Nennen wir es Bildungsreform 

Was eigentlich jedem Beobachter schon längst klar war, ist nun auch offiziell geworden: Aus der groß angekündigten Bildungsreform wird vor der Wahl wohl nichts mehr. Offenbar hat da der Wahlkampf einen zu großen Schatten geworfen, denn in der Sache lag man ja gar nicht so weit auseinander.  Und die Materie, für die eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist, hätte man im schlimmsten Fall ausklammern können.

Es gibt trotzdem keinen Grund zu jammern, denn die „Bildungsreform“ wäre vor allem eine Reform der Schulverwaltung gewesen. Ob gut oder schlecht — das hängt wohl vom Standpunkt ab –, doch jedenfalls für die Qualität der Ausbildung nur von sekundärer Bedeutung.

Die jetzt wieder diskutierten gewaltigen Probleme etwa in vielen Volksschulen und NMS hätte das Gesetzespaket höchstens am Rande gestreift. Vielleicht hätte die größere Subsidiarität beim Umgang mit Ressourcen geholfen; vielleicht auch nicht, weil sich die Politik dann an den Direktoren noch besser abputzen kann.

Es war vom Marketing her vielleicht klug, das Paket als „Bildungsreform“ verkaufen zu wollen. Aber den Namen sollte man eigentlich für Vorhaben reservieren, die tatsächlich die Qualität der Bildung steigern sollen. Österreich wird jedenfalls gut ohne das jetzt mit großen Getöse scheiternde „Reformwerk“ leben können.

CEU: Orbán gegen Soros

Große Aufregung. „Angriff auf die freie Wissenschaft“. „Orbán bläst zum Angriff auf die Zivilgesellschaft.“ Was ist da nur wieder geschehen?

Die ungarische Regierung schlägt ein Gesetz vor, wonach Universitäten, deren Trägerorganisationen in Drittstaaten — also nicht im EWR — beheimatet sind, nur dann akkreditiert werden, wenn die Universität auch im Ursprungsland operiert und über die Anerkennung ein Vertrag zwischen Ungarn und dem Herkunftsland geschlossen wird.

Nun gibt es in Ungarn nur eine Einrichtung, auf die das zutifft, nämlich die Central European University, die vom ungarischstämmigen George Soros mit einer Stiftung von 880 Millionen Dollar gegründet wurde. Bis 2007 war Soros auch Vorsitzender des Verwaltungsrats der Universität.

Die CEU wurde nach der Wende geschaffen, um eine neue Generation von potentiellen Führungskräften und Intellektuellen im Geiste der linksliberalen Ideale heranzubilden, denen Soros und viele seiner Freunde anhängen. Auch sind ein länderübergreifendes Bewußtsein und eine Impfung gegen Nationalismen besondere Ziele der Universität.

Beispielhaft für die politische Ausrichtung steht der jetzige Rektor, ehemaliger Chef und Spitzenkandidat der kanadischen Liberalen Michael Ignatieff, der die Partei 2011 auf ein historisch schlechtes Wahlergebnis geführt hat.

Der Anspruch, Führungskräfte auszubilden, liest sich in einem Artikel des Pester Lloyd so:

„Gewöhnlich bekommen unserer Absolventen auch sofort einen Job“, meint Yehuda Elkana, „und nicht gerade die schlechtesten.“ Unter den Absolventen aus über 80 Ländern finden sich Minister und Botschafter, Professoren und Wissenschaftler, Rechtsanwälte und Menschenrechtsbeauftragte. Prominenteste Beispiele sind der rumänische Justizminister und der Umweltminister von Georgien. Dass der Kontakt zu diesen Absolventen auch nach deren Abschluss nicht abbricht, liegt im Interesse der Universität. „Interessant dabei ist, dass 80% in ihr Heimatland zurückkehren und dort wichtige Positionen einnehmen.“, meint dazu Elkana.

Nun ist es natürlich auch das gute Recht des Stifters, mit seinem Privatvermögen so viele Ausbildungsstätten zu gründen, wie er will. Und wer seine Ideen verbreiten will, tut gut daran, zukünftige Führungskräfte dafür zu gewinnen.

Daraus folgt aber nicht zwangsläufig, dass solche Institutionen auch staatlich anerkannte Universitäten sein müssen. Das musste auch Soros erst lernen: So wurde die CEU ursprünglich in Prag angesiedelt. Doch die tschechische Regierung machte unmissverständlich klar, dass sie kein Interesse an einer Unterstützung dieser Einrichtung hätte. So weigerte sich Regierungschef Václav Klaus, die Miete für die Universität durch den Staat übernehmen zu lassen. Klaus wollte eine Einmischung von Soros in die tschechische Politik verhindern, und steht dessen Projekten bis heute sehr kritisch gegenüber.

Darauf ging das Projekt nach Ungarn, wo schließlich 2004 die Akkreditierung erfolgte. Übrigens war auch der jetzige Ministerpräsident Viktor Orbán einmal in den Genuss eines Stipendiums durch eine Soros-nahe Einrichtung gekommen. Viele junge Mittel- und Osteuropäer hatten durch die Zuwendungen des Milliardärs ungeahnte Möglichkeiten erhalten, sich weiterzubilden. Freilich verfolgt Soros dabei auch eine sehr eigenwillige Melange politischer Zielsetzungen, die mancher nicht goutiert und durchaus als Einmischung von außen empfunden werden kann. Es hat auch einen seltsamen Beigeschmack, wenn sich Wohlhabende quasi die Meinungen künftiger Generationen „kaufen“ wollen.

Wer übrigens einen Kommentar lesen will, der sich zwar kritisch mit den Versuchen von George Soros beschäftigt, seine Weltsicht zur Sicht der Welt zu machen, aber nicht in die Kategorien „Verschwörungstheorie“ fällt, vielleicht noch garniert mit antisemitischen Stereotypen, kann z.B. mit dem Text von Caroline Glick in der Jerusalem Post anfangen. Etwas dick aufgetragen, aber ähnlich überhöht ist ja der Pathos seiner Stiftungen, so dass es sich wieder ausgleicht.

Je gebildeter, desto sinnloser?

Dominic Cummings war der Wahlkampfleiter der Vote Leave-Kampagne für den Brexit, zuvor Berater des damaligen Unterrichtsministers Michael Gove. Im „Spectator“ schreibt er in einem langen, aber sehr anregenden Text über seine Erfahrungen in der Brexit-Kampagne, insbesondere, warum die Abstimmung für den Austritt aus der EU ausgegangen ist.

Ein Abschnitt daraus hat mich besonders zum Nachdenken angeregt:

I’ve learned over the years that ‘rational discussion’ accomplishes almost nothing in politics, particularly with people better educated than average. Most educated people are not set up to listen or change their minds about politics, however sensible they are in other fields.

Ich habe mit der Zeit gelernt, dass „vernünftige Diskussionen“ in der Politik fast nichts erreichen, insbesondere mit überdurchschnittlich gebildeten Leuten. Die meisten gebildeten Leute sind nicht darauf eingestellt, beim Thema Politik hinzuhören oder ihre Meinung zu ändern, wie verständig sie auch in anderen Bereichen sein mögen.

Wenn ich darüber nachdenke, wieviele Diskussionen ich schon geführt habe, ohne dass ich oder mein Gegenüber etwas an der eigene Position geändert hätten; wie oft bei einer allfälligen Wiederholung dann doch wieder die gleichen Argumente hervorgeholt werden — dann glaube ich gerne, dass Cummings da irgendwie recht hat.

Je gebildeter man ist, desto leichter kann man eben wegrationalisieren, dass die eigenen Argumente eigentlich widerlegt wurden. i

Sibylle Hamann und der Grundsatzerlass zur Sexualerziehung

Sibylle Hamann kennt entweder den Entwurf des Grundsatzerlasses für Sexualerziehung nicht, oder lässt sich von der trockenen Sprache blenden. Anders ist ihre jüngste „Presse“-Kolumne bei wohlmeinender Interpretation nicht zu erklären, in der sie Kritiker an dem Erlass als „Radikalkatholiken“1 zu entwerten versucht und ihnen unterstellt, „gegen den (ohnehin kaum vorhandenen) Sexualkundeunterricht an Schulen hetzen.“

Die dritte Möglichkeit — dass sie z.B. eine Frühsexualisierung von Kindergarten- und Volksschulkindern befürwortet, einschließlich einer Erweiterung der „Körperkompetenz“ (ein Codewort für sexuelle Berührungen) — mag ich mir bei jemanden, der einmal Chefredakteur einer Zeitung für Menschenrechte gewesen ist, nicht vorstellen. Freilich, auch der Weg in den Pädophilieskandal der deutschen Grünen war mit vermeintlich guten Vorsätzen über „moderne Sexualpädagogik“ und „befreiende sexuelle Erfahrungen“ gepflastert. Dass diese überholte Position bei uns in der Provinz erst ankommt, wenn sie überall sonst längst auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist, wäre natürlich nicht untypisch.

Meine Ferndiagnose2 wäre aber eher „mood affiliation“, bei der man sich zuerst für eine Stimmung oder Gesinnung entscheidet, und dann auch disparate Ansichten verteidigt, die dazu passen. Die Kritiker werden im katholischen Lager verortet, dem Sibylle Hamann in früheren Kolumnen schon eher wenig Verständnis entgegengebracht hat, die Propagierung einer umfassenden Sexualerziehung dagegen war ja eines der Anliegen der 68er. Da fällt die Stimmungsentscheidung nicht schwer, auch wenn es bei dem jetzigen Streit inhaltlich um etwas anderes geht, und der Erlass gerade aus menschenrechtlicher Sicht bedenklich wäre (vgl. z.B. Art. 2 1. ZP EMRK, UNO-Kinderrechtskonvention, Übereinkommen des Europarats zum Schutz von Kindern)

Der Vergleich mit dem Schwimmunterricht ist natürlich amüsant, und bezieht sich wohl auf diese „Falter“-Geschichte von Sibylle Hamann. In Deutschland wurde bekanntlich versucht, für eine 13jährige Muslimin eine Befreiung vom Schwimmunterricht durchzusetzen — vergeblich. In Österreich findet der Schwimmunterricht allerdings bereits in der Volksschule statt, in der auch für Muslime strenger Observanz auf Grund des geringeren Alters der Kinder die Badekleidung noch kein sittliches Problem darstellt, so der „Standard“. Kurz gesagt: Der Vergleich mit dem Schwimmunterricht hinkt auf jedem Fuß.

Freilich, so wie man an Blogeinträge wie diesen gewöhnlich keine zu hohen Ansprüche stellt, sind auch regelmäßige Meinungskolumnen in Tageszeitungen schon definitionsgemäß keine Hochburgen des faktenorientierten Journalismus. Oft werden Kolumnenautoren von Redaktionen auch strategisch so angeworben, dass bestimmte Zielgruppen bedient werden und andere sich darüber echauffieren. Insofern: Mission accomplished.


  1. Im Wortsinn ist es ja fast ein Lob: Menschen, die zu den Wurzeln zurückgekehrt sind und so ihre Überzeugung verinnerlicht haben. Aber so ist es ganz offensichtlich nicht gemeint. 
  2. Ferndiagnosen sind natürlich sehr gewagt und damit irrtumsanfällig, das gebe ich gerne zu. Doch ist ja praktisch jeder Kommentar über andere Menschen auch immer so etwas wie eine Ferndiagnose, oder? 

Gesamtschule: Reduziert sie soziale Selektion?

Die Industriellenvereinigung (IV) hat wieder einmal die Gesamtschuldebatte angeheizt, die in Österreich seit Jahrzehnten erbittert geführt wird. In ihrem neuen Schulkonzept fordert sie eine „binnendifferenzierte“ Gesamt- und Ganztagsschule, wobei die Netto-Schulzeit dieser vorgeschlagenen IV-Ganztagsschule nur unwesentlich höher liegt als die der jetzigen Halbtagsschulformen.

Eine der Mythen, die diese Gesamtschule in Österreich umweht, ist die Idee, dadurch würde die „soziale Selektion“ verringert werden und der Vorteil egalisiert werden, den Kinder haben, deren Eltern sich intensiver um deren Bildung kümmern (können). Diese Idee wurde in den USA eine Zeitlang sehr intensiv verfolgt, mit strikter Sprengelpflicht und Gesamtschule. Das Ergebnis waren dramatische Leistungsunterschiede zwischen den Schulen, die sich z.T. aus dem sozialen Hintergrund der Sprengelbewohner ergaben. Darüberhinaus waren Kinder aus aufstiegsorientierten Familien in ihrem „schlechten“ Sprengel gefangen. Die Folge: Familien suchen sich oft den Wohnort nach der Schule aus. Die soziale Segregation nimmt zu.

Im IV-Modell ist aber davon ohnehin keine Rede. Die bisher in Österreich üblichen Schulsprengel sollen einem „Schulträgerschaftsmodell“ weichen. Die einzelnen Schulen sollen eine „hohe Autonomie“ besitzen, die natürlich auch Schwerpunktsetzungen ermöglichen wird. Damit wird die Selektion mit 6 Jahren, die bereits jetzt eine so große Rolle spielt, noch vorangetrieben.

Schon jetzt sichern sich manche öffentliche Volksschulen in den großen Städten durch geeignete Schwerpunktsetzungen einen höheren Anteil an den Kindern mit guten Deutschkenntnissen. Da werden etwa besondere Fremdsprachenschwerpunkte bemüht, oder das System der Mehrstufenklasse. Eine Methode ist auch die angekündigte intensive Elterneinbindung, die auf jene Eltern abzielt, die eben die Bildung ihres Kindes intensiv unterstützen. In Wien soll die Differenzierung durch Leistung schwierig sein, weil der Stadtschulrat es nicht gerne sieht, wenn in einer öffentlichen Volksschule den Kindern mehr beigebracht wird. Anderswo funktioniert auch das als Vorselektion: Nur Eltern, die bereit sind, dass ihre Kinder in der Schule ordentlich gefordert werden, wählen dann eine solche Schule aus.

Schließlich gibt es dann immer noch die Privatschulen. Von den 328.000 Volksschülern (2012/2013) gingen rund 16.500 (5%) in Schulen privater Schulerhalter. Diese sollten nach dem IV-Konzept deutlich mehr werden.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich bin ein großer Verfechter der Wahlfreiheit der Eltern. Aber vielen Gesamtschulbefürwortern scheint der Widerspruch zwischen Autonomie und Schwerpunktsetzung einerseits und andererseits dem Anspruch, die soziale Selektion verringern zu wollen, nicht aufzufallen.

Interessanterweise kümmmert sich kaum jemand um die „echten Gesamtschulen“: Volks- und Hauptschulen in vielen ländlichen Gebieten, in denen ein Schulweg anderswohin schlicht unmöglich ist. Eine solche Schule hätte man ja schon lange wissenschaftlich begleiten können, um Gesamtschulkonzepte zu bewerten — aber welcher Wissenschaftler tut sich das fernab der Großstadt schon an? Paradoxerweise werden solche Schulen übrigens von den Landesschulräten angehalten, Schwerpunkte zu entwickeln (zumindest für die 10-14jährigen), obwohl die Schüler ohnehin nicht wegen eines bestimmten Schwerpunkts kommen können oder woanders hin wechseln, wenn es nicht passt. Es ist wohl tatsächlich alles eine Debatte der Städter unter sich.

Französische Kolonie — schlechte Schulbildung?

„Wer nicht weiß, woher er kommt, kann auch nicht wissen, wohin er geht, weil er nicht weiß, wo er steht.“
— Otto von Habsburg

Die vorangegangenen Jahrhunderte formen und bestimmen die Gegenwart viel stärker, als man in unserer jetzt-verliebten Zeit gerne annimmt. Ein Beispiel dafür erleben wir jetzt in der Ukraine. Ein anderes haben Denis Cogneau und Alexander Moradi für Afrika erforscht: Wie die Entscheidung, ob ein Land britisch oder französisch kolonialisiert wurde, bis heute auf die Schulbildung der Bevölkerung wirkt.

Die britische Kolonialverwaltung hat den Aufbau von Schulen außerhalb traditionell islamischer Gebiete weitgehend christlichen Missionsgesellschaften überlassen, die in der Volksschule den Unterricht in einheimischen Sprachen abhielten. Die französische Kolonialverwaltung dagegen sah Bildung als integralen Motor der Identifikation der Kolonialbevölkerung mit Frankreich, setzte Französisch als einzige Unterrichtssprache fest und versuchte schon auf Grund des in Frankreich propagierten Laizismus, ein Netz staatlicher Schulen zu errichten.

Das Ergebnis ist angesichts beschränkter staatlicher Ressourcen allerdings anders ausgefallen, als es die Franzosen gedacht haben. Das flexible britische Modell führte schon zu Kolonialzeiten zu höherer Schuldichte und stärkerem Schulbesuch als das französische, und dieser Effekt wirkt bis heute nach. Nun könnte man einwenden, dass für die Unterschiede weniger der Kolonialherr als andere Umstände (z.B. Klima, Kultur, …) verantwortlich wären. Das lässt sich an Hand des Falles Togo allerdings gut untersuchen. Denn die deutsche Kolonie Togo wurde im Ersten Weltkrieg in einen französischen und einen britischen Teil gespalten, in denen sich die Unterschiede im Bildungssystem bald manifestierten: Viele Missionsschulen im südlichen Teil der britischen Kolonie, wenige staatliche Schulen im französischen Togo, die dafür übers ganze Land verteilt waren.

BIFIE: Wo bleibt die Ministerverantwortung?

Das BIFIE, das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens, hat sich seit seiner Gründung durch Bildungsministerin Claudia Schmied wahrlich nicht ausgezeichnet. Zuerst war es vor allem ein Vehikel schulpolitischer Propaganda — Stichwort Umgang mit dem PISA-Test –, entwickelte sich in der Folge immer mehr zum Datensammler. Lehrer und Direktionen mussten Fragebogen um Fragebogen mit zum Teil höchstpersönlichen Daten von Schülern an das Institut übermitteln; die Anonymisierung würde dann im Institut erfolgen, so das Versprechen.

Seit der sogenannten Datenleck-Affäre wissen wir, dass auch das nicht stimmt. Bekanntlich hatte waren Daten von Schülern und Lehrern auf einem ungesicherten Server in Rumänien gelandet und damit im Klartext und personalisiert öffentlich einsehbar. Zuerst wurde noch von Hackern gesprochen, bald stellte sich aber heraus, dass es sich wohl eher um eine Panne einer rumänischen Tochter von Kapsch BusinessCom gehandelt hat.

Von den Problemen bei der Vorbereitung zur Zentralmatura oder den skurrilen Lese- und Rechentests, deren Ergebnisse von den Schulen nicht bekanntgegeben werden dürfen ließe sich noch einiges aufzählen. Letztlich führt aber alles zu den verantwortlichen Ministerinnen zurück: Claudia Schmied hat die Linie vorgegeben, und ihre Direktoren auch wieder entfernt, wenn sie nicht gespurt haben. Josef Lucyshyn musste das recht schmerzhaft erfahren, als sein Vertrag als BIFIE-Direktor unter fadenscheinigen Gründen gekündigt wurde; letztendlich behielt Lucyshyn vor Gericht recht und die Kündigung hatte ein teures Nachspiel für die Republik.

Gabriele Heinisch-Hosek hat daraus insofern gelernt, als sie die beiden jetzigen Direktoren als Bauernopfer nicht kündigt, sondern zum Rücktritt überredet hat — wohl mit Aussicht, dass sie nicht zu hart fallen. Als Begründung wird der Imageverlust durch die Turbulenzen bei der Zentralmatura etc. genannt. Wohlweislich wird ihnen nicht die ganze Schuld zugewiesen, denn dazu sind die beiden doch zu kurz im Amt. Letztendlich sind es aber die politischen Vorgaben, die zum gegenwärtigen Desaster geführt haben. Dazu noch eine beinharte Personalpolitik, die unter Claudia Schmied selbst Personen aus ihrer eigenen Partei eliminiert hat, wenn sie kritische Fragen zu stellen wagten. So etwas fördert den Widerspruch ja nicht gerade.

Schmied und Heinisch-Hosek sollten sich ihrer Verantwortung stellen — und es wäre Aufgabe der Medien, diese Verantwortung näher zu beleuchten.