Das Nokia-Handy kehrt zurück

Nokia 6 Werbeaufnahme © HMD

Nokia 6 Werbeaufnahme © HMD

Der Niedergang der Mobiltelephon-Sparte, der ihm Verkauf an Microsoft gipfelte, wird wohl nicht als ruhmreiches Kapitel in die Firmengeschichte Nokias eingehen. Doch das Unternehmen hat sich erfolgreich als Netzwerkspezialist quasi neuerfunden und mittlerweile den ehemaligen Rivalen Alcatel-Lucent geschluckt. Und so, wie Alcatel seinen Markennamen für Mobiltelephone an das chinesische TCL lizenziert hat, so hat auch Nokia dem finnischen Startup HMD einen Lizenzvertrag für Mobiltelephone abgeschlossen, der aber auch einiges mehr umfasst. Da HMD zu einem Gutteil aus ehemaligen Nokia-Mitarbeitern besteht, ist auch stilistisch eine gewisse Kontinuität zu erwarten.

Das erste Gerät, das Nokia 6, ist bereits in China am Markt. Ein solides Android-Mittelklassegerät mit gut auflösender Front- und Rückseiten-Kamera, 64 GB internem Speicher plus SD-Kartenplatz, normaler Kopfhörerbuchse und USB-To-Go, d.h. man könnte auch externe Festplatten und andere Peripheriegeräte am Handy anschließen.

Der Name zieht jedenfalls noch: Die erste Lieferung war in kürzester Zeit ausverkauft.

Nun kündigen sich für den Mobile World Congress Ende Februar in Barcelona weitere Neuigkeiten an; Das Nokia 6 kommt nach Europa, die kleineren Geschwister Nokia 3 und Nokia 5 sollen vorgestellt werden und zudem eine Hommage an das quasi unzerstörbare Nokiahandy 3310 das Licht der Welt erblicken, so der Vorbericht von venturebeat.

Infographik: Vier App-Stores im Vergleich

Moderne Mobiltelephone sind wirkliche Minicomputer, auf denen viele verschiedene Anwendungen laufen. Aus irgendeinem Grund heißen sie aber nicht Computer, sondern Smartphone, und die Anwendungen Apps. Eine interessante Infographik von Blogmost.com zeigt einige Fakten über die „App Stores“ von Apple, Google, Blackberry und Microsoft.

Auffällig: Die „kleinen“ App Stores — Blackberry und Windows Phone — machen verhältnismäßig viel Umsatz. Die Blackberry World erreicht mit viel weniger Nutzern 45% des Google Play Stores. Im Verhältnis zu den Umsätzen des Apple App Stores passt das Verhältnis dann schon eher. Hier zeigt sich wohl, dass Windows Phone und Blackberry OS eher von Menschen verwendet werden, die ihr Smartphone als Computer-Plattform nutzen. Gleiches gilt fürs iPhone, auf dem viele Menschen ihre wichtigsten Daten speichern und bearbeiten, von Passwörten bis zur Privatbuchhaltung, und natürlich Unterhaltung in der Form vieler Spiele genießen.

Bei Android gibt es einen höheren Anteil an Anwendern, die es vielfach nicht anders als die sogenannten „Feature Phones“ verwenden. Freilich gibt es mittlerweile auch viele alternative Android-App Stores, so dass die Statistik verfälscht ist, während die andere, geschlossene Plattformen eben nur den einen App Store zulassen.

Netterweise erlaubt blogmost.com das Verwenden ihrer Graphik auf anderen Seiten, daher hier das Bild:

LG Optimus F3Q: Ein Androide mit Tastatur

Ich hatte in Sachen QWERTZ-Handy schon ziemlich resigniert. Ja, der mögliche Umbau eines Motorola Photon Q, den Christian Wiesner beschrieben hat, ist zumindest ein Ausweg. Doch nun kommen zwei Nachricht aus Übersee, die auch für deutschsprachige Fans von Tastaturhandys interessant sein könnte.

Zum ersten: T-Mobile USA hat das LG Optimus F3Q vorgestellt, ein Android-Gerät mit einer typischen Mittelklasse-Ausstattung: 480×800 Bildpunkte, Corning Gorilla Glas, alle nötigen Verbindungen von Bluetooth 4.0 bis WLAN. Auch die heimischen GSM- und UMTS-Frequenzen werden unterstützt, nicht aber LTE: Da gibt es international einfach zu viele Frequenzbänder; drei werden vom Gerät unterstützt, doch in Deutschland und Österreich werden natürlich andere benutzt.

Ab Februar 2014 wird das Handy in den USA auf den Markt kommen. Sofern man es nach Europa bekommt, sollte es ohne Probleme einsatzfähig sein.

Zum zweiten: Blackberry-CEO John Chen hat angekündigt, in Zukunft wieder den Schwerpunkt auf Tastaturhandys setzen zu wollen. Dabei darf man sich nicht davon irritieren lassen, dass das nächste Gerät angeblich ohne Tastatur daherkommen soll: Die Konzeption des Low-Cost-Blackberry für Asien („Jakarta“) stammt noch aus der Zeit von Chens Vorgänger Thorsten Heins.

Aus den Kommentaren: Ein QWERTZ-Handy in „Eigenregie“

Die Idee, dass das Handy wie ein Mini-Notebook in der Hosentasche funktionieren könnte, mit vollständiger Tastatur, ist in den letzten Jahren einen sanften Tod gestorben, über den ich schon öfter in diesem Blog lamentiert habe. Christian Wiesner, der für die Markteinführung eines Android-Smartphones mit vollständiger QWERTZ-Tastatur auch eine Petition intiiert hat, hat dazu in einem Kommentar eine spannende Information, die ich gerne breiter weitergeben will:

Ich nutze nun seit knapp 2 Monaten ein umgebautes MOTOROLA Photon Q (sogenannter SIM card mod, vom Entwickler des Umbaus persönlich durchgeführt, Tomas Prochazka aus Prag = CornholioGSM). Zunächst hatte ich die Original-Software von SPRINT damit verwendet (Stock ROM), erst 4.0.4 und dann 4.1.2, bin jetzt aber wegen fortdauernder Probleme (Bluetooth-Abbrüche, kein mobiler Hotspot, etc) auf Cyanogenmod (CM11 = Android 4.4 ‘KitKat’) umgestiegen. Das Telefon hat auch QWERTZ statt QWERTY, das lässt sich sehr leicht ändern da die Tasten nur aufgeklebt sind.

Was soll ich sagen, obwohl mich alle meine Kollegen für verrückt erklärt haben, läuft das Gerät jetzt erstklassig, ich bin echt super zufrieden. Das Telefon macht alles was ich wollte, läuft flüssig und stabil, bucht sich schnell und zuverlässig in die verschiedensten Netze ein, speziell in alle CDMA-Netze wenn ich in China bin (der Umbau hat sich wohl über die Zeit verbessert). Ist zwar verrückt, dass man in Europa so einen Aufwand betreiben muss, um an einen leistungsfähigen Androiden mit Tastatur zu kommen, aber es funktioniert.

Als nächstes werde ich spaßeshalber mein altes SONY Xperia Pro auch mal mit CyanogenMod [Eine alternative Android-Distribution, die man selbst installieren kann.] ausstatten, mal sehen welchen Performance-Sprung man damit erreichen kann. Das Pro ist ja eigentlich ein tolles Handy, nur halt leider mit einem sehr schwachen Prozessor und wenig RAM ausgestattet. Letzteres kann man mit Link2SD und einer 2.Partition auf der SD-Karte relativ gut lösen (unter root), ersteres sollte sich durch CM deutlich verbessern lassen, allein weil ja schon die ganze unnütze Bloatware (Facebook, etc.) fehlt die SONY dummerweise fest auf das Telefon packt, und die sich auch nur unter root wieder entfernen lässt. CM scheint insgesamt weniger CPU zu nutzen als das Stock-ROM,das lässt hoffen.

Ich bin jetzt gespannt wann ein junger Unternehmer auf die Idee kommt sich etwas Geld zu organisieren, SPRINT auf einen Schlag 10.000 neue Motorola Photon Q zu einem günstigen Preis abkauft (die haben zu viele davon, da die Verkäufe in den USA unter den Erwartungen lagen), diese in Serie mit einem SIM-Kartenslot ausstattet, das aktuelle CM11 aufspielt und die Geräte hier in Europa professionell anbietet. Die beiden anderen Photon Q die ich umbauen ließ, habe ich über Ebay verkauft, sie brachten zusammen 840,- € ein, also im Schnitt 420,- € je Telefon, und das für ein gebrauchtes Gerät ohne Garantie !!

Dennoch würde ich für die Zukunft noch nicht aufgeben was das Tastatur-Handy betrifft. MOTOROLA wurde ja von Google geschluckt, und die wollen in Zukunft einige NEXUS-Geräte rausbringen. Mit dem Photon Q besteht eine Plattform die eigentlich nur mit einem aktuellen Prozessor und mehr Speicher ausgestattet werden muss, sonst ist das Telefon mit NFC und LTE auf der Höhe der Zeit. Es sollte ein leichtes für Google sein, auf dieser Basis ein Nexus mit Keyboard zu launchen, um Blackberry den Todesstoss zu geben.

Mehr Informationen zum Motorola Photon Q gibt es auf der Seite von Motorola, über den SIM card mod von Tomas Prochazka im Forum xda developers. Ich selbst habe diesen Mod nicht getestet und übernehme keinerlei Gewähr oder Haftung dafür, dass er irgendein brauchbares Ergebnis liefert.

Die hohen Preise für gebrauchte QWERTZ-Geräte – ein originalverpacktes Nokia N97 mini (Vorstellung: Herbst 2009) um 200 Euro, ein Sony Xperia Pro (Vorstellung: Frühling 2011) um ein wenig mehr – zeigen ja, dass es einen Bedarf nach solchen Smartphones gibt, wenn auch vielleicht nur für eine kleine Nische. Ob man mit Nischen Geld verdienen kann, werden die nächsten Monate des Jolla-Projekts ja zeigen. Vielleicht macht das auch anderen Mut.

Kleines QWERTZ-Update: Am Blackberry Q10 führen nur wenige Wege vorbei

Blackberry Q10

Blackberry Q10

Die beiden Artikel, die ich in den letzten Monaten zum Verschwinden der QWERTZ-Handys geschrieben haben, gehören zu den beliebtesten meines Blogs. Das beweist, dass es sich nicht bloß um ein kleines Grüppchen handelt, das gerne solch ein Gerät hätte. Ein Kommentator, Christian Wiesner, hat auf change.org eine Petition für ein modernes Android-Tastatur-Smartphones gestartet. Betonung liegt auf modern. In Österreich sind bspw. momentan drei Android-Handys mit Tastatur erwerbbar: Das zweieinhalb Jahre alte Sony Ericsson Xperia pro (Slider), das zwei Jahre alte Low-End-Gerät Huawei Boulder und das lediglich ein Jahr alte Alcatel OT-910 (beide mit kleinem Bildschirm mit untenstehender Tastatur), beide mit recht ähnlicher, heute veralteter Ausstattung. Das war es auch schon.

Ansonsten gibt es eine fürs flotte Nachrichtenschreiben geeignete Geräte von Nokia, wie das Nokia 210, die aber den Power-User nicht glücklich machen werden. Bleiben noch die beiden Blackberrys Q5 und Q10, wobei nach den jüngsten Betriebssystemsupdates ein alltagstaugliches, modernes Gerät vorliegen sollte. Für das Blackberry Q10 legt man vertragsfrei 500 Euro hin, für die kleine Schwester Q5 rund 350 Euro. Dafür bekommt man ein neues und zukunftssicheres Betriebssystem, so

Motorola Droid 5 (möglicherweise)

Motorola Droid 5 (möglicherweise)

Für die Fans der „Mini-Laptops“, wie es das Nokia N97 oder E7 verkörperte, mit ausschiebbarer Quertastatur, gibt es leider wenig zu melden. Der einzigartige Schiebemechanismus des E7, bei der der Bildschirm schräg nach oben ausfährt und echtes Laptop-Feeling erzeugt – und vor allem einen angenehmen Blickwinkel beim Schreiben –, hat keine Nachahmer gefunden. Obwohl er den Zusatznutzen hat, dass man das Handy auf den Schreibtisch legen kann und dank Schräge das Display bequem ablesen kann.

Etwas Hoffnung gibt manchen das Gerücht, dass die Google-Tochter Motorola an einem neuen Slider-Telephon arbeiten soll. Christian Wiesner hat es auch bei seiner Petition (siehe oben) verlinkt. Das ganze wird unter dem Namen „Droid 5“ gehandelt und soll in der Tradition der Serie von QWERTZ-Handys stehen, die Motorola in den USA als „Droid“ und in Europa als „Milestone“ vermarktet hat. Also ein relativ hochwertiges Gerät. Die bislang bekannten Fotos sprechen jedenfalls für ein Smartphone, das für das amerikanische CDMA-Netz von Verizon bestimmt ist. Ob es jemals das Licht Europas erblicken wird, ist höcht ungewiss. Schon das 4er-Modell hat den Sprung über den Atlantik nicht geschafft.

Connect hat übrigens im Sommer einen Test der zehn „besten Smartphones mit Tastatur“ veröffentlicht. Testsieger ist wenig überraschend das Blackberry Q10, das einzige moderne Spitzengerät mit Tastatur. Um auf die Zahl 10 zu kommen, haben sie auch das Motorola Milestone 2 (nicht mehr erhältlich!) und das Nokia E6-00 (nur noch in Restexemplaren) im Vergleich belassen.

Apple gegen Samsung: Wieviel Macht soll ein Unternehmen haben?

Schon das zweite Mal in Folge muß ich einem Kommentar Guardian zustimmen; diesmal geht es um den Prozeß zwischen Apple und Samsung, eine gewaltige PR- und Anwaltsschlacht, in der es um nichts anderes als um die Vorherrschaft in der Post-PC-Welt geht. In den diversen Gerichten der Welt gewann manchmal Samsung, manchmal Apple, was angesichts der umfangreichen Patentportfeuilles der beiden kein Wunder ist. Doch in den USA war die entscheidende Runde: Weil dort das Schadenersatzrecht besonders unangemessene Folgen haben kann, selbst Prozesse in hochkomplizierten zivilrechtlichen Materien von Laien (in jeder Hinsicht) entschieden werden und ein anerkannt absurdes Patentsystem existiert. So werden in den USA (aber nicht nur dort!) vor allem im Softwarebereich Patente für die trivialsten Dinge erteilt, sind oft übermäßig allgemein gehalten, werden oft erteilt, obwohl sie bloß den Stand dem Technik widergeben, um nur einige Beispiele aufzuzählen.

Dan Gilmore meint im Guardian: (von mir übersetzt)

[ … ] Jetzt bin ich kein Fan von Samsung. Wie so viele andere in der Technologiewelt hat es sich in ethisch fragwürdiger Weise benommen. Und es offenbar viele Funktionen des iPhone imitiert – es war allerdings Apples langjähriger CEO Steve Jobs, der bekanntermaßen Picassos Sprichwort zitiert hat, daß gute Künstler kopierten und große Künstler stählen. [ … ]

Schlußendlich wird sich Apple mit nichts weniger als einer gänzlichen Kapitulation Samsungs, und im weiteren, andere Android-Hersteller, zufriedengeben, in dem, was Jobs einen „thermonuklearen Krieg“ nannte, den er vor seinem Tod gegen Android zu führen plante. Wenn Apple erfolgreich ist, werden enweder alle Android-Hersteller Apple eine Lizenzgebühr zahlen, oder Apple wird es einfach über Gerichtsverfahren für andere Telephonhersteller zu teuer machen, in Wettbewerb treten. Und wenn das geschieht, könnte Apples finanzielle Dominanz im Smartphonebereich (Android führt bei den Stückzahlen) und Apple überwältigende Dominanz im Tabletmarkt unüberwindbar werden. [ … ]

Mehr noch als Microsoft in seinen skrupellosesten Tagen in den Neunzigern will Apple die Kontrolle darüber wie wir Technologie einsetzen. Es sperrt iOS komplett ab,  schreibt vor, daß Programme nur über Apples eigenes Portal angeboten oder verkauft werden dürfen, und beschränkt den Wettbewerb, wenn ein Entwickler irgendetwas tut daß einen Einfluß auf Apples eigenes Geschäft haben könnte. Und während sich Apple immer weiter in die Wohnzimmer ausbreitet – es wird weithin mit etwas Richtung TV gerechnet – und darüberhinaus, müssen wir uns fragen: Wollen wir ein einziges Unternehmen mit so viel Einfluß?

Die Angelegenheit ist natürlich nicht zu Ende. Samsung bekämpft das Erkenntnis und will notfalls auch in Berufung gehen, Apple will ein Importverbot für Samsung-Produkte erwirken und in der Folge die Strafe noch nach oben treiben, die zwar jetzt bereits eine Milliarde Dollar beträgt, aber unter Umständen sogar verdreifacht werden könnte. Google hat Entlastungsangriffe gegen Apple über Motorola begonnen. Ein absurdes Spiel, das letztlich vor allem uns Anwendern schadet.

Google/Motorola: Alles hängt von den nächsten Wochen ab

Die Analysen sind zahllos, warum Google die Mobiltelephon-Sparte des ehemaligen Weltmarktführers am Handymarkt, Motorola, kaufen wird. Wegen der Patente, d.h. um sich gegen die Versuche Apples und Microsofts zu wehren, Googles Handy-Betriebssystem Android mittels Patentklagen aus der Welt zu schaffen, sagen die einen. Zur vertikalen Integration von Betriebssystem und Endgeräten, á la Apple und HP, sagen die anderen. Der Kaufpreis in der Höhe von 12,5 Mrd. Dollar ist jedenfalls saftig, und ein Zeichen, dass die Motorola-Führung zwar in Marketing- und Entwicklungsfragen in letzter Zeit eher matt unterwegs waren, aber in Sachen Verhandlungsgeschick ganz gut unterwegs waren, Drohungen, sich mit Microsoft zu verbandeln oder andere Android-Hersteller wegen mutmaßlicher Patentverletzungen zu verklagen, inklusive.

Motorola ist bei weitem nicht der erfolgreichste Android-Hersteller; HTC und Samsung haben die spritzigeren Modelle, sind international breiter aufgestellt und haben auch die vielfältigere Modellpalette. Allerdings setzt Motorola, so wie Sony Ericsson, ausschließlich auf Android, und passt daher besser in Googles Portfeuille. Interessant die offiziellen, auffällig ähnlichen, positiven Reaktionen der Android-Partner Googles. Denn in Wahrheit wissen sie alle noch nicht, ob der Kauf positiv für sie sein wird oder nicht.

Wenn Google eine eigene Hardware-Abteilung hat, dann besteht für die anderen Android-Partner natürlich die Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten. Das sehen Analysten wie John McCarthy von Forrester als Chance für Microsoft, sein bislang erfolgloses System Windows Phone 7 als Alternative für Hersteller anzupreisen, die sich in diesem Fall nicht in Abhängigkeit eines Betriebssystem-Herstellers begeben wollen, der sie möglicherweise nur als Kunden zweiter Wahl behandelt.

Aber das muss ja nicht unbedingt der Fall sein. Es gibt viele Möglichkeiten für Google, die Partner zu versichern, dass sie nicht benachteiligt werden, von einer definierten Einbindung in die Entwicklung jener Teile von Android, die bislang von Google im eigenen Haus entwickelt werden, bis zur stärkeren Einbindung der Open Handset Alliance in die Entwicklung von Android. Nokia hat vor dem radikalen und bislang desaströsen Kurswechsel unter Stephen Elop etwa mit der Symbian Foundation seinen damaligen Partnern signalisiert, mit ihnen fair zusammenzuarbeiten. Und schon jetzt gab es für jede größere Android-Version einen Partner, der ein Flaggschiff-Telephon mit Google entwickelt hat. Wenn Google auch in Zukunft verschiedene Mitglieder der Open Handset Alliance abwechselnd dafür heranzieht, wird auch die Sorge gering sein, dass Google die Partner gegenüber Motorola benachteiligt.

Es ist also noch viel zu früh, die langfristigen Folgen realistisch abschätzen zu können. Viel wird aber davon abhängen, wie Google in den nächsten Wochen seine Partner überzeugen kann (und will), dass es trotz eigener Hardware auch die anderen Hardware-Partner fair behandeln wird.

Copycats

Auf Apples weltweiter Entwicklerkonferenz werden naturgemäß die neuesten Funktionen der Apple-eigenen Betriebssysteme OS X für den Mac und iOS für iPhone / iPad / iPod touch präsentiert, und jedes Jahr gibt es vorher selbst in Tageszeitungen banges Warten und nachher euphorische Kommentare. Manchesmal gerechtfertigt, manchesmal fragt man sich aber. Und heuer habe ich mich eher gefragt. Ja, man kann nicht jedes Jahr die Welt niederreißen, und es ist ja gut, wenn man Innovationen anderer Hersteller übernimmt, damit auch die eigenen Kunden davon profitieren. Aber man sollte nicht so viel Wirbel darum veranstalten.

Funktionen wie das direkte Herunterladen neuer Programm- und Betriebssystemversionen aufs Smartphone sind bei Nokia & Co. seit Jahren gang und gäbe, und zwar in einer wirklich benutzerfreundlichen Form. Es ist kein besonderer Verdienst, dass nun auch iOS-Geräte dafür nicht mehr an den Computer angeschlossen werden müssen. Das Nachrichtensystem iMessaging löst kein besonderes Problem – für Textnachrichten gibt es schon viele kostengünstige Kanäle; es ist von Blackberry direkt abgekupfert und hat als einzigen Vorteil, Kunden an Apple zu binden, da sie nur mit anderen Apple-Kunden über iMessaging kommunizieren können. Der nie schreib- und mundfaule Sascha Pallenberg vergleicht Apples Update mit einem Plagiat, während das Mobilblog GSMArena einige der Quellen für Apples „neue Funktionen“ dokumentiert. Vieles wurde nämlich nicht einmal besonders umgearbeitet, sondern 1:1 abgepaust, wie etwa das neue Benachrichtigungssystem, das von Android übernommen worden ist. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Das iPhone ist sicher ein gutes, leicht zu bedienendes Gerät, und hat, so wie das Samsung Galaxy S II mit Android oder das Nokia N8 mit Symbian^3 seine Vor- und Nachteile. Aber das innovativste Paket aus Hard- und Software ist es momentan wohl nicht.

Wenn sich Microsoft mit Google freut

Microsoft hat mit Windows Phone 7 ein Betriebssystem im Smartphone-Rennen, dem zwar noch etliche Funktionen abgehen, und das am Markt bislang wenig erfolgreich war, dem aber die meisten Kritiker hohes Potential bescheinigen. Durch die Allianz mit Nokia – ein Unternehmen, das allerdings gerade durch die Schwerpunktverlagerung zu Microsoft momentan genug Probleme hat – werden Microsoft gute Chancen eingeräumt, das Feld von hinten aufzurollen und sich gut zu positionieren.

Da mutet es geradezu grotesk an, dass Microsoft sich fast noch mehr freuen kann, wenn Smartphones mit Googles Android-Betriebsystem verkauft werden. Aber es ist so: Horace Dediu hat ausgerechnet, dass der Redmonder Softwarekonzern 2010 fünfmal mehr Geld mit Lizenzen für Android-Geräte verdient hat als mit Lizenzen für seine eigenen Windows Phone-Geräte. Der Grund ist einmal mehr das etwas seltsame Patentwesen im Bereich der Software, dass es Microsoft gestattet, für vermutete Patentverletzungen von den Geräteherstellern Lizenzgebühren zu verlangen, aber den eigentlichen Urheber einer allfälligen Rechtsverletzung, diesfalls Google oder das Android Open Source Project, nicht zu belangen.

Wer liest, welche Patente Microsoft zum Beispiel gegen Motorola geltend gemacht hat, wird sich auch fragen, wie man so etwas überhaupt schützen lassen konnte, z.B. „Method and system for managing changes to a contact database“. Nicht trivial, aber auch nicht so schwer, dass es sich nicht für den Fachmann in nahe liegender Weise aus dem Stand der Technik ergeben würde, wie es z.B. im österreichischen Patentgesetz heißt. In Österreich gibt es aber ohnehin keine Möglichkeit für Patente auf Software. In den USA schon, auch wenn mehr als fraglich ist, ob die meisten Software-Patenten den Standards für ein Patent entsprechen. Doch ein Patent eines Konkurrenten gerichtlich prüfen zu lassen, ist teuer und riskant; Lizenzgebühren sind berechenbar und geben Rechtssicherheit.

Jedenfalls kann sich so Microsoft durchaus über den Erfolg Googles am Smartphone-Markt freuen, denn die 150 Millionen Dollar Lizenzgebühren für Android-Handys fallen quasi ohne größere Investitionen in den Schoß, während für Windows Phone umfangreiche Mittel aufgewendet werden müssen, denen bloß 30 Millionen Dollar Einnahmen gegenüberstanden. Das ist nebenbei keine spezielle Kritik an Microsofts Verhalten, dass momentan unter den großen Spielern im Smartphonebereich völlig üblich ist. Aber irgendwie seltsam ist es schon.

Was iPhone, Galaxy S und N8 unterscheidet

Was macht ein Smartphone eigentlich zu einem Smartphone? Dieser Frage ist Steve Litchfield von All About Symbian nachgegangen — mit dem Ergebnis, dass keine der Definitionen wirklich sinnvoll ist.

Nur ein kleines Beispiel: Eine gängige Smartphone-Definition ist, dass man eigene  Programme installieren kann. Aber viele sogenannte „Feature Phones“ erlauben die Installation von Java-Anwendungen, und die Sony Ericsson-Plattform für Feature Phones (A200 und die Nachfolge-Versionen) erlaubt auch Java-Multitasking. Und das schon zu Zeiten, als beim iPhone Multitasking unmöglich war und Techno-Journalisten erklärt haben, dass dieses Feature sowieso niemand braucht.

„Smartphone“ ist eben eigentlich nur ein Marketing-Begriff, der ein besonders gut ausgestattetes Telephon meint. Aber halt — warum gibt es dann viele Smartphones, die als Telephon ziemlich versagen? Oder deren Akku so schwachbrüstig dimensionert ist, dass man nicht einmal einen Tag mit dem Telephon durchkommt?

Hier macht Litchfield noch eine interessante Beobachtung, Weiterlesen