Wenn Holz-Kolibris durch buntes Wasser pflügen

Etwas, das zum Frühling passt, wenn auch nicht ganz zum heutigen Wetter: Der mexikanischer Designer und Professor für angewandte Kunst Moisés Hernández stellt wunderschöne sanft-farbige Vögel her: Aus Holz werden minimalistisch stilisierte Tukane, Kolibris und Quetzals gefräst und dann in gefärbtes Wasser getaucht. Je nach Tauchtiefe und Tauchdauer ergeben sich interessante, charmante Farbkombinationen.

Kolibri - Moisés Hernández

Kolibri – Moisés Hernández

Quetzal - Moisés Hernández

Quetzal – Moisés Hernández

Tukan, Quetzal und Kolibri - Moisés Hernández

Tukan, Quetzal und Kolibri – Moisés Hernández

Da die Vögel mit Werkzeugmaschinen automatisch aus dem Holz geschnitten werden, die Färbung aber per Hand vorgenommen wird, sieht Hernández darin einen „ausgewogenen Dialog“ zwischen handgefertigt und maschinell hergestellt. Ob man das jetzt für den in Kunstkreisen üblichen Versuch hält, zusätzliche Bedeutungsschwere zu inszenieren, oder für einen bedenkenswerten Aspekt moderner Fertigung: Die entstehenden Vögel sind jedenfalls eindrucksvoll.

Mehr, wie gesagt bei Moisés Hernández. Hinweis über This is Colossal, dort gibt es ebenfalls viele Bilder.

Das BIP und unbezahlte Arbeit oder: Sind wir nicht so viel reicher geworden, wie wir glauben?

Das Bruttoinlandsprodukt ist schon aus vielen Gründen als Wohlstandsindikator kritisiert worden. Aber auch in seiner ureigensten Eigenschaft als Meßgröße ökonomischer Aktivität gibt es ein ganz großes Loch: Jene Aktivitäten, die nicht als Marktransaktion geleistet werden, sondern im Haushalt, werden nicht abgebildet.

Gerade in aufstrebenden Ländern bilden diese Haushaltsaktivitäten einen bedeutenden Teil der wirtschaftlichen Tätigkeiten, doch auch in den sogenannten Industrieländern sind sie nicht unbedeutend. Doch wie bewertet man die Pflege des Vaters nach einem Schlaganfall, die Betreuung der Kinder, das Kochen für die ganze Familie, die Handwerksleistungen der Heimwerker?

In den USA wurde versucht, anhand von Studien über die Zeitverwendung sich der Haushaltsproduktion anzunähern. Den hochgerechneten Stunden, die von den Amerikanern für verschiedene Tätigkeiten der Haushaltsproduktion verwendet werden, wurde das gängige Gehalt für vergleichbare Markttätigkeiten zugeordnet. Näheres (mit weiteren Verweisen) und einigem Hintergrund dazu kann man bei Timothy Taylor lesen, der sich wiederum auf Benjamin Bridgman bezieht (pdf).

Mit dieser Methode wird die Haushaltsproduktion von 1965 mit 37% des regulären BIP bewertet, 2014 mit 23%. Ein Teil des zwischenzeitlichen Wirtschaftswachstums war also Scheinwachstum, da nicht bewertete Haushaltsproduktion durch Marktproduktion ersetzt wurde. Für Deutschland hat das Statistische Bundesamt geschätzt, dass 2013 die Bruttowertschöpfung aus der Haushaltsproduktion etwa 39% der Bruttowertschöpfung im regulären BIP beträgt; 1992 wären es noch 45% gewesen. Gudrun Biffl hat 1989 für Österreich eine Bewertung in der Höhe von 30-38% des regulären BIP vorgenommen.

Das ist jetzt keine Neuigkeit und war in vielen Fällen für die Betroffenen oft ein Gewinn: Haushaltsproduktion ist in der Regel „Allround“-Produktion, Marktproduktion erfolgt spezialisiert und damit effizienter. Für viele hat der Tausch also mehr Freizeit gebracht, aber sicher nicht allen. Anekdotisch fallen mir selbst Fälle ein, bei denen die reine Haushaltsproduktion ein flexibleres, selbständigeres Leben ermöglicht hat, als es bei Wechsel in die Berufswelt und Zukauf der gleichen Leistungen möglich gewesen wäre.

Das ist auch einer der Gründe, warum der Trend zur Teilzeit bei so vielen Menschen zieht: Durch die Teilzeit hat man mehr Zeit, Aufgaben für den Haushalt selbst zu erledigen, die man sonst zukaufen müsste — und möglicherweise nicht in der Qualität, die man selbst bereitstellen kann. Von der gewonnen Flexibilität gar nicht zu reden.

So gilt über das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre, was Tyler Cowen anmerkt: „Die große Stagnation war schlimmer, als du gedacht hast“. Passt gut zu seinem Lieblingssatz: „Wir sind nicht so wohlhabend, wie wir gedacht haben, dass wir es wären.“

Paris um 1735: Hörbar lebendig, lieblich, lärmend

Paris im 18. Jahrhundert: Das war, wie alle anderen großen Städte, ein lauter, geschäftiger Ort. Darin waren sich schon die Zeitgenossen einig. Wie laut, das versucht Mylène Perdoen zu rekonstruieren.

Die französische Wissenschaftlerin leitet das Projekt „Bretez“, benannt nach einem französischen Kartographen, der von 1734 bis 1736 einen detaillierten Plan der Stadt Paris im Auftrag des Stadtvorstehers Michel-Étienne Turgot erstellte, den sogenannten Plan de Turgot.

Dieser Plan war der Ausgangspunkt, von dem aus ein ganzes Team von Historikern, Soziologen und Graphikern die Geräusche des Grand Châtelet-Viertels um 1735 wieder zum Leben erwecken wollte. Zusätzlich zur Karte wurden historische Bilder und Stiche zu Rate gezogen, Hauspläne und Baubeschreibungen, zeitgenössische Schriftsteller und Archive.

Für den Ton wurden Geräusche von Maschinen und Gerätschaften der damaligen Art aufgenommen, vom Webstuhl bis zur Druckpresse; auch der Tiere, mit denen man zu rechnen hätte, wie Möwen und Fliegen. Lediglich der Ton der Wasserpumpe von Notre-Dame musste digital mit Hilfe einer alten Wassermühle digital rekonstruiert werden, da keine vergleichbare Pumpe gefunden werden konnte.

Es sind natürlich auch Menschen zu hören. So die fahrenden Händler mit ihrem berühmten „Pariser Schrei“, die Handwerker, die im Tageslicht arbeiten, Priester, die vorbeieilen, um jemandem die Sterbesakramente spenden, königliche Beamte und viele mehr.

Technisch war das Projekt sehr anspruchsvoll. So wurde die Umgebung, von der Anlage und Bauart eines Hauses bis zur Straßenbreite, berücksichtigt, um die Verbreitung und Hörbarkeit des Schalls richtig zu modellieren.

Einen interessanten Bericht kann man auf den Seiten des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) lesen. Das Projekt „Bretez“ findet unter dem Dach des CNRS statt.

Das Kreuz mit dem Kreuz im Gerichtssaal

Manchmal komme ich mir wie eine alte Schallplatte vor, die immer wieder das gleiche wiedergibt. Aber anscheinend muss es sein, weil man auch immer wieder der gleiche Unsinn quasi unausrottbar aus allen möglichen Orten hervorquillt.

So fordert Nikolaus Scherak von den NEOS wieder einmal, alle religiösen Symbole in der Justiz strikt verbieten zu wollen und jeden religiösen Bezug zu eliminieren, da das mit einem säkularen Staat nicht vereinbar sei. Insbesondere die Ablegung des Eides mit religiöser Form ist ihm ein Dorn im Auge.

Nun hat er die Besonderheit dieses Eides anscheinend nicht verstanden, aber das ist nur ein Nebenschauplatz.

Der Hauptschauplatz ist die Behauptung, dadurch wäre die Justiz weltanschaulich neutral. Das ist so offensichtlicher Humbug, dass man sich nur an den Kopf greifen kann.

Wie ich schon andernorts ausgeführt habe, sind die Gesetze immer Ausdruck der vorherrschenden Weltanschauungen, deren Wertungen sie widerspiegeln. Nun kann man sagen: Im heutigen Österreich dominieren längst andere Weltanschauungen, weswegen wir uns der christlichen Symbole entledigen sollten. Damit wird es aber nicht weltanschaulich neutral, nur anders. Und der Richter kann sich seiner Weltanschauung nicht entledigen — kann man ohne Weltanschauung überhaupt Urteile irgendeiner Art fällen? –, nur weil er etwas nicht tragen darf, ebenso der Schöffe. Was ihm richtig erscheint, wird sich dadurch nicht ändern.

Letztendlich geht es in der Symbolik natürlich um die Frage: Gibt es über das gesatzte Recht hinaus irgendeinen höheren Maßstab. Streng säkular gesprochen: Nein. Recht ist, was diejenigen, die wir als Gesetzgeber anerkennen (müssen), dazu machen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Dieser strikte Rechtspositivismus ist aber schon seit den Greueln des NS-Regimes diskreditiert — in Deutschland war hier die Radbruch’sche Formel gegen eklatant gerechtigkeitswidrige Gesetze wirkmächtig. Eine Formel, die übrigens keinen Sinn ergibt, wenn jede Moral, jede Vorstellung von Gerechtigkeit nur ein beliebiges Konstrukt ist.

Das Kreuz im Gerichtssaal erinnert daran, dass menschliche Justiz zwar nur menschlichen Maßstäben folgt, es aber über dem gesatzten Recht stehende Prinzipien von Gerechtigkeit gibt (aber auch Barmherzigkeit, würde Papst Franziskus sicher ergänzen). Nicht der schiere Wille des Gesetzgebers bestimmt, was Gerechtigkeit ist. Und jeder, der ein Urteil fällt, eine Zeugenaussage trifft, verteidigt oder anklagt, trägt dabei eine Verantwortung. Doch vor wem verantwortet er sich?

Ja, vor wem?

Ein Hälmchen: ein Gedicht zum Frühlingsbeginn

Es stand ein schwaches Hälmchen im Feld, im Herbste spät,
Wie eine arme Waise am Grab der Mutter steht.

Es hatte der rauhe Ostwind den zarten Halm geneigt,
Es hatte der rauhe Nordwind den zarten Halm gebeugt.

Und traurig sprach das Hälmchen: „Was soll ich länger hier?“
Ach, gute Mutter Erde, ach, nimm mich auf zu dir.

Und ist bestimmt das Ende dem kurzen Lebenslauf,
lass nicht im Sturm mich sinken, nimm lieber du mich auf.

Da kam ein rauher Nordwind und brachte tiefen Schnee,
der deckte mit weißer Hülle die Felder und die Höh’. —

„Jetzt ist mein Wunsch erhöret, jetzt bin ich schon vergnügt
mit diesem Totenbette auf dem’s so weich sich liegt.“

Doch als der Frühling kommen, da brach die Hülle auf,
Und als der Frühling kommen, da stand das Hälmchen auf:

Eine gold’ne Ähre reifte wohl aus dem Halm herfür. —
— Sei ruhig, meine Seele, der Frühling winkt auch dir! —

Salomon Hermann Ritter von Mosenthal

Dieses Gedicht stammt aus Mosenthals erstem Gedichtband, den er 1847 in Wien veröffentlichen konnte. Ein sehr romantisches Werk voll unerfüllter Sehnsucht und trauriger Wendungen. Eine kurze Biographie des Dichters, Dramatikers und Librettisten (u.a. die „Lustigen Weiber von Windsor“) kann man in diesem Blog lesen.

Livermorium macht das Smartphone zum Mini-Laptop

Für Smartphone-Benutzer, die gerne eine richtige Tastatur verwenden würden, tut sich etwas. Kürzlich habe ich vom Blackberry KEYone, einem gut ausgestatteten Gerät mit Android 7.1, Achtkern-Prozessor und einer klassischen Blackberry-Tastatur, geschrieben, nun kann man bereits bei Mediamarkt in Deutschland Vorbestellungen abgeben. Österreichische Anbieter, die Vorbestellungen annehmen, gibt es auch, die verlangen aber bis zu 100 Euro mehr als dem empfohlene Verkaufspreis von 599 Euro entspricht. Da wartet man doch besser noch ein wenig.

Moto Z mit Tastatur (Livermorium)

Moto Z mit Tastatur (Livermorium)

Oder schaut sich ein anderes Projekt an, auf das mich Sven Lübke in den Kommentaren aufmerksamgemacht hat: Eine ausschiebbare Tastatur im Querformat für das Moto Z. Das Moto Z hat nämlich auf der Rückseite einen Stecker für Erweiterungen, sogenannte „Moto Mods“, die wie eine Gehäuseabdeckung montiert werden. Darunter gibt es bessere Lautsprecher, eine zusätzliche Batterie oder einfach schön gestaltete Rückseiten.

Ein Team rund um Liangchen Chen mit dem klingenden Namen „Livermorium“ sammelt nun auf Indiegogo seit Anfang März Bestellungen für eine vollständige Schreibmaschinentastatur, die nicht nur herausgeschoben werden kann, sondern mit der man wie beim legendären Nokia 97 den Bildschirm schräg stellen kann. Es wird eigene Nummerntasten geben, Pfeiltasten, viele Sonderzeichen. Nicht zuletzt ist auch eine QWERTZ-Variante für den deutschen Sprachraum vorgesehen.

Das Design ist mittlerweile abgeschlossen, bald soll das Modul von Motorola geprüft werden. Vielleicht mag mancher auch warten, bis ein fertiger Prototyp gezeigt werden kann, damit man nicht die Katze im Sack kauft.

Tastaturen gibt es ab $60; wer will, kann auch zur türkis eingefärbten „Starter Edition“ um $200 greifen. 34% des Zielbetrags von 100.000 US-Dollar sind bislang erreicht, etwa ein Monat bleibt noch, um den restlichen Betrag aufzutreiben. Ansonsten wird das Projekt nicht verwirklicht, aber auch kein Geld eingezogen. Das Entwicklungsrisiko trägt das Team um Liangchen Chen selbst. Nun ist die Moto Z-Serie vielleicht nicht jedermanns Geschmack, doch wer ein modernes Smartphone mit QWERTZ-Tastatur im Querformat sucht, hat sonst am Markt praktisch keine Alternativen.

Er befreit meine Füße aus dem Netz. Zum 3. Fastensonntag.

Missale Salisburgense Dominica tercia Introitus

Missale Salisburgense Dominica tercia Introitus

Der dritte Fastensonntag heißt auch „Oculi“, denn über viele Jahrhunderte wurde die Messe an diesem Tag mit diesem Wort begonnen. Wie am Sonntag davor werden Verse aus Psalm 24 (masoretisch 25) für den Introitus, den Eingang, arrangiert. Dieser Psalm ist auf Grund seiner Thematik für die Fastenzeit besonders geeignet, geht es doch um die Bitte um Vergebung, die Befreiung aus Angst, Schuld und Bedrängnis.

Introitus (Ps 24, 15-16.1-2)1 Eingangsvers2
Oculi mei semper ad Dominum Meine Augen schauen stets auf den Herrn;
quia ipse evellet de laqueo pedes meos: denn er befreit meine Füße aus dem Netz.
repice in me, et miserere mei, Wende dich zu mir und sei mir gnädig;
quoniam unicus et pauper sum ego. denn ich bin einsam und gebeugt.
Ad te, Domine, levavi animam meam: (Zu Dir, Herr, erhebe ich meine Seele,
Deus meus, in te confido, non erubescam. Mein Gott, auf dich vertraue ich. Lass mich nicht scheitern.)

Über einen besonderen Bezug des Introitus zum Evangelium kann ich freilich nichts schreiben, denn bis zur Liturgiereform war an diesem Sonntag folgender Abschnitt aus dem Kapitel 11 des Lukas-Evangeliums zu hören:

Er trieb einen Dämon aus, der stumm war. Als der Dämon ausgetrieben war, konnte der Stumme reden. Die Volksscharen staunten. Einige von ihnen aber sagten: Durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. Andere aber forderten ein Zeichen vom Himmel, um ihn auf die Probe zu stellen.

Da er ihre Gedanken kannte, sagte er zu ihnen: Jedes Reich, das in sich selbst entzweit ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andere. Wenn aber auch der Satan mit sich selbst entzweit ist, wie soll dann sein Reich Bestand haben? Denn ihr sagt, dass ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe. Wenn ich aber die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann euere Söhne sie aus? Deshalb werden sie euere Richter sein. Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, dann ist sein Besitz sicher. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und ihn überwindet, dann nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verlassen hatte, und verteilt seine Beute. Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, schweift er durch wasserlose Gegenden und sucht einen Ruheplatz. Und wenn er keinen findet, sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und kommt er und findet es ausgefegt und geschmückt, dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit, die noch schlimmer sind als er, und sie ziehen ein und wohnen darin. Und so wird das Ende jenes Menschen schlimmer sein als sein Anfang.

Als er das sagte, erhob eine Frau aus der Menge die Stimme und sagte zu ihm: Selig der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, an denen du dich genährt hast!

Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr3 die, die das Wort Gottes hören und befolgen!

(nach der Herder-Übersetzung)

Diese Perikope wird nach der neuen Leseordnung nur noch an Wochentagen gelesen, nämlich am Freitag der 27. Woche im Jahreskreis und am Donnerstag der 3. Woche der Fastenzeit, nicht mehr am Sonntag. Zu schwierig scheint die Stelle für die heutige Zeit, die mit Dämonen und dem Beelzebul vielleicht nicht so viel anfängt.

Doch der Introitus erhellt sie wieder ein wenig. Jesus wendet sich dem Stummen zu und löst ihn von einer unglaublichen Last, einem stummen Dämonen. Befreit aus der Verstrickung in das Böse, kann er wieder sprechen. Er war gebeugt und allein — von Gebärdensprache und anderen Möglichkeiten der Teilhabe für Sprech- oder Hörbehinderte war damals noch keine Rede — , nun kann er wieder an der Gemeinschaft teilhaben.

Doch missgünstige Menschen sehen dieses Wunder nicht als Beweis von Gottes Zuwendung, sondern vermuten finstere Mächte dahinter, die die Menschen irreführen wollen. Ein lächerlicher Vorwurf, wie Jesus schlagfertig demonstriert.

Doch Jesus nutzt diesen Vorwurf und dreht ihn ins Gegenteil: Wer sich so klarer, sichtbarer göttlicher Zuwendung verschließt, der macht sich selbst zum Verbündeten des Bösen. Und selbst wer sich seinen Dämonen gestellt hat, der ist nicht davor gefeit, dass das Böse wieder die Oberhand gewinnt.

Was hilft? Auf Gottes Sohn hören und ihm folgen. Eine Kürzestfassung der Frohen Botschaft.


  1. Nach dem Missale Salisburgensa, Wien 1510. 
  2. Nach der deutschsprachigen Übersetzung der Editio typica secunda des Missale Romanums von 1975. Die gekürzten Verse wurden aus der Einheitsübersetzung ergänzt. 
  3. Die Übersetzung des griechischen Wortes μενοῦν ist durchaus schwierig. Die Vulgata versucht sich mit dem mehrdeutigen quinimmo zu helfen. Man könnte übersetzen „ja, tatsächlich“ oder „aber in Wahrheit“ und beides wäre richtig. Ein deutlicher Gegensatz wäre wohl anders formuliert worden. Der Satz der Frau wird jedenfalls nicht verneint. Die Antwort betont, warum er und seine Mutter selig zu preisen sind: Weil sie auf Gottes Wort hören. Das ist aber auch allen Zuhörern möglich.