Je gebildeter, desto sinnloser?

Dominic Cummings war der Wahlkampfleiter der Vote Leave-Kampagne für den Brexit, zuvor Berater des damaligen Unterrichtsministers Michael Gove. Im „Spectator“ schreibt er in einem langen, aber sehr anregenden Text über seine Erfahrungen in der Brexit-Kampagne, insbesondere, warum die Abstimmung für den Austritt aus der EU ausgegangen ist.

Ein Abschnitt daraus hat mich besonders zum Nachdenken angeregt:

I’ve learned over the years that ‘rational discussion’ accomplishes almost nothing in politics, particularly with people better educated than average. Most educated people are not set up to listen or change their minds about politics, however sensible they are in other fields.

Ich habe mit der Zeit gelernt, dass „vernünftige Diskussionen“ in der Politik fast nichts erreichen, insbesondere mit überdurchschnittlich gebildeten Leuten. Die meisten gebildeten Leute sind nicht darauf eingestellt, beim Thema Politik hinzuhören oder ihre Meinung zu ändern, wie verständig sie auch in anderen Bereichen sein mögen.

Wenn ich darüber nachdenke, wieviele Diskussionen ich schon geführt habe, ohne dass ich oder mein Gegenüber etwas an der eigene Position geändert hätten; wie oft bei einer allfälligen Wiederholung dann doch wieder die gleichen Argumente hervorgeholt werden — dann glaube ich gerne, dass Cummings da irgendwie recht hat.

Je gebildeter man ist, desto leichter kann man eben wegrationalisieren, dass die eigenen Argumente eigentlich widerlegt wurden. i

Sibylle Hamann und der Grundsatzerlass zur Sexualerziehung

Sibylle Hamann kennt entweder den Entwurf des Grundsatzerlasses für Sexualerziehung nicht, oder lässt sich von der trockenen Sprache blenden. Anders ist ihre jüngste „Presse“-Kolumne bei wohlmeinender Interpretation nicht zu erklären, in der sie Kritiker an dem Erlass als „Radikalkatholiken“1 zu entwerten versucht und ihnen unterstellt, „gegen den (ohnehin kaum vorhandenen) Sexualkundeunterricht an Schulen hetzen.“

Die dritte Möglichkeit — dass sie z.B. eine Frühsexualisierung von Kindergarten- und Volksschulkindern befürwortet, einschließlich einer Erweiterung der „Körperkompetenz“ (ein Codewort für sexuelle Berührungen) — mag ich mir bei jemanden, der einmal Chefredakteur einer Zeitung für Menschenrechte gewesen ist, nicht vorstellen. Freilich, auch der Weg in den Pädophilieskandal der deutschen Grünen war mit vermeintlich guten Vorsätzen über „moderne Sexualpädagogik“ und „befreiende sexuelle Erfahrungen“ gepflastert. Dass diese überholte Position bei uns in der Provinz erst ankommt, wenn sie überall sonst längst auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist, wäre natürlich nicht untypisch.

Meine Ferndiagnose2 wäre aber eher „mood affiliation“, bei der man sich zuerst für eine Stimmung oder Gesinnung entscheidet, und dann auch disparate Ansichten verteidigt, die dazu passen. Die Kritiker werden im katholischen Lager verortet, dem Sibylle Hamann in früheren Kolumnen schon eher wenig Verständnis entgegengebracht hat, die Propagierung einer umfassenden Sexualerziehung dagegen war ja eines der Anliegen der 68er. Da fällt die Stimmungsentscheidung nicht schwer, auch wenn es bei dem jetzigen Streit inhaltlich um etwas anderes geht, und der Erlass gerade aus menschenrechtlicher Sicht bedenklich wäre (vgl. z.B. Art. 2 1. ZP EMRK, UNO-Kinderrechtskonvention, Übereinkommen des Europarats zum Schutz von Kindern)

Der Vergleich mit dem Schwimmunterricht ist natürlich amüsant, und bezieht sich wohl auf diese „Falter“-Geschichte von Sibylle Hamann. In Deutschland wurde bekanntlich versucht, für eine 13jährige Muslimin eine Befreiung vom Schwimmunterricht durchzusetzen — vergeblich. In Österreich findet der Schwimmunterricht allerdings bereits in der Volksschule statt, in der auch für Muslime strenger Observanz auf Grund des geringeren Alters der Kinder die Badekleidung noch kein sittliches Problem darstellt, so der „Standard“. Kurz gesagt: Der Vergleich mit dem Schwimmunterricht hinkt auf jedem Fuß.

Freilich, so wie man an Blogeinträge wie diesen gewöhnlich keine zu hohen Ansprüche stellt, sind auch regelmäßige Meinungskolumnen in Tageszeitungen schon definitionsgemäß keine Hochburgen des faktenorientierten Journalismus. Oft werden Kolumnenautoren von Redaktionen auch strategisch so angeworben, dass bestimmte Zielgruppen bedient werden und andere sich darüber echauffieren. Insofern: Mission accomplished.


  1. Im Wortsinn ist es ja fast ein Lob: Menschen, die zu den Wurzeln zurückgekehrt sind und so ihre Überzeugung verinnerlicht haben. Aber so ist es ganz offensichtlich nicht gemeint. 
  2. Ferndiagnosen sind natürlich sehr gewagt und damit irrtumsanfällig, das gebe ich gerne zu. Doch ist ja praktisch jeder Kommentar über andere Menschen auch immer so etwas wie eine Ferndiagnose, oder? 

Gesamtschule: Reduziert sie soziale Selektion?

Die Industriellenvereinigung (IV) hat wieder einmal die Gesamtschuldebatte angeheizt, die in Österreich seit Jahrzehnten erbittert geführt wird. In ihrem neuen Schulkonzept fordert sie eine „binnendifferenzierte“ Gesamt- und Ganztagsschule, wobei die Netto-Schulzeit dieser vorgeschlagenen IV-Ganztagsschule nur unwesentlich höher liegt als die der jetzigen Halbtagsschulformen.

Eine der Mythen, die diese Gesamtschule in Österreich umweht, ist die Idee, dadurch würde die „soziale Selektion“ verringert werden und der Vorteil egalisiert werden, den Kinder haben, deren Eltern sich intensiver um deren Bildung kümmern (können). Diese Idee wurde in den USA eine Zeitlang sehr intensiv verfolgt, mit strikter Sprengelpflicht und Gesamtschule. Das Ergebnis waren dramatische Leistungsunterschiede zwischen den Schulen, die sich z.T. aus dem sozialen Hintergrund der Sprengelbewohner ergaben. Darüberhinaus waren Kinder aus aufstiegsorientierten Familien in ihrem „schlechten“ Sprengel gefangen. Die Folge: Familien suchen sich oft den Wohnort nach der Schule aus. Die soziale Segregation nimmt zu.

Im IV-Modell ist aber davon ohnehin keine Rede. Die bisher in Österreich üblichen Schulsprengel sollen einem „Schulträgerschaftsmodell“ weichen. Die einzelnen Schulen sollen eine „hohe Autonomie“ besitzen, die natürlich auch Schwerpunktsetzungen ermöglichen wird. Damit wird die Selektion mit 6 Jahren, die bereits jetzt eine so große Rolle spielt, noch vorangetrieben.

Schon jetzt sichern sich manche öffentliche Volksschulen in den großen Städten durch geeignete Schwerpunktsetzungen einen höheren Anteil an den Kindern mit guten Deutschkenntnissen. Da werden etwa besondere Fremdsprachenschwerpunkte bemüht, oder das System der Mehrstufenklasse. Eine Methode ist auch die angekündigte intensive Elterneinbindung, die auf jene Eltern abzielt, die eben die Bildung ihres Kindes intensiv unterstützen. In Wien soll die Differenzierung durch Leistung schwierig sein, weil der Stadtschulrat es nicht gerne sieht, wenn in einer öffentlichen Volksschule den Kindern mehr beigebracht wird. Anderswo funktioniert auch das als Vorselektion: Nur Eltern, die bereit sind, dass ihre Kinder in der Schule ordentlich gefordert werden, wählen dann eine solche Schule aus.

Schließlich gibt es dann immer noch die Privatschulen. Von den 328.000 Volksschülern (2012/2013) gingen rund 16.500 (5%) in Schulen privater Schulerhalter. Diese sollten nach dem IV-Konzept deutlich mehr werden.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich bin ein großer Verfechter der Wahlfreiheit der Eltern. Aber vielen Gesamtschulbefürwortern scheint der Widerspruch zwischen Autonomie und Schwerpunktsetzung einerseits und andererseits dem Anspruch, die soziale Selektion verringern zu wollen, nicht aufzufallen.

Interessanterweise kümmmert sich kaum jemand um die „echten Gesamtschulen“: Volks- und Hauptschulen in vielen ländlichen Gebieten, in denen ein Schulweg anderswohin schlicht unmöglich ist. Eine solche Schule hätte man ja schon lange wissenschaftlich begleiten können, um Gesamtschulkonzepte zu bewerten — aber welcher Wissenschaftler tut sich das fernab der Großstadt schon an? Paradoxerweise werden solche Schulen übrigens von den Landesschulräten angehalten, Schwerpunkte zu entwickeln (zumindest für die 10-14jährigen), obwohl die Schüler ohnehin nicht wegen eines bestimmten Schwerpunkts kommen können oder woanders hin wechseln, wenn es nicht passt. Es ist wohl tatsächlich alles eine Debatte der Städter unter sich.

Französische Kolonie — schlechte Schulbildung?

„Wer nicht weiß, woher er kommt, kann auch nicht wissen, wohin er geht, weil er nicht weiß, wo er steht.“
— Otto von Habsburg

Die vorangegangenen Jahrhunderte formen und bestimmen die Gegenwart viel stärker, als man in unserer jetzt-verliebten Zeit gerne annimmt. Ein Beispiel dafür erleben wir jetzt in der Ukraine. Ein anderes haben Denis Cogneau und Alexander Moradi für Afrika erforscht: Wie die Entscheidung, ob ein Land britisch oder französisch kolonialisiert wurde, bis heute auf die Schulbildung der Bevölkerung wirkt.

Die britische Kolonialverwaltung hat den Aufbau von Schulen außerhalb traditionell islamischer Gebiete weitgehend christlichen Missionsgesellschaften überlassen, die in der Volksschule den Unterricht in einheimischen Sprachen abhielten. Die französische Kolonialverwaltung dagegen sah Bildung als integralen Motor der Identifikation der Kolonialbevölkerung mit Frankreich, setzte Französisch als einzige Unterrichtssprache fest und versuchte schon auf Grund des in Frankreich propagierten Laizismus, ein Netz staatlicher Schulen zu errichten.

Das Ergebnis ist angesichts beschränkter staatlicher Ressourcen allerdings anders ausgefallen, als es die Franzosen gedacht haben. Das flexible britische Modell führte schon zu Kolonialzeiten zu höherer Schuldichte und stärkerem Schulbesuch als das französische, und dieser Effekt wirkt bis heute nach. Nun könnte man einwenden, dass für die Unterschiede weniger der Kolonialherr als andere Umstände (z.B. Klima, Kultur, …) verantwortlich wären. Das lässt sich an Hand des Falles Togo allerdings gut untersuchen. Denn die deutsche Kolonie Togo wurde im Ersten Weltkrieg in einen französischen und einen britischen Teil gespalten, in denen sich die Unterschiede im Bildungssystem bald manifestierten: Viele Missionsschulen im südlichen Teil der britischen Kolonie, wenige staatliche Schulen im französischen Togo, die dafür übers ganze Land verteilt waren.

BIFIE: Wo bleibt die Ministerverantwortung?

Das BIFIE, das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens, hat sich seit seiner Gründung durch Bildungsministerin Claudia Schmied wahrlich nicht ausgezeichnet. Zuerst war es vor allem ein Vehikel schulpolitischer Propaganda — Stichwort Umgang mit dem PISA-Test –, entwickelte sich in der Folge immer mehr zum Datensammler. Lehrer und Direktionen mussten Fragebogen um Fragebogen mit zum Teil höchstpersönlichen Daten von Schülern an das Institut übermitteln; die Anonymisierung würde dann im Institut erfolgen, so das Versprechen.

Seit der sogenannten Datenleck-Affäre wissen wir, dass auch das nicht stimmt. Bekanntlich hatte waren Daten von Schülern und Lehrern auf einem ungesicherten Server in Rumänien gelandet und damit im Klartext und personalisiert öffentlich einsehbar. Zuerst wurde noch von Hackern gesprochen, bald stellte sich aber heraus, dass es sich wohl eher um eine Panne einer rumänischen Tochter von Kapsch BusinessCom gehandelt hat.

Von den Problemen bei der Vorbereitung zur Zentralmatura oder den skurrilen Lese- und Rechentests, deren Ergebnisse von den Schulen nicht bekanntgegeben werden dürfen ließe sich noch einiges aufzählen. Letztlich führt aber alles zu den verantwortlichen Ministerinnen zurück: Claudia Schmied hat die Linie vorgegeben, und ihre Direktoren auch wieder entfernt, wenn sie nicht gespurt haben. Josef Lucyshyn musste das recht schmerzhaft erfahren, als sein Vertrag als BIFIE-Direktor unter fadenscheinigen Gründen gekündigt wurde; letztendlich behielt Lucyshyn vor Gericht recht und die Kündigung hatte ein teures Nachspiel für die Republik.

Gabriele Heinisch-Hosek hat daraus insofern gelernt, als sie die beiden jetzigen Direktoren als Bauernopfer nicht kündigt, sondern zum Rücktritt überredet hat — wohl mit Aussicht, dass sie nicht zu hart fallen. Als Begründung wird der Imageverlust durch die Turbulenzen bei der Zentralmatura etc. genannt. Wohlweislich wird ihnen nicht die ganze Schuld zugewiesen, denn dazu sind die beiden doch zu kurz im Amt. Letztendlich sind es aber die politischen Vorgaben, die zum gegenwärtigen Desaster geführt haben. Dazu noch eine beinharte Personalpolitik, die unter Claudia Schmied selbst Personen aus ihrer eigenen Partei eliminiert hat, wenn sie kritische Fragen zu stellen wagten. So etwas fördert den Widerspruch ja nicht gerade.

Schmied und Heinisch-Hosek sollten sich ihrer Verantwortung stellen — und es wäre Aufgabe der Medien, diese Verantwortung näher zu beleuchten.

NÖ: Verbot christlicher Lieder in der Schule?

Es ist einer der Grotesken der modernen Zeit, dass Intoleranz und Fundamentalismus im Gewand der behaupteten „Diskriminierung“ daherkommt. Ein krasser Fall davon beschäftigt seit Tagen den „Standard“, der sich ja immer mehr zum Zentralorgan der Gegner organisierter Religionsausübung mausert.

Aber der Reihe nach. In Volksschulen werden Lieder gesungen; der Lehrplan sieht auch vor, dass ein Teil der Stunden des Gesamtunterrichts dafür verwendet wird. In einer Schule in Tulln hat man das Vorgeschriebene mit dem Praktischen verbunden und angesichts der bevorstehenden Erstkommunionfeier der überwältigenden Mehrheit der Klasse einige dort vorgesehene Lieder auch gemeinsam gesungen. Der „Standard“ schreibt das gewichtigere „einstudiert“ — wer die Praxis kennt, kann da freilich nur schmunzeln.

Die Eltern eines Mädchen haben sich darüber beschwert, weil sie sich darin „religiös diskriminiert“ sahen. Liedgut religiösen Inhalts — oder, wenn man es genau nimmt, irgendeines weltanschaulichen Inhalts — ist offenbar verpönt. Womit außer Liedern über bunte Blumen wohl nicht mehr viel überbleibt. Die meisten Weihnachtslieder kann man z.B. vergessen.1

Aber so wird meist gar nicht argumentiert; meist sind es lediglich christliche Ausdrucksformen, die also aus der Öffentlichkeit verbannt werden sollen, im Visier solcher Beschwerden. Anscheinend haben die Eltern mit der „Indoktrinierung“ ihrer Kinder durch andere Weltanschauungen kein Problem.

Ein zuständiger Bediensteter des Landes Niederösterreichs war sich nicht dumm genug, die Beschwerde der Eltern auch noch für berechtigt zu halten. Seine folgenreiche Fehlentscheidung wird im „Standard“ wortreich begrüßt, seine Versetzung tränenreich beklagt.

Und natürlich gab Heinz Mayer, Verfassungsexperte für jede Lebenslage, eine Wortspende ab, in dem er von einem Grundrecht schwadronierte, nicht mit Religion behelligt zu werden. Dieses Grundrecht gibt es freilich nicht, weil es kein Recht geben kann, mit einer Meinung oder Weltanschauung nicht konfrontiert werden zu dürfen. Es stünde in direktem Widerspruch zur Meinungsfreiheit.

Wenn es ein solches Recht gäbe, könnte man übrigens jeden Unterricht für Politische Bildung, Philosophie oder Ethik gleich kübeln, weil man dort mit einem möglicherweise unangenehmen religiösen oder anderweitig weltanschaulichen Inhalten konfrontiert würde.

Pragmatisch sage ich einmal so: Wenn die Kinder auch keine Toleranzmusicals und Umweltschutztage mehr über sich ergehen lassen müssen, keine Geschenke für Mutter- oder Vatertag basteln sollen, alle Feiertage vom Nationalfeiertag über Ostern zum 1. Mai einfach kommentarlos an sich vorüberziehen lassen, dann hätten die beiden Eltern vielleicht einen Punkt. In einer solchen weltanschaulich völlig neutralen Schule lernen die Kinder außerhalb des reinen Lesens, Schreibens und Rechnens allerdings nicht viel. Und die dafür notwendigen nichtssagenden Texte müssen wohl auch erst gefunden werden.

Wobei: Es ist so wie mit der Kommunikation. Man kann nicht nicht kommunizieren. Man kann nicht ohne Weltanschauung kommunizieren. Einen wirklich völlig weltanschauungsfreien Text gibt es nicht.


  1. Aber vielleicht greift man dann ja wieder auf die Deutsche Weihnacht unseliger NS-Zeiten zurück — damals wurde ja schon einmal der Versuch unternommen, Weihnachtslieder von christlichem Bezug zu lösen. 

Schule: Heinisch-Hosek spart ohne Konzept

Jetzt wird also im österreichischen Schulwesen wieder einmal eingespart. In den Werkstätten in Höheren technischen Lehranstalten werden nun bei gleicher Gerätezahl mehr Schüler unterrichtet. Die Teilung großer Klassen etwa in Deutsch oder Englisch wird in den BMHS der Vergangenheit angehören. Bei der Neuen Mittelschule wird der doppelt besetzte Unterricht reduziert.

Schon das neue Lehrerbildungs- und -dienstrecht diente neben dem Fokus auf die Gesamtschule der 10- bis 14jährigen der Kostenreduktion. Die sogenannte „Neue Mittelschule“ wurde außerdem bislang vor allem dadurch verbreitet, dass man den Bundesländern zusätzliche Finanzmittel und mehr Person für NMS-Standorte in Aussicht gestellt hat. Angesichts klammer Budgets war klar, dass diese Praxis nicht fortgeführt werden kann bzw. nur auf Kosten anderer Schulen.

Unter allen, was die Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek in ihrer kurzen Amtszeit bereits an seltsamen bis katastrophalen Entscheidungen gefällt hat — siehe z.B. Datenleckaffäre –, ist diese Sparwelle aber keineswegs die schlimmste. Denn in der Wissenschaft ist heftig umstritten, ob marginal kleinere Klassen einen positiven Effekt auf die Lernleistung haben.

Die Schlagseite der Maßnahmen ist jedoch seltsam, denn gerade den berufsbildenden Schulen wird eine besondere Last aufgebürdet. Dabei sind sie ein wesentlicher Faktor der niedrigen Jugendarbeitslosigkeit in Österreich und auch international anerkannt. Anscheinend sieht man hier noch Platz für den Abstieg. Die größeren Werkstattgruppen sind besondere Chuzpe, geht es hier doch um die Kernkompetenz der betroffenen Schulen.

Man muss der Gewerkschaft auch Recht geben, wenn sie das angekündigte „Sparen in der Verwaltung“ als Drohung empfinden. Erfahrungsgemäß wird dann nämlich nicht am überbordenden Berichtswesen der Schulen gespart, oder an den gut besetzten höheren Verwaltungsebenen, sondern beim Unterstützungspersonal für die Schulen. Klar: Sparen in der höheren Verwaltung würde in der Regel ein Konzept erfordern. Einfach Posten nicht nachzubesetzen, das erfordert keines. Und jeder Minister kann ja hoffen, dass er nicht mehr im Amt ist, wenn die Auswirkungen dieses Handelns manifest werden.