„Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet“


Es ist interessant: Je besser es den Menschen geht, desto mehr Angst haben sie vor einem göttlichen Gericht. Deswegen ist wohl der Gedanke der „Allerlösung“ in Wohlstandsgesellschaften so populär. Wer dagegen leidet, vielleicht verfolgt oder unterdrückt wird, der wird mit dem Propheten Jesaja rufen:

Meine Seele sehnt sich nach dir in der Nacht,
auch mein Geist ist voll Sehnsucht nach dir.
Denn dein Gericht ist ein Licht für die Welt,
die Bewohner der Erde lernen deine Gerechtigkeit kennen.

Wenn Gott gerecht ist, dann verlangen die Ungerechtigkeiten, unter denen Menschen dank anderer Menschen leiden müssen, geradezu nach einem „Jüngsten Gericht“. Doch schon im Alten Testament wird deutlich, dass Gott weder als Rechtspositivist gelten kann noch das Talionsprinzip vertritt, sondern ein gnädiger Richter ist. Der Wert von Umkehr und Reue wird immer wieder hervorgehoben.

Die Perikope vom Dreifaltigkeitsonntag gibt einen Ausschnitt aus einer Stelle des Johannesevangeliums wieder, die sich sehr konkret mit diesem Gericht Gottes auseinandersetzt:

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.

Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

Gott will die Menschen retten, aber manch einer lässt sich eben nicht retten: Er kommt in der Metapher des Johannes bewußt nicht zum Licht.

Und so ist es bei Johannes gar nicht Gott als Richter, der den Menschen verurteilt: Durch seine Gesinnung und seine daraus erwachsenden Taten richtet sich der Mensch, „der Böses tut“, eigentlich schon selbst.

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