Hypo Alpe Adria: Schadensbegrenzung

In Sachen Hypo Alpe Adria wurde nun also endlich eine Entscheidung getroffen, wie Finanzminister Michael Spindelegger bekanntgegeben hat. Dabei spricht er eine recht klare Sprache: Koalitionspartner SPÖ und die Österreichische Nationalbank waren strikt gegen jede Form der Insolvenz. Das klingt dann so: „Ich hatte aber auch die einseitige Festlegung meines Koalitionspartners und verschiedener Institutionen, wie etwa der OeNB und der FMA, in besonderem Maße zu berücksichtigen.“

Daher werden nun also die Südosteuropatöchter verkauft und der Rest in Form einer privatrechtlichen Gesellschaft abgewickelt.

Die Aufregung ist natürlich groß. Jede rechtlich saubere Lösung wird medial zerrissen; der Boulevard will Blut sehen. Es gab einen guten Grund, warum die Politik das heikle Thema vor sich her geschoben hat: Solange man einfach Milliarde um Milliarde nachgeschossen hat, war nämlich an der medialen Front vergleichsweise Ruhe. Es ist traurig, aber wahr: Politikermikado funktioniert. Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.

Vieles, was so in Medien und Internetforen kolportiert wird, spottet aber auch jeder Beschreibung. Da wird ständig von intensiver Gläubigerbeteiligung gesprochen, weil es ja eh nur böse Banken seien, die es betreffe. Erinnert ein bisserl an frühere Jahrhunderte, wo man sich zuerst vom Geldleiher etwas ausborgt, und wenn er es zurückverlangt, ihn aufknüpft.

Tatsache ist: Gläubiger haben ein Recht darauf, dass der Schuldner alles unternimmt, um seine vertragliche Schuld zu tilgen, unabhängig von Ansehen und Person des Gläubigers. Zuerst wird also das Vermögen verwertet; dann weitere Sicherheiten; dazu gehören auch die umfangreichen Haftungen des Landes Kärnten. Für Einlagen greift außerdem noch der Haftungsverbund der Hypothekenanstalten. Selbst wenn nur ein Teil der Forderungen der Hypo werthaltig ist, so würden Vermögen und Haftungsfonds wohl zur Gläubigerbefriedigung reichen. Freilich wäre Kärnten dann selbst bankrott und müsste wohl sein gesamtes Landesvermögen verwerten. Das ist nur eine der unangenehmen Folgen, die man vermeiden wollte und für die SPÖ angesichts eines SPÖ-Landeshauptmanns verständlicherweise unannehmbar war.

Dann gilt es noch den Rang der Verbindlichkeiten der Hypo zu berücksichtigen. Nachrangige Verbindlichkeiten bei denen also ein höheres Verlustpotential von vornherein feststand, könnten tatsächlich unter gewissen Umständen nur teilweise zurückgezahlt werden.

In diesem Zusammenhang finde ich die Versuche der FPÖ lächerlich, zu behaupten, die FPÖ-Politiker hätten die Bank ja rechtzeitig verkauft, und nur der Bund wäre so dumm gewesen, sie zu verstaatlichen. Das Problem war ja von vornherein die Landeshaftung einerseits und der Welleneffekt auf den Haftungsverbund der Hypothekenbanken andererseits. Die Landeshaftungen wurde sogar nach Verkauf der Hypo weiter aufgestockt. Einfältige Landespolitiker hielten das für ein gutes Geschäft, erhielt das Land doch Haftungsprovisionen dafür. Selbst nach der Notverstaatlichung besaß Landeshauptmann Gerhard Dörfler die Chuzpe, weitere Haftungsprovisionen einzuklagen, obwohl ja der Bund de facto das Risiko übernommen hatte.

Die Lehre ist simpel: Die öffentliche Hand sollte tunlichst keine Banken besitzen. Das hat in Deutschland nicht funktioniert, siehe WestLB, und das hat in Österreich nicht funktioniert. Es passt ja perfekt ins Bild, dass ausgerechnet die staatliche BayernLB sich die staatliche Hypo Alpe Adria zu völlig überhöhten Preisen andrehen ließ.

Alles andere ist nur Schadensbegrenzung. Die hätte vielleicht besser verlaufen können. So viel besser aber auch wieder nicht, wie Schreibtischanalysten gerne behaupten.

Gott mit dir, du Land der Bayern

Über die bayerische Landtagswahl werden berufenere Köpfe als ich etwas schreiben. Nur einige kleine Bemerkungen: Wenn man die Liste der Wahlumfragen auf wahlrecht.de ansieht, kann man diesmal den Meinungsforschern der renommierten Institute kaum Vorwürfe machen; einzig die Grünen wurden systematisch deutlich überschätzt. Das war vor fünf Jahren nicht der Fall und macht neugierig auf nächsten Sonntag, bei dem freilich die Wählerreaktion auf das Bayernergebnis miteingepreist ist. Was mich an Bayern überrascht, ist die Fülle an kleineren Parteien, die zwar den Landtag nicht erreichen, aber auf Kommunal- und Regionalebene verankert sind und eine feste, aktive Basis haben. Ich denke da etwa an die Bayernpartei oder die Ökologisch-Demokratische Partei. Solche Parteien gibt es in Österreich kaum, jedenfalls nicht mit solcher Tradition und solidem Bestand.

Als Nichtbayer maße ich mir aber ein anderes Urteil zu. Bayern hat nämlich eine wunderschöne Hymne:

Der Text wurde von Michael Öchsner verfaßt, die Melodie stammt von Konrad Max Kunz. Der heute gültige Text ist eine leicht geänderte Version der ersten beiden Strophen, die Öchsner 1860 gedichtet hatte. Die dritte Strophe wird momentan nicht gesungen. Hier der offizielle Text der Bayernhymne:

Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen ruhe Seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben Seines Himmels, Weiß und Blau!

Gott mit dir, dem Bayernvolke, dass wir, uns’rer Väter wert,
fest in Eintracht und in Frieden bauen uns’res Glückes Herd!
Dass mit Deutschlands Bruderstämmen einig uns ein jeder schau
und den alten Ruhm bewähre unser Banner, Weiß und Blau!

Mehr zur interessanten Geschichte dieser Hymne kann man auf den Seiten des Freistaats Bayern nachlesen, oder auch auf bayernhymne-online.de, das sich speziell mit der Bayernhymne befasst. Diese Website wurde vom mittlerweile verstorbenen Dr. Johannes Timmermann erstellt, der auch selbst eine neue dritte Strophe für die Hymne dichtete. Timmermann wies auch auf den Gebetscharakter der Hymne hin, der sich beispielsweise auch in einer von Öchsner später geschriebenen vierten Strophe ausdrückt, die sich an die Gottesmutter als Patrona Bavariae wendet.

Wir brauchen eine Bildungsdebatte, keine Dienstrechtsdebatte

Die Debatte um das Lehrerdienstrecht gehört zu den seltsameren in diesem Land. Unglaublich viele Menschen haben eine Meinung dazu, auch wenn kaum jemand weiß, was wirklich in diesem Paket drinnensteckt. Mittlerweile scheint es am wichtigsten, daß es irgendeine Einigung „vor den Wahlen“ gibt, als was eigentlich in dieser Einigung drinsteht.

Umso erfreulicher, daß Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl es auf den Punkt bringt: Eigentlich ist das Dienstrecht ein Nebenschauplatz einer Bildungsreform. Leitl zum Kurier: „Es ist absurd, über ein Dienst- und Gehaltsrecht zu reden, solange nicht feststeht, was wir bildungspolitisch wollen. Über zwei Stunden mehr Arbeit für die Pädagogen zu debattieren, ist daneben. Wir müssen über Bildungsziele diskutieren.“

Dabei prallen hier verschiedenste Interessen aufeinander. Einige Landespolitiker streben eine völlige Verländerung der Schulen der Sekundärstufe I an, weswegen sie formell für eine Gesamtschule sind, die sich aber im wesentlichen im Austauschen der Türschilder an den AHS-Unterstufen erschöpfen soll. Manche träumen von echten Gesamtschulen (und dem Ende berufsbildender Schulen) bis 18/19, andere von Schulschwerpunkten und größerer Wahlfreiheit. Einige sehen Schulen als Chance der Gesellschaftstransformation, andere haben genau vor dieser Transformation Angst und setzen auf Selbstbestimmung. Die berufsbildenden Schulen sind erfolgreich, werden es aber durch die neue Lehrerausbildung schwieriger haben, Praktiker zu gewinnen. Dort ist auch die Integration mit weiterfüherenden Bildungsangeboten ein großes Thema. Hier sind also wesentliche Debatten zu führen, die kaum geführt werden.

Stattdessen eben Dienstrecht. Nebstbei sollte es einigen zu denken geben, das etwa in Oberösterreich jeder, der kann, lieber einen Lehrerposten in Bayern als in Österreich anstrebt. Wegen der besseren Rahmenbedingungen. Die es, so scheint es, bei uns nicht so schnell geben wird.

Pumuckl: 50 Jahr, rote Haar

Der Pumuckl ist also 50 geworden: Am 21. Februar 1961 krächzte er das erste Mal im Radio und spukte in der Werkstatt des Meister Eder. Der kleine, meist unsichtbare Klabautermann hat im Radio und später im Fernsehen viele Kinder voll Spannung mitfiebern lassen, ob auch diesmal der ganze Schabernack ein gutes Ende findet. Die Pumuckl-Geschichten der mittlerweile 91jährigen Ellis Kaut, die den Pumuckl erfunden hat, finden sich in vielen Haushalten.

Geschichten schreiben hat manchmal etwas von Alchemie, doch beim Pumuckl hat die Mischung gestimmt, wie der Bayerische Rundfunk, Pumuckls Haus- und Hofsender, schreibt:

„Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt, niemand entdeckt,“ waren die ersten Worte des kleinen Hausgeistes im allerersten Pumuckl-Hörspiel, „Spuk in der Werkstatt“, unterbrochen durch ein herzhaftes Lachen Hans Clarins, der dem Pumuckl über Jahrzehnte seine Stimme lieh und dem Kobold – auch schon im Medium Radio – einen unverkennbaren Charakter verlieh. „Ich habe Hans Clarin immer für einen besonderen Schauspieler gehalten und ihn deshalb für die Rolle des Pumuckls ausgesucht,“ erinnert sich Candida Franck, die damalige Leiterin der Redaktion Kinder und verantwortliche Pumuckl-Redakteurin.

Die 95-Jährige, die zurückgezogen am Starnberger See lebt, erinnert sich noch gut an die Konzeption der Sendung, von der sich damals niemand hätte träumen lassen, dass es mal ein so großer Erfolg werden würde. „Das war ja erstmal nur ein Versuch unter mehreren, eine Serie zu etablieren,“ erzählt Candida Franck. Das Geheimnis des Erfolges liege vielleicht in dem Widersprüchlichen der beiden Hauptfiguren: Auf der einen Seite der kleine, feine, Hochdeutsch sprechende, kindliche Pumuckl und auf der anderen der etwas derbe, gestandene Bayer — eine gute Grundlage für Spannungen und damit für spannende Geschichten.

Ohne Ellis Kaut, die übrigens auch etliche andere Werke verfaßt hat, wäre jemand wie der Pumuckl vielleicht nur ein schlimmer Bengel, mit dem man nichts zu tun haben wollte; seine Naivität und Herzlichkeit, die sich mit seinem Drang zu Streichen oft überraschend verbinden, und viel mehr verleihen ihm Charakter. Ellis Kaut erzählte selbst in einem Interview auf die Frage, ob sich ihre Beziehung zum Pumuckl geändert habe:

Nein, er bleibt immer der gleiche und er sagt mir natürlich auch immer vor, was er sagen würde. Ich sehe ihn wirklich vor mir stehen, Sie werden lachen. Wenn ich am Schreibtisch sitze, dann sehe ich ihn reden. Ich weiß dann auch ganz genau, wenn etwas Falsches im Text wäre, was nicht dem Pumuckl gemäß wäre. Das würde mir in irgendeiner Form wehtun. Die Leute meinen immer, sie könnten auch eine Pumuckl-Geschichte schreiben. Das können sie nicht, weil es so viele spezielle Sachen beim Pumuckl gibt. Meiner Tochter geht es genauso wie mir, wenn ein falscher Ton darin ist. Genauso ging es meinem schon verstorbenen Mann. Die Familie wusste, wann der Pumuckl richtig spricht.

In dem langen Interview erzählt sie auch, wie es zum Pumuckl gekommen ist, und wie sich ihre persönliche Einstellung zur Schriftstellerei gestaltet. Sehr interessant – statt mehr zu exzerpieren, verlinke ich lieber noch einmal.

Bis Freitag kann man bei Radio Mikro auf Bayern 2 jeweils um 18:30 ein altes Pumuckl-Hörspiel anhören, und dann wieder am 1. April. Am 19.2. gab es eine einstündige Pumuckl-Sondersendung mit allem Wissenswerten, was es so zu dem kleinen Rotschopf zu wissen gibt, die man hier nachhören kann.