Was ist schlimmer als ein Crack-rauchender Randalierer?

James Delingpole ist ein Widerspruchsgeist, keine Frage. Sein unkonventioneller Zugang zur Causa des Bürgermeisters von Toronto, Rob Ford, die auf der ganzen Welt Eingang in die Schlagzeilen gefunden hat, ist aber bedenkenswert.

Der Brite bringt seine Meinung so auf den Punkt:

[…] Sicher, ein Crack-rauchender, betrunkener Bürgermeister ist nicht ideal. Aber ich bin ehrlich gesagt viel mehr darin interessiert, was ein Politiker in seinem öffentlichen Leben ausheckt, als in seinen privaten. […]

Um es anders zu sagen, wen würden sie eher über die alltäglichen Dinge ihres Lebens regieren lassen?

a) Einen Crack-rauchenden Randalierer, der die Steuern niedrig gehalten hat, die öffentlichen Dienste effizienter gemacht hat und ansonsten sich mit seinen schmutzigen Hände aus Deinen Angelegenheiten herausgehalten hat?

b) Ein blitzsauberer Weltverbesserer, der, voll Vertrauen in seine eigene moralische Redlichkeit, es für gerechtfertigt hält zu versuchen, jedes kleinste Detail Deiner Angelegenheiten minutiös mit Steuern, Regulierungen und Vorschriften zu kontrollieren.

Provokant, aber eine Überlegung wert. Warum messen wir den Charaden der Politiker so viel Bedeutung zu, in denen sie sich als anständig, bescheiden, ehrlich etc. inszenieren, wenn wir gleichzeitig wissen, dass man mit diesen Eigenschaften leider selten politischen Erfolg hat. Warum konzentrieren wir uns nicht auf die tatsächlichen Resultate ihrer Politik? Eine Vermutung: Weil wir dann noch deprimierter über den Zustand der Politik wären …

(Hinweis über National Review)

Kateri Tekakwitha wird heiliggesprochen

Wie ich bei „Braut des Lammes“ gelesen habe, wird die Selige Kateri Tekakwitha (1656-1680) offiziell die Anerkennung als Heilige erhalten: Papst Benedikt XVI. gab die Anerkennung eines Wunders bekannt, das auf Fürsprache der Lilie der Mohawks, wie sie auch genannt wird, erfolgt ist. Sie wäre die erste Heilige aus den Reihen der nordamerikanischen Indianer. Die junge Tekakwitha hat mit großer Freude und tiefer Überzeugung den katholischen Glauben angenommen; auch ihre Mutter, die allerdings früh verstarb, soll eine Christin gewesen sein. Ihre Familie und ihr Stamm waren aber alles andere als begeistert – im Gegenteil, sie mußte fliehen, und wurde in einer französischen Siedlung, in der bereits viele Indianer lebten, von P. Jacques de Lamberville getauft. Anschließend führte sie ein von Gebet und tiefer Verehrung für Jesus Christus geprägtes Leben, in dem sie sich um Kranke und Alte kümmerte, die ihre Hilfe benötigten. Mehr zu ihr kann man nicht nur bei Braut des Lammes lesen, sondern auch auf catholic.org.

Warum mich das berührt? Weil ich einmal einen Mohawk-Diakon kennenlernen durfte, der ohne das Vorbild der Kateri Tekakwitha nicht denkbar ist. Sie ist ein Zeichen dafür, daß die frohe Botschaft, die wir ja auch zu Weihnachten feiern, für alle Menschen gilt, und nicht von Kultur, Sprache oder Hautfarbe abhängt.

Die verhängnisvolle Nähe zur weltlichen Macht

In Irland werden die Angriffe auf die katholische Kirche schriller, bis zum bizarren und menschenrechtswidrigen Vorschlag des irischen Ministerpräsidenten, das Beichtgeheimnis de facto abzuschaffen. George Weigel analysiert die Situation im National Review, und kommt dabei zu dem Schluß, dass gerade die frühere enge Verbindung des Klerus mit der Staatsmacht in Ländern wie Irland, Spanien und Portugal innerlich und äußerlich die jetzige Situation herbeigeführt oder zumindest verschärft hat:

[…] Dann kam die Flut: Die Flut des Zweiten Vatikanums, die Flut, die Europäer als „1968“ bezeichnen, und die Flucht der „Stillen Revolution“ in la Belle Province [Québec]. Einmal durchbrochen, bröckelten Befestigungen des gegenreformatorischen Katholizismus in Spanien, Portugal, Québec und Irland rasch. Und ohne die geistigen Quellen, um den Sturmfluten des Säkularismus zu widerstehen, drehten sich diese einst hyperkatholischen Länder um 180 Grad, in dem sie einen beschleunigten Kurs radikaler Säkularisierung einschlugen, der jetzt in jedem dieser Länder Christophobie zu einem ernsten Problem gemacht hat: Nicht einfache Indifferenz gegenüber der Kirche, sondern aktive Feindseligkeit ihr gegenüber, die sich nicht selten in einer [den Glauben] einschränkenden Staatsmacht ausdrückt.

Das ist daher die unverblümte Tatsache, der sich Bischöfe, Priester und katholische Laien ins Auge sehen müssen, wenn sie die Kirche des Zweiten Vatikanums, Johannes Paul II. und Benedikt XVI. – die Kirche der Neuevangelisierung – aus den Trümmern der jüngsten irischen Vergangenheit heraus aufbauen wollen: In Irland, wie in den anderen drei Fällen, verstärkte die Nähe der Kirche zur weltlichen Macht innere Muster des Klerikalismus und mangelnder Verantwortung, die junge Menschen gefährdet haben, die die Verkündigung des Evangeliums behindert haben und die die Kirche in diesen Länder zur leichten Beute für säkulare kulturelle (und politische) Wölfe werden ließen, als diese auf der Bildfläche erschienen.

Er schlägt dann vor, das komplette irische Episkopat auszutauschen, und dabei auch auf ausländische Bischöfe zurückzugreifen, die eben nicht aus den irischen Strukturen stammen. Zu viel sei hier beschädigt, um eine Erneuerung nur von innen heraus zu bewerkstelligen.