Fronleichnam: Das Fest des heiligen Kurzurlaubs? Nein: Etwas noch Provokanteres.


Eucharistie im Blumenkranz (Jan Anton van der Baren). © KHM-Museumsverband <a href="http://www.khm.at/typo3conf/ext/objectdb/Resources/Public/AGB_Bilddatenbank.pdf />Nutzungsbedingungen</a>

Eucharistie im Blumenkranz (Jan Anton van der Baren). © KHM-Museumsverband Nutzungsbedingungen

Wieviele Menschen wissen in Österreich, worum es beim Fest Fronleichnam geht? Es ist halt einer dieser netten Donnerstag-Feiertage, die man mit ein paar Gleitstunden oder einem Urlaubstag zu einem langen Wochenende nutzen kann. Vielleicht einem Kurzurlaub?

Aber das hat — neben der erfolgreichen Selbstaufgabe der großen christlichen Kirchen im deutschsprachigen Raum — auch mit dem eher unverständlichen Namen zu tun. „Fronleichnam“ heißt bekanntlich „Leib des Herren“ oder „Körper des Herren“. „Fron“ ist die männliche Form zu „Frau“, und der „Leichnam“ musste früher nicht unbedingt tot sein. Aber so wirklich klar wird die Bedeutung des Festes damit auch nicht.

Wenn man den liturgischen Namen verwendet — „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ –, kommt man der Sache schon näher, auch wenn wohl viele Menschen in Österreich damit auch nichts anfangen können. Von der Kommunion in der Kirche mag der eine oder andere immerhin schon gehört haben.

Nun ist das Geheimnis der Eucharistie tatsächlich nicht so einfach zu erfassen. Heuer wird zu Fronleichnam ein Ausschnitt aus dem Johannesevangelium gelesen, in dem sich Jesus selbst mit dem Manna vergleicht, mit dem die Israeliten beim Zug durch die Wüste genährt wurden:

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

Als Antwort auf die gesamte Rede sagen einige seiner Jünger: „Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?“ Und viele verließen Jesus und zogen nicht mehr mit ihm mit, obwohl sie seine machtvollen Taten und geistvollen Predigten erlebt hatten.

Ja, die Debatte um die Realpräsenz Jesu in der Eucharistie während der Reformation zeigt uns, wie sehr selbst in christlich durchwirkten Zeiten die Verheißung Jesu, dass er „wirklich eine Speise“ sei, für viele Provokation war. Calvin etwa konnte damit nichts anfangen und sah die Kommunion daher bloß als ein Zeichen an.

Umso wichtiger ist dieses Fest, an dem einmal im Jahr die Würde und Bedeutung der heiligen Eucharistie im Mittelpunkt steht. So oft wird Kommunion gespendet und empfangen, aber wie oft vergegenwärtigt man sich das schier unglaubliche Versprechen, das dahintersteckt? „Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ Nicht auf magische Weise, sondern weil diese Eucharistie die Konsumation des Glaubens ist. Sinnfällige Hinwendung Gottes.

In einem Land, in dem der christliche Glaube schon weitgehend verdunstet ist, ohne, dass es vielen bewusst ist, da ist es vielleicht ganz gut, einmal im Jahr über so ein Fest zu stolpern. Vielleicht wird ja heuer ein Kurzurlaub vor dem Allerheiligsten daraus?

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