Ignatius von Loyola

Peter Paul Rubens: Die Wunder des hl. Ignatius von Loyola

Peter Paul Rubens: Die Wunder des hl. Ignatius von Loyola. Quelle: KHM unter diesen Nutzungsbedingungen

Ignatius von Loyola muss eine eindrucksvolle, charismatische Persönlichkeit gewesen sein, voller Tatkraft und Energie. Ihm fehlte in seiner Jugend aber wohl das richtige Ziel, wohin er diese Energien seiner Person wenden sollte.

Wie es üblich war, so schlug der 1491 geborene jüngste Sohn eines baskischen Adeligen eine militärische Laufbahn ein. Kurz vor seinem dreißigstem Geburtstag brachte eine schwere Verletzung, die er bei der Verteidigung Pamplonas durch eine Kanonenkugel erlitt, die unerwartete Wende.

Aber es folgten mehrere Stationen, bis Ignatius seine Bestimmung finden sollte: Eine Zeit der Meditation in einer Berghöhle; eine Pilgerreise ins türkisch besetzte Jerusalem; das Nachholen eines gründlichen Lateinunterrichts und des Studiums der Theologie in Alcalá de Henares, Salamanca und schließlich der Sorbonne. Anfeindungen hatten die Wechsel des Studienorts notwendig gemacht. Ignatius bleibt über lange Zeit ein Suchender und entwickelt dabei eigene Techniken des geistlichen Übung – die Exerzitien.

Wie es in seiner Biographie auf der Website der Jesuiten heißt:

Dabei wird Ignatius durch innere Kämpfe hindurch, die ihn bis an den Rand des Selbstmords treiben, für innere Bewegungen, Motivationen sensibel. Durch seine eigenen geistlichen Erfahrungen und die Gespräche mit vielen Rat suchenden Menschen öffnet sich seine Lebensdynamik für die Nachfolge Jesu und die Hilfe für die Mitmenschen. Vor allem die Exerzitien und das Exerzitienbuch sind ein bleibendes Zeugnis für die Eigenart seiner „animatorischen“, d.h. beseelenden, belebenden Pastoral.“

In Paris traf Ignatius auf sechs Gleichgesinnte. Aus dieser Gemeinschaft sollte dann der Jesuitenorden wachsen. Mit 46 Jahren empfing der Spätberufene die Priesterweihe. Die ursprünglich avisierte Mission im Heiligen Land war durch die Zeitumstände allerdings unmöglich, und so widmete sich Ignatius der Organisation der Mission in Europa, die in Folge der Reformation besonders notwendig geworden war. Es ist wohl kein Zufall, dass Papst Paul III. den Orden mit den Worten bestätigt haben soll, die Gesellschaft Jesu sein ein „Finger Gottes“.

Gerne wird die straffe Organisation des Ordens erwähnt, der hohe Wert, der dem Gehorsam von Ignatius beigemessen wurde, und die Treue zum Papst. Doch das rasante Wachstum des jungen Ordens hat viel mit Ignatius selbst zu tun. Er hat nichts verlangt, was er nicht von sich selbst auch verlangt hat; er wurde geliebt, weil er auch selbst die Menschen liebte und das in seinem täglichen Einsatz auch zeigte. Schließlich war er in seiner Führung zwar bestimmt, aber pragmatisch und entschärfte so viele Konflikte, wie sie in jungen Gemeinschaften entstehen.

Als Ignatius am 31. Juli 1556 mit 65 Jahren starb, hatte der junge Jesuitenorden bereits 1.000 Mitglieder und betreute mehrere Ausbildungsstätte, jesuitische Missionare waren bis China unterwegs. Ein großes Werk in so kurzer Zeit und gegen etliche Widerstände.

Ignatius hat mit dem „Bericht des Pilgers“ einen Einblick in seine sprituelle Reise hinterlassen, den man online lesen (über die Korrektheit des Textes kann ich nichts sagen) oder z.B. hier beim Verlag der Jesuiten bestellen kann.

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Philippus der Evangelist

Grab des Philippus. Quelle: Joachim Schäfer -  <a href="https://www.heiligenlexikon.de">Ökumenisches Heiligenlexikon</a>

Grab des Philippus. Quelle: Joachim Schäfer –
Ökumenisches Heiligenlexikon

Jesus war zwar schon durch Samarien gereist, doch wie die Apostelgeschicht in dem Abschnitt berichtet, der am 6. Sonntag der Osterzeit des Lesejahrs A zu hören ist, war es Philippus, der in Samarien sehr erfolgreich missionierte.

Philippus? Ja, aber nicht der Apostel, sondern der „Evangelist“, also der Überbringer der frohen Botschaft. Philippus war einer der sieben, die zum Dienst an den Tischen ausgewählt wurden, nachdem hellenistische und hebräische Christen aneinandergeraten waren (Apg 6). Nach der Steinigung des Stephanus und der zunehmenden Verfolgung der Christen in Jerusalem zog Philippus dann nach Samarien, wo er sogar den Simon Magus bekehrte, der sich vorher durch allerlei Scharlatanerie als mit besonderer Macht erfüllter Mann ausgab.

Dass es sich hier nicht um den Apostel Philippus handelt, wird aus dem Folgeabschnitt deutlich. Denn er konnte eben nur mit Wasser auf den Namen Jesu taufen, hatte aber nicht die Vollmacht, wie die Apostel den Heiligen Geist herabzuflehen. (Apg 8,5-13)

Philippus wurde dann von einem Engel aufgetragen, nach Süden zu ziehen. Auf der Straße von Jerusalem nach Gaza traf er den Kämmerer der äthiopischen Königin, der entweder ein Jude war oder sich zumindest dem Judentum gegenüber sehr aufgeschlossen war. Er las jedenfalls im Buch Jesaja. Philippus legte es für ihn aus — und zwar so treffend als Vorausschau auf Jesus Christus, dass sich der Kämmerer taufen ließ. (Apg 8,26-40)

Der „Evangelist“ zog dann nach Ashdod und Caesarea, wo er mit seinen vier Töchtern, „prophetisch begabten Jungfrauen“, lebte. Paulus und Lukas begegneten ihm in Caesarea (Apg 21,8-9). Später zog er nach Hierapolis, wo er auch starb. Ein vor kurzem gefundenes Philipps-Grab in Hierapolis könnte seines gewesen sein — oder das des Apostels Philippus. Hierüber gehen die Meinungen auseinander.

Der Fund des Grabes war aber so oder so sensationell. Ein spannender Bericht dazu beim „Sendboten des hl. Antonius“ schildert, dass in der Antike hier ein regelrechtes Pilgerzentrum entstanden war.

In der heutigen Zeit, in der Verkündigung wieder so wichtig geworden ist, tut es gut, auf Philipp den Evangelisten zu schauen, der — oftmals auf sich allein gestellt — offen, aber in die Situation hinein die frohe Botschaft verkündet hat.

Isidor von Sevilla

Isidor von Sevilla: De Natura Rerum. Capitulum I. (Sankt Gallen)

Isidor von Sevilla: De Natura Rerum. Capitulum I. (Sankt Gallen)

Isidor von Sevilla wird heute gerne als „Schutzpatron des Internets“ bemüht, besonders an seinem Gedenktag, dem 4. April. Nun, einige der Möglichkeiten des Internets täten dem langjährigen Erzbischof von Sevilla vielleicht gefallen. Wie Josef Bordat darstellt, ist der hl. Isidor aber vor allem ein wesentlicher Mittler von Wissen und Bildung. Isidor kompilierte z.B. eine zwanzigbändige Enzyklopädie, die sogenannten Etymologiae, oder ein Buch über die Natur, De Natura Rerum. Gemeinsam mit Beda Venerabilis, der in England ebenfalls wichtige Kompilationen und Zusammenfassungen überlieferten Wissens schuf, konnten so Sammlungen erstellt werden, die angesichts knapper Ressourcen und unsicherer Zeiten einen vertretbarem Umfang hatten und daher weite Verbreitung fanden. Beiden spielten z.B. bei der Vermittlung der Kugelgestalt der Erde eine Rolle — siehe eine Dissertation von Klaus Anselm Vogel.

Der hl. Isidor war auch als Historiker aktiv, gestaltete aber auch selbst Geschichte in mehreren Synoden. Sein Einsatz für den Aufbau von Schulen und die Erstellung fester Bildungsinhalte war wegweisend. Es soll aber auch nicht sein Antijudaismus verschwiegen werden, der sich in einer eigenen Schrift über die Juden ausdrücken sollte.

Nicht zuletzt war er ein Theologe und Seelsorger. Darüber hat Papst Benedikt XVI. bei einer Audienz gesprochen und dabei darauf hingewiesen, wie Isidor die richtige Balance im Glaubensleben zwischen Versenkung und aktivem Tun betont, die für ein erfülltes Leben so wichtig ist:

Die endgültige Bestätigung einer rechten Lebensorientierung sucht Isidor im Vorbild Christi und sagt: ‚Jesus, der Erlöser, bot uns das Vorbild des aktiven Lebens, wenn er sich tagsüber dem Wirken von Zeichen und Wundern in der Stadt hingab, aber er zeigte das kontemplative Leben, wenn er sich auf den Berg zurückzog und dort im Gebet die Nacht verbrachte‘ (op. cit., 134: ebd.). Im Licht dieses Beispiels des göttlichen Meisters kann Isidor mit dieser klaren moralischen Lehre schließen: ‚Deshalb widme sich der Diener Gottes in Nachahmung Christi der Kontemplation, ohne dem aktiven Leben zu entsagen. Sich anders zu verhalten, wäre nicht recht. Denn wie man Gott mit der Kontemplation lieben muß, so muß man den Nächsten mit dem Handeln lieben. Es ist also unmöglich, ohne das gleichzeitige Vorhandensein der einen und der anderen Lebensform zu leben, noch ist es möglich zu lieben, wenn man nicht die Erfahrung sowohl der einen wie der anderen macht.‘

Gerade in der Fastenzeit kann also der hl. Isidor in manchem zum Wegweiser werden.

Cyrill von Jerusalem: Verlasse die Gegenwart, vertraue auf die Zukunft!

Cyrill von Jerusalem

Cyrill von Jerusalem

Der hl. Cyrill von Jerusalem (* ~ 315, † 386) litt wie sein Zeitgenosse Hilarius von Poitiers unter den Versuchen der Arianer, mit Hilfe des Kaiserhofs die Orthodoxie niederzuringen. So wurde Cyrill zwar 350 zum Bischof von Jerusalem geweiht, musste aber 357, 360 und 367 jeweils ins Exil gehen. Die letzte Verbannung dauert gar bis 378, erst dann durfte er wieder zurück nach Jerusalem.

Seine eigene Position in den kirchlichen Wirren jener Zeit ist nicht restlos geklärt; unbestritten ist, dass das Werk, das er uns hinterlassen hat, von höchstem Wert ist: Neunzehn Katechesen für die Taufkandidaten; fünf Katechesen für die Getauften; ein Brief an Kaiser Constantius II. über eine Vision des Kreuzes Christi in Jerusalem.

Seine Katechesen sind klar und verständlich. Auch wenn uns der Stil und sprachliche Kontext jener Zeit völlig fremd scheinen mag, kann uns Cyrill auch heute noch mitten ins Herz treffen. Sie bezeugen uns auch, dass die hl. Messe schon in jener Zeit fast genauso gefeiert wurde wie Jahrhunderte später, wie man insbesondere in der fünften mystagogischen Katechese über die Opfermesse lesen kann.

Hier ein kurzer Ausschnitt aus der ersten Katechese, in der er die Taufkandidaten am Beginn der Fastenzeit zu geistlichen Übungen und zur Beichte anregt:

Jetzt ist die Zeit zu beichten. Beichte, was du in Wort und Tat, bei Nacht und bei Tag begangen hast! Beichte zur rechten Zeit und nimm hin am Tage des Heiles den himmlischen Schatz! Empfange fleißig die Exorzismen! Wohne eifrig den Katechesen bei und merke dir, was man da sagt! Die Worte sind nicht bloß fürs Ohr, sie sollen vielmehr von dir im Glauben versiegelt werden. Alle menschliche Sorge lege beiseite! Der Seele wegen läufst du. Von dem, was zur Welt gehört, nimmst du vollständig Abschied. Was du verabschiedest, ist gering; groß ist, was dir der Herr schenkt.

Verlasse die Gegenwart, vertraue auf die Zukunft! Während deines wertlosen Dienstes für die Welt haben schon so viele Jahre ihren Kreislauf vollendet, und nicht willst du vierzig Tage der Seele widmen? „Gönnet euch Ruhe und erkennet, daß ich Gott bin!“ sagt die göttliche Schrift1. Vermeide das viele unnütze Sprechen! Verleumde nicht, höre auch nicht Verleumdungen gerne an, sei vielmehr bereit zum Gebet! Deine geistlichen Übungen mögen zeigen, wem du gestorben bist. Reinige dein Gefäß, damit du noch mehr Gnade erhaltest! Nachlassung der Sünden wird allen in gleicher Weise verliehen, der Hl. Geist aber wird dem einzelnen seinem Glauben entsprechend zuteil. Wer sich wenig plagt, erhält wenig; wer viel arbeitet, hat großen Lohn. Laufe du für dich, schaue auf deinen Nutzen!

Hast du etwas gegen jemanden, so verzeihe ihm! Du kommst, um Nachlassung der Sünden zu erhalten: auch du mußt dem Sünder vergeben. Wie willst du denn zum Herrn sagen: „Vergib mir meine vielen Sünden!“ wenn du deinerseits dem Mitknechte nicht einmal seine wenigen Sünden verzeihest?2

Finde dich eifrig bei den Versammlungen ein! Nicht bloß jetzt, da die Geistlichen dich zum Eifer antreiben, sondern auch später, wenn du die Gnade schon empfangen hast. Ist etwas gut, ehe man etwas erhält, sollte es denn nicht auch nach dem Empfange gut sein? Wenn es vor dem Einpfropfen ratsam war, zu gießen und den Boden zu pflegen, ist es nach dem Verpflanzen nicht noch viel besser?

Kämpfe für deine Seele, vor allem in solchen Tagen! Weide deine Seele mit göttlicher Lektüre! Geistlichen Tisch hat dir der Herr bereitet. Sprich auch du mit dem Psalmisten: „Der Herr weidet mich, nichts wird mir fehlen. Auf Weideplätzen läßt er mich lagern, an erfrischenden Wassern zieht er mich groß, meine Seele führt er zu sich“3.

Die Engel sollen sich mit euch freuen, und Christus selbst, der große Hohepriester, möge in Anerkennung eurer guten Gesinnung euch alle dem Vater vorstellen und zu ihm sagen: „Hier bin ich und die Kinder, die mir Gott gegeben hat“4. Möge er euch alle in seinem Wohlgefallen erhalten! Ihm sei Ehre und Macht in die endlose Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.

Da spricht Cyrill auch zu uns in der Fastenzeit: Jetzt ist die Zeit — und wann, wenn nicht jetzt wollen wir vierzig Tage der Seele widmen?

as


  1. Ps 45,11. Im Kontext: Kommt und schaut die Taten des Herrn, der Furchtbares vollbringt auf der Erde. / Er setzt den Kriegen ein Ende bis an die Grenzen der Erde; er zerbricht die Bogen, zerschlägt die Lanzen, im Feuer verbrennt er die Schilde. / ‚Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin, erhaben über die Völker, erhaben auf Erden.‘ / Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg. (Ps 45,9-12) 
  2. Vergleiche das Gleichnis vom unbarmherzigen Gläubiger, Mt 18,23-35. 
  3. Ps 22,1-3. Einheitsübersetzung: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. / Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. / Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. 
  4. Jes 8,18; Hebr 2,13. 

Die heilige Scholastika und der Regen

Statue der Sankt Scholastika in Montecassino

Sankt Scholastika in Montecassino

Der 10. Februar ist der Gedenktag der heiligen Scholastika, der Schwester Benedikts von Nursia, des „Vaters des abendländischen Mönchtums“. Über Scholastika wissen wir im wesentlichen aus den Dialogen des hl. Gregor des Großen.

Der Papst hatte in vier Bänden verschiedene Themen in der literarischen Form des Dialogs mit seinem Diakon Petrus abgehandelt. Dieser Stil passt auch gut zu Gregor, der in einem gut verständlichen, zugänglichen Latein schreibt. Der ganze zweite Band ist dem hl. Benedikt gewidmet und wird wohl kurz nach dem Tod des Heiligen entstanden sein.

Gregor betont zu Beginn des Buches, dass er selbst nicht alle Einzelheiten des Lebens Benedikts kennt, wohl aber auf vier Schülern des Benedikt — Constantinus, Valentinianus, Simplicius und Honoratus — als Quellen zurückgreifen konnte.

Im 33. Kapitel erzählt Gregor das Wunder der hl. Scholastika, bei dem Benedikt etwas wollte, aber nicht erreichen konnte:

Das Wunder der heiligen Scholastika

Gregor: Petrus, gibt es jemanden in diesem Leben, der höher steht als Paulus? Dreimal hat er wegen des Stachels in seinem Fleisch den Herrn gebeten1 und konnte doch nicht erhalten, was er wünschte. Deshalb muss ich dir von dem ehrwürdigen Vater Benedikt erzählen, dass auch er etwas wollte, was er nicht erreichen konnte.

Seine Schwester Scholastika war von Kindheit an dem allmächtigen Gott geweiht. Sie war gewohnt, ihren Bruder einmal im Jahr zu besuchen. Der Mann Gottes ging jedes Mal zu ihr hinunter zu einem Gut des Klosters, das nicht weit entfernt lag.

Eines Tages kam sie wie üblich, und ihr ehrwürdiger Bruder stieg mit einigen Jüngern zu ihr hinab. Sie verbrachten den ganzen Tag im Lob Gottes und im geistlichen Gespräch. Bei Einbruch der Dunkelheit hielten sie miteinander Mahl.

Während sie noch am Tisch saßen und ihr geistliches Gespräch fortsetzten, wurde es spät. Da flehte die gottgeweihte Frau, seine Schwester, ihn an: „Ich bitte dich, lass mich diese Nacht nicht allein, damit wir noch bis zum Morgen von den Freuden des himmlischen Lebens sprechen können.“ Er antwortete ihr: „Was sagst du da, Schwester? Ich kann auf keinen Fall außerhalb des Klosters bleiben.“

Es war so heiteres Wetter, das sich keine Wolke am Himmel zeigte. Sobald aber die gottgeweihte Frau die Weigerung ihres Bruders hörte, fügte sie die Finger ineinander, legte ihre Hände auf den Tisch und ließ ihr Haupt auf die Hände sinken, um den allmächtigen Gott anzuflehen. Als sie dann das Haupt vom Tisch erhob, blitzte und donnerte es so stark, und ein so gewaltiger Wolkenbruch ging nieder, dass weder der heilige Benedikt noch die Brüder in seiner Begleitung einen Fuß über die Schwelle des Hauses setzen konnten, in dem sie beisammen waren. Die gottgeweihte Frau hatte nämlich ihr Haupt auf die Hände gesenkt und Ströme von Tränen auf den Tisch vergossen. Dadurch erreichte sie, dass es aus heiterem Himmel zu regnen begann. Diese Regenflut folgte nicht erst nach dem Gebet, sondern Gebet und Regen trafen so zusammen, dass es schon donnerte, als sie das Haupt vom Tisch erhob. Im gleichen Augenblick erhob sie das Haupt, und der Regen strömte nieder.

Der Mann Gottes sah nun ein, dass er bei Blitz, Donner und dem gewaltigen Wolkenbruch nicht zum Kloster zurückkehren konnte. Da wurde er traurig und klagte: „Der allmächtige Gott vergebe dir, Schwester! Was hast du da getan?“ Sie erwiderte ihm: „Sich, ich habe dich gebeten, und du hast mich nicht erhört; da habe ich meinen Herrn gebeten, und er hat mich erhört. Geh nur, wenn du kannst. Verlass mich und kehre zum Kloster zurück!“

Da er das Haus nicht verlassen konnte, blieb er gegen seinen Willen, nachdem er freiwillig nicht hatte bleiben wollen. So konnten sie die ganze Nacht durchwachen, in heiligen Gesprächen ihre Erfahrungen über das geistliche Leben austauschen und sich gegenseitig stärken.

Deshalb habe ich gesagt, er habe etwas gewollt und es doch nicht vermocht. Wenn wir auf die Vorstellungen des heiligen Mannes schauen, so besteht kein Zweifel, dass er gewünscht hat, das heitere Wetter möge so bleiben, wie es bei seinem Kommen gewesen war. Ganz gegen seinen Willen stand er vor einem Wunder, das die Kraft des allmächtigen Gottes nach dem Herzenswunsch einer Frau gewirkt hatte. Es ist nicht zu verwundern, dass die Frau, die ihren Bruder länger zu sehen wünschte, in diesem Augenblick mehr vermochte als jener.

Nach einem Wort des Johannes ist Gott die Liebe2. So ist es ganz richtig: jene vermochte mehr, weil sie mehr liebte.

Nur wenig später verstarb Scholastika. Wie Gregor berichtet, sah ihr Bruder im Gebet ihre Seele in Gestalt einer Taube zum Himmel aufsteigen. Darauf wusste er, was geschehen war, und ließ ihren Leichnam in das Grab legen, das für ihn vorbereitet war. Es ist vielleicht überraschend, dass Benedikt sich nach der Vision freut und Gott dankt, aber er hat zwei Gnaden erfahren. Gegen seinen Willen war seine letzte Begegnung mit seiner Schwester intensiv und ausführlich; und schließlich durfte er tatsächlich die Gewissheit haben, dass Gott sie zu sich genommen hat.

Eine ausführlichere Biographie der hl. Scholastika schrieb ein Diakon Alberich in Montecassino im 11. Jahrundert, die man bei Google Books in einem Digitalisat 1737 erschienener Annalen des Benediktinerordens lesen kann.

Der gleiche Alberich hat auch eine Predigt zu Scholastica hinterlassen. Ebenso ist uns eine Predigt zum Gedenktag der hl. Scholastika überliefert, die dem hl. Beda Venerabilis zugeschrieben wurde, heute aber für ein Werk des Abts Berthar von Montecassino gehalten wird. Berthar hat auch eine Predigt über das Leben der hl. Scholastika verfasst.

Die hl. Scholastika ist die Patronin der Ordensschwestern, und wird wohl auf Grund des Regenwunders bei Sturm und Regen um Fürbitte angerufen.


  1. vgl. 2 Kor 12,7-9 
  2. vgl. 1 Joh 4,8 

Der Vater der Wüstenväter

Ohne Antonius den Großen († 356) wäre das Mönchtum vielleicht nicht so, wie es ist. Er legte sein Geschick ganz in die Hand Jesu und führte ein asketisches, einfaches Leben als Einsiedler. Bald fand er Nachahmer und Bewunderer, und ganze Gemeinschaften von sogenannten „Wüstenvätern“ bildeten sich um ihn herum und nach seinem Vorbild. Darum ist er auch einer der, wenn nicht überhaupt der Begründer des Mönchtums, wenn auch etwas unfreiwillig. Denn ein Einsiedler will für gewöhnlich nicht in großer Gesellschaft leben.

Der hl. Athanasius berichtet in seiner Antonius-Biographie, dass zwei Bibelstellen wegweisend für den Vater der Wüstenväter waren: Der Vers aus dem Matthäus-Evangelium, als Jesus dem reichen Jüngling antwortet: „Jesus sagte ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh hin, verkaufe, was du hast, und gib den Erlös den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir!“ (Mt 19,21) und wenn Jesus den Jüngern sagt: „Seid nicht so besorgt um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.“ (Mt 6,34)

Eine kleine Anekdote, die Athanasius berichtet, erhellt den Charakter des Antonius:

Als er einmal wieder so gezwungen wurde von denen, die in Not waren, und auch der Heermeister ihn inständig bat, herabzukommen, da erschien er wirklich, sagte einige Worte, die zum Heile dienten und für die Bittsteller bestimmt waren, und wollte wieder wegeilen. Als nun der Dux, wie er genannt wird, ihn ersuchte, er möge ein wenig länger bleiben, da erwiderte er, er könne nicht bei ihnen weilen und überzeugte ihn davon durch ein liebliches Gleichnis. Er sagte nämlich: „Wie die Fische sterben, wenn sie auf dem Trockenen bleiben, so werden die Mönche schlaff, wenn sie mit euch sich verhalten und bei euch bleiben. Wie der Fisch in das Meer, so müssen wir auf den Berg eilen, damit wir nicht durch unser Zögern der Dinge vergessen, die da innen sind.“ Als der General dies und vieles andere von ihm gehört hatte, da sagte er voll Verwunderung, er sei in Wahrheit ein Diener des Herrn. Denn woher hätte ein einfacher Mensch einen so tiefen und gewaltigen Verstand, wenn er nicht ein Liebling Gottes wäre? (Übersetzung von Anton Stegmann und Hans Mertel)

Antonius starb hochbetagt und hochverehrt — sogar der Kaiser hatte ihm einen Brief geschrieben — im Jahr 356. Sein Gedenktag ist der 17. Jänner.

Hilarius von Poitiers, der Hammer der Arianer

Der 13. Jänner ist der Gedenktag des heiligen Hilarius von Poitiers († 367/368). Ursprünglich war er Beamter des Römischen Reiches, dabei offenbar gut gebildet. Wie er in seinen zwölf Büchern über die Dreieinigkeit schreibt, führten ihn auf der Suche nach der „Aufgabe, die dem Menschenleben von ihm selbst und von Gott her eigne“, die Bücher des Alten Testaments auf die Spur des Christentums:

„Ich bin, der ich bin“; und wiederum: „Dies sage den Kindern Israels: der da ist, hat mich zu euch gesandt“. Geradezu bewundert habe ich eine so endgültig-eindeutige Gottesbezeichnung, die die unfaßliche Erkenntnis des göttlichen Wesens in einer für menschliche Fassungskraft höchst geeigneten Sprechweise angab.

Er wurde später Bischof — vielleicht der erste — in Poitiers, das damals Pictavium hieß. Der hl. Martin hat ihn nach seinem Militärdienst aufgesucht, wie sein Biograph Sulpicius berichtet, und Hilarius hat ihn zum sogenannten „Exorzisten“ geweiht, einem niederen Weihegrad. Eigentlich wollte Hilarius den frommen Mann zum Diakon machen, doch Martin hielt sich für unwürdig, dieses Amt zu bekleiden.

Der hl. Hilarius von Poitiers heilt ein Kind. Illustration aus dem Weißenauer Passionale

Der hl. Hilarius von Poitiers heilt ein Kind. Illustration aus dem Weißenauer Passionale

Der Hammer der Arianer

Martin hatte wahrscheinlich einen guten Grund, gerade Hilarius aufzusuchen. Denn dieser gehörte zu den Verteidigern der Kirche gegen den Arianismus, eine auch heute verbreitete Irrlehre, nach der Jesus Christus nicht selbst Gott ist, sondern ein geschaffenes, von ihm verschiedenes Wesen. Es geht im Kern um den Monotheismus und die Rolle Jesu.

Die Arianer genossen zu dieser Zeit kaiserliche Unterstützung; viele Bischöfe unterwarfen sich gehorsam. Nicht so Hilarius, der die Dreifaltigkeit verteidigte und die bewusste Trennung der rechtgläubigen Bischöfe vom arianischen Bischofs Saturninus von Arles und seinen engsten Vertrauten betrieb.

Darauf kam es zur Synode von Biterrae (Béziers), bei der die arianischen Bischöfe die inhaltliche Auseinandersetzung vermieden und sich Hilarius’ entledigten: Er wurde auf kaiserlichen Befehl nach Phrygien verbannt — offenbar unter falschen Anschuldigungen. Hilarius selbst schreibt:

Als ich nachher durch die Partei jener Pseudoapostel zur Synode zu Bitterae zu kommen gezwungen wurde, machte ich ihnen das Anerbieten, diese Ketzerei aufzudecken und zu widerlegen. Aber diese fürchteten die öffentliche Kundmachung und wollten die von mir vorgebrachten Beschuldigungen nicht anhören, weil sie glaubten, sie könnten Christo ihre Unschuld vorlügen, wenn sie absichtlich nicht wüßten, was sie nachher mit Wissen tun wollten.

In einem anderen Buch deutet er an, dass er aufgrund falscher Anschuldigungen des Arianers Saturninus verbannt wurde:

[…] so freute ich mich im Herrn, daß ihr unbefleckt und unangetastet von aller Ansteckung der verabscheuungswürdigen Ketzerei geblieben seid, daß ihr Teil nehmet an meiner Verbannung, in welche mich Saturninus aus Furcht vor seinem eigenen Gewissen, mit Hintergehung des Kaisers, verstoßen hatte, […]

Er schreib in der Verbannung mehrere Bücher, darunter das erste bekannte Traktat zur Dreifaltigkeit. Gleichzeitig legte er Wert darauf, weiter mit den Arianern ins Gespräch zu kommen, um den Frieden und die geistige Umkehr der Arianer zu fördern. Er nennt sie auch weiterhin Brüder, auch wenn sie sich nicht gerade brüderlich verhalten. Seine klare Argumentation konnte jedenfalls viele überzeugen, zum nicänischen Glauben zurückzukehren, weswegen er auch der Hammer der Arianer (malleus arianorum) genannt wurde.

Der Kaiser schlägt zurück

Wen er nicht überzeugen konnte, war Kaiser Constantius II.. Dieser lehnte das nicänische Glaubensbekenntnis ab; er wollte ein neues, einheitliches christliches Glaubensbekenntnis erreichen und den arianischen Streit entscheiden. Auf einem Konzil von Sirmium wurde daher ein Entwurf für eine Formel vorgelegt, nach der der Sohn „in allem wie der Vater“ ist, und die Verwendung des Begriffes „Wesen“ streng abgelehnt wird.

Damit sollen die Vertreter verschiedener Schattierungen des „Semi-Arianismus“ zufriedengestellt werden. Die sogenannten Anomoier, die vertraten, Vater und Sohn seien verschieden, waren damit zwar ausgebootet worden, und der reine Arianismus in der Minderheit geblieben. Ebenso war damit aber das nicänische Glaubensbekenntnis von 325 hinfällig, in dem Gott Sohn „eines Wesens mit dem Vater“ genannt wird. Der Text von Sirmium war allerdings nur ein Vorschlag.

Hilarius berichtet in einer Schrift „De Synodis“ an seine gallischen Freunde über diese Entwicklungen. Er schlägt darin auch eine Brücke zwischen Griechen und Lateinern, in dem er demonstriert, dass im Westen mitunter kritisierte Glaubensbekenntnisse aus sprachlichen Missverständnissen heraus abgelehnt werden. Das wird später eine wichtige Rolle spielen, um die kirchliche Einheit wiederherzustellen.

Die von Hilarius hier skizzierte Verständigung will der Kaiserhof verhindern und setzt zwei getrennte Synoden für Ost und West an, eine in Ariminium (Rimini) und eine in Seleucia in Isaurien. Letztere hätte ursprünglich in Nicomedien stattfinden sollen, musste aber auf Grund eines Erdbebens verlegt werden.

Die Bischöfe in Ariminium sahen keinen Grund, vom Glaubensbekenntnis von Nicäa abzuweichen. Daher wurde ihre Gesandtschaft, die sie mit einem entsprechenden Brief zum Kaiser gesandt hatte, zuerst aufgehalten, dann nach Nike in Thrakien verbracht, wo sie eine Formel zu unterzeichnen hatten, nach der der Sohn dem Vater ähnlich sei — auch das „in allem“ wurde gestrichen. Die westlichen Bischöfe wurden nun zur Unterzeichnung gezwungen oder verbannt.

An der östlichen Synode in Seleucia nahm auch der exilierte Hilarius teil, dessen Ruf als gebildeter, versierter Theologe und Disputant ihm offenbar vorauseilte. Auch hier erfolgte — trotz der starken arianischen Tendenzen im Osten — keine Einigung auf die Formel von Sirmium. Auf Wunsch des Kaisers mussten zehn Delegierte nach Konstantinopel zur Berichterstattung kommen, mit ähnlichem Ergebnis wie für den Westen.

Eine „Synode von Konstantinopel“ schloss aus Sicht des Kaisers den Prozess ab. Ihr Glaubensbekenntnis ist uns überliefert, und lässt weiten arianischen Spielraum.

Hilarius kehrt zurück

Hilarius durfte oder musste 360 wieder nach Poitiers reisen — er war den arianischen Hofbischöfen im Osten so lästig geworden, dass sie ihn lieber im fernen Gallien sehen wollten. Dort wurde er jubelnd empfangen. Bald konnte er den gallischen Bischöfen zeigen, dass die Formel von Konstantinopel nur ein Deckmantel für den Arianismus sei. In einer Regionalsynode wurde schließlich der Arianer Saturninus von Arles abgesetzt. Hilarius versuchte allerdings auch, die Hardliner von einer konzilianteren Haltung zu überzeugen, was er erfolgreich und überzeugend tat.

Mit dem Aufstand Julians gegen Kaiser Constantius’ und dem Tod des Letzteren wurde auch die Macht der Arianer merklich schwächer. So erklärte Papst Liberius die erzwungenen Beschlüsse von Ariminium für ungültig.

Schließlich unternahm Hilarius es 364, den Bischof Auxentius von Mailand als Arianer zu entlarven und seine Umkehr oder Absetzung zu erreichen. Auxentius aber stand beim Kaiser offenbar in hoher Gunst und es war vielmehr Hilarius, der Mailand verlassen musste.

Der hl. Hilarius wirkte bis zu seinem Tod in Poitiers, der heute allgemein mit 367 angegeben wird. Übrigens spornte er in dieser Zeit auch den hl. Martin an, ein Kloster in Ligugé zu gründen. Er gilt als Kirchenlehrer und wird auch in der Ostkirche geschätzt und verehrt.