UK: May gewinnt und verliert gleichzeitig


In den USA musste Hillary Clinton zur Kenntnis nehmen, dass es nicht bloß auf die erzielten Stimmen, sondern auch auf das Wahlsystem ankommt. Ähnliches dürfte nun der britischen Premierministerin Theresa May dämmern, die bei den vorgezogenen Neuwahlen in Großbritannien zwar rund 13,7 Millionen Stimmen für die Konservativen verbuchen kann — ein Zuwachs von mehr als zwei Millionen gegenüber 2015. Auch in Prozenten klingt ein Zuwachs von 5,5 Prozentpunkten nicht schlecht. Und doch hat May die Wahlen im eigentlichen Sinn verloren, da die Zahl der konservativen Abgeordneten geschrumpft ist. Beides — der Stimmengewinn und der Mandatsverlust — sind wohl durch den völligen Kollaps der UKIP bedingt.

Da im Vereinigten Königreich ein Mehrheitswahlrecht in einem einzigen Wahlgang gilt, ist es günstig, wenn die übrige Parteienlandschaft zersplittert ist. So kann Partei A mit 33% den Wahlkreis gewinnen, auch wenn Partei B 30%, Partei C 17% und Partei D und E je 10% errungen haben. Wenn jetzt Partei C 4 Prozentpunkte an Partei A und 8 Prozentpunkte an Partei B verliert, so hat Partei A zwar einen kräftigen Zugewinn erzielt, verliert aber den Wahlkreis an Partei B.

Und so ähnlich ist es May ergangen, die das beste konservative Ergebnis in Prozentpunkten seit 19831 erzielen konnte, und doch als Verliererin dasteht. Weil z.B. gleichzeitig die Labour Party unter Jeremy Corbyn das beste Prozentergebnis seit 20012 erzielt hat, während sich die Liberaldemokraten von ihrer Schlappe 2015 noch nicht erholt haben und UKIP implodiert ist. Bei einer regulären Wahl würde man all das wahrscheinlich stärker mitbedenken. So aber bleibt die Frage, warum May eine vorgezogene Wahl ausgerufen hat, wo doch die Konservativen mit absoluter Mandatsmehrheit bis 2020 hätten regieren können. Nun ist May auf die Unterstützung der Unionisten aus Ulster angewiesen und dank knapper Mehrheit selbst mit diesen durch Hinterbänkler wesentlich leichter zu erpressen.

Und so würde das Ergebnis der Konservativen unter anderen Umständen wohl als Sieg gewertet werden. So sieht es eher aus, als ob May sich selbst ausgetrickst hätte.


  1. Damals erzielte Margaret Thatcher 42,4 Prozent der Stimmen, die Labour Party unter Michael Foot aber nur 27,6 Prozent. Diese Wahl war wohl das Vorbild von May, aber Corbyn ein besserer Wahlkämpfer als Foot. 
  2. Tony Blair wurde damals mit 40,7 Prozent wiedergewählt. 1997 hatte er sogar 43,2 Prozent erreicht. 
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