Soros und Dragnea werden wohl keine Freunde mehr


Ungarns Premier Viktor Orbán ist wegen seiner Kampagne gegen George Soros des Antisemitismus verdächtigt worden. Ein kurioser Vorwurf, da das (trotzdem höchst seltsame) Sujet keinen Bezug irgendeiner Art zu jüdischen Klischees oder antisemitischen Stereotypen aufweist. George Soros wäre nebenbei bis jetzt auch nicht als engagierter Jude aufgefallen. Aufgefallen ist er aber als Financier antiisraelischer Initiativen — was einem echten Antisemiten ja gefallen dürfte.

Der Vorsitzende der rumänischen Sozialisten, Liviu Dragnea, reiht sich nun ebenfalls in die Soros-Kritiker ein. Nun ist auch hier Soros ein willkommener Außenfeind, weil Dragnea im Mittelpunkt einer weitreichenden Korruptionsaffäre steht, bei der es um Betrug, Veruntreuung staatlicher Gelder und mehr geht, wie die Siebenbürgische Zeitung berichtet.

Grundlose Anfeindungen?

Aber so ganz grundlos sind diese Anfeindungen nicht. George Soros hat mehrere Milliarden Dollar, die er als erfolgreicher Hedge Fund Manager und Investor mit z.T. umstrittenen Praktiken erwirtschaftet hat, in Stiftungen und NGOs eingebracht, die sehr offensiv die (eher linksliberalen) Anliegen von Soros propagieren. Das ist natürlich sein gutes Recht. Es wird aber in vielen Ländern als Einmischung von außen empfunden, was es ja auch ist. Eine solche Einmischung zu kritisieren, ist wiederum deren gutes Recht.

Mir wurde aus gut informierten Quellen zugetragen, dass nach der Wende auch Wien als (ein) Standort für die Central European University angefragt worden sein soll, aber die österreichischen Sozialdemokraten diesen Vorschlag brüsk zurückgewiesen haben sollen. Es wurde dann Prag und Budapest, aber die tschechische Regierung hatte auch keine rechte Freude mit dem Projekt, und so wurde der Standort Prag ja dann aufgegeben. Václav Klaus befürchtete, dass Soros Einfluss auf die tschechische Politik nehmen könnte, und ist noch heute stolz auf seine damalige Entscheidung. Ob SPÖ-Politiker aus Abneigung „gegen Spekulanten“ oder auch aus Angst vor politischer Einflussnahme die CEU ablehnten, weiß ich freilich nicht.

Nebenbei ist es ja amüsant, wie jetzt ähnliche Leute einerseits hohe Vermögensteuern auch mit dem Argument fordern, man müsse den Einfluss reicher Menschen auf die Politik beschränken, aber andererseits jemanden verteidigen, der genau diesen Einfluss geradezu personifiziert. Volle Offenlegung: Ich halte dieses Argument ohnehin für Mumpitz.

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