasyfilme der letzten Jahrzehnte manchen etwas verdorben wurde. Nicht wenige Menschen machen sich nun sehr genau Gedanken darüber, mit welchem „Spezialeffekt“ Jesus den „in den Himmel aufgefahren“ sein könnte. Dazu benötigt man freilich auch ein etwas kindliches Verständnis, was mit dem Himmel gemeint ist. Aber gut.

Das Fest heißt ja eigentlich auch die Aufnahme (griechisch) oder der Aufstieg (lateinisch) des Herren und steht vordergründig für das Ende der physischen Präsenz Jesu in dieser Welt. Seine Gegner hatten gehofft, mit der Kreuzigung sei sein Wirken nun zu Ende.

Doch mit der Auferstehung durchkreuzt er die Pläne seiner Widersacher und durchbricht die festgefügte Ordnung der Welt. Er steigt ins Reich des Todes und kehrte daraus zurück; noch mehr: er rettet selbst aus diesem Ort Menschen zum Leben, wie bereits der erste Brief des Petrus (1 Petr 3,19) und der Brief des Paulus an die Epheser beschreiben (Eph 4,8).

Auf diese Auferstehung und die Begegnung mit den Jüngern folgt die Himmelfahrt, als deren Schilderung üblicherweise die Erzählung in der Apostelgeschichte herangezogen wird (Apg 1,9-11), doch die Einordung fällt leichter, wenn man das Evangelium nach Johannes bzw. den ersten Brief des Johannes heranzieht.

Im Prolog steigt Jesus zur Erde herab, das Wort wird Fleisch. Und dort, wo er herkommt, wird er auch wieder hingehen, wie Jesus seinen Jüngern sagt (Joh 6,62; Joh 14,28). Dort wird er einen Platz für uns vorbereiten, bis er uns holt, damit auch wir dort sind, wo er ist. (Joh 14,3) Ähnlich bei Joh 12,32: „Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“

Der Auferstandene hat den Tod besiegt; aber erst der Aufgefahrene ist unser Beistand (1 Joh 2,1) dafür, dass dieser individuelle Sieg über ihn hinauswirkt.

Wechseln wir wieder zu Paulus. Im Brief an die Hebräer wird das Geheimnis der Bedeutung der Himmelfahrt in Sprachbildern des jüdischen Tempels ausgedrückt:

Da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten. Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat. Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit. (Hebr 4,14-16)

Denn Christus ist nicht in ein von Menschenhand errichtetes Heiligtum hineingegangen, in ein Abbild des wirklichen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor Gottes Angesicht zu erscheinen; auch nicht, um sich selbst viele Male zu opfern, (denn er ist nicht) wie der Hohepriester, der jedes Jahr mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht; sonst hätte er viele Male seit der Erschaffung der Welt leiden müssen. Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen. Und wie es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal zu sterben, worauf dann das Gericht folgt, so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen; beim zweiten Mal wird er nicht wegen der Sünde erscheinen, sondern um die zu retten, die ihn erwarten. (Hebr 9,24-28)

Ohne den Aufstieg Jesu in den Himmel wäre das Geschehen der Auferstehung Stückwerk geblieben. Auch Lazarus wurde wieder zum Leben erweckt, ebenso die Tochter des Jairus. Erst die Auffahrt und Erhöhung Jesu macht daraus ein allgemeines Heilsgeschehen, das bis heute wirkt.

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