Gesegnete Weihnachten!

Geburt Jesu - Meister der Pollinger Tafeln © Wolfgang Guelcker

Geburt Jesu – Meister der Pollinger Tafeln © Wolfgang Guelcker

Dieses Bild vom Pollinger Marienaltar zeigt uns eine farbenfrohe Engelschar, die das neugeborene Kind mit festlicher Musik empfängt. Unter dem First des Stalles drängt sich ein weiterer Engelchor. Für die Hirten im Bildhintergrund war nur noch ein Engel übrig, da alle anderen sich von dem Kind nicht trennen können. So eine große Freude geschieht an diesem Tag. Nicht nur den Engeln, uns allen.

Und daher darf ich auch allen ein gesegnetes Weihnachtfest wünschen!

Die drei Gräber des Nikolaus

Grab des hl Nikolaus in Bari © LooiNL

Grab des hl Nikolaus in Bari © LooiNL

Der hl. Nikolaus von Myra ist einer der ersten Menschen, die als Heilige verehrt wurden, obwohl sie keine Märtyrer waren. Wir wissen nicht viel über ihn, doch die zahlreichen lesenswerten Geschichten, die sich um ihn ranken, weisen auch auf einen Menschen hin, der seine Umgebung tief beeindruckt hat. Vieler dieser Legenden kann man auf der Website nikolaus-von-myra.de lesen.

Auch die Reliquien des hl. Nikolaus können eine Geschichte erzählen. Als moslemische Heere nach der Schlacht bei Manzikert in Kleinasien weiter vorrückten, wuchs die Sorge um das Schicksal des Grabes des hl. Nikolaus, so die eine Variante. Myra wurde jedenfalls in jener Zeit von den Seldschuken erobert. Die italienische Stadt Bari suchte nach einer Möglichkeit, ihr Schicksal zu verbessern, und erhoffte sich vom Patron der Seefahrer und Kaufleuten einen Vorteil, die andere. Jedenfalls machten sich rund fünf Dutzende Männer aus Bari 1087 auf dem Weg nach Myra und raubten die Gebeine des hl. Nikolaus aus dem Grab in der dortigen Kirche. Am 9. Mai des Jahres kamen sie in Bari an, und noch heute wird dieser Tag in der Stadt besonders gefeiert. Unter anderem wird das sogenannte Manna des Nikolaus, eine Flüssigkeit, die aus dem Grab tritt, an diesem Tag eingesammelt. Diese Flüssigkeit heißt in der Orthodoxie übrigens doppeldeutig Myron genannt, einerseits, weil das Wunder schon in Myra aufgetreten war, und andererseits für das griechische Wort μύρον für Salböl.

Doch auch die Venezianer haben ein Grab des hl. Nikolaus, nämlich in San Nicolò am Lido. Denn im Jahr 1100 landeten Venezianer im Zuge des Ersten Kreuzzugs in Myra und nahmen die Gebeine dreier Bischöfe von Myra mit: Vom hl. Theodor, Nikolaus und seinem gleichnamigen Onkel. Das ist heute weniger bekannt; doch für die Seefahrernation Venedig war Nikolaus freilich sehr bedeutend. Er wurde zum Schutzpatron der Flotte erwählt, und vor der Kirche wurde nach feierlicher Schiffsprozession zum Lido hin die die Zeremonie der symbolischen Vermählung Venedigs mit dem Meer durchgeführt.

1953/57 wurden die Knochen im Grab von Bari im Zuge von Arbeiten vermessen. Sie waren in schlechtem Zustand — und könnten nach einer vor kurzem stattgefundenen Untersuchung bald verschwunden sein, da die Feuchtigkeit des Grabes sie vermodern lässt. Auf Grund dieser Vermessungen gelang es, die Maße des begrabenen Mannes und auch sein Gesicht zu rekonstruieren. Er war unter 1,70m groß, eher stämmig und hatte eine gebrochene Nase. Das paßt zu einigen Berichten über den hl. Nikolaus, die von einem temperamentvollen Heiligen zeugen, der aber auch gesagt hat: „Lassen wir über unserem Zorn die Sonne nicht untergehen.“

Nun kommt aber der Clou: 1992 durfte Luigi Martino, der schon die Knochen in Bari untersucht hatte, auch die Reliquien in Venedig untersuchen und kam zum überraschenden Schluss, dass sie zu ein und derselben Person gehören. Anscheinend waren die Räuber aus Bari doch in gewisser Eile und nahmen nur die großen Knochen mit; die Venezianer hatten mehr Ruhe und konnten so die übrig gebliebenen kleineren Knochen einsammeln.

Die Reste des Nikolaus-Grabs in Myra kann man noch heute ansehen. Die Türkei hat auch schon die Übergabe der Gebeine aus Bari verlangt, um das Grab in Myra touristisch besser nutzen zu können. Freilich hat die Türkei keinen wie immer gearteten Rechtsanspruch — und ein Bischof gehört nun einmal in eine Kirche. In diesem Fall sogar in zwei.

4. Dezember: Die heilige Barbara

Am 4. Dezember ist es vielerorts üblich, Zweige von Kirschbäumen, Forsythien oder anderen geeigneten Gewächsen zu schneiden und zu Hause ins Wasser zu stellen. In der warmen Stube fangen diese Zweige spätestens zu Weihnachten zu blühen an und bezeichnen den Segen, der in der dunklen Winternacht aufblüht. Manche wollten sie freilich auch als Orakel nutzen, um mit den Zweigen Lottozahlen vorherzusagen oder zumindest die Ernte des kommenden Jahres.

Diese Barbarazweige sind ein alter Brauch, der auch als Vorläufer des Christbaums gelten mag. Denn die Zweige wurden und werden gerne geschmückt. In manchen Gegenden war der Barbaratag auch eine Gelegenheit für Geschenke, obwohl die Geschichte der Heiligen dafür wenig hergibt.

Der Überlieferung nach war die hl. Barbara — was soviel heißt wie „die Fremde“ — die Tochter eines reichen Heiden namens Dioscorus aus Nikomedien. Sie selbst soll wunderschön gewesen sein. In der „Legenda Aurea“ wird das durch Doppelung besonders betont: „cui erat filia speciosissima nomine Barbara. Ipsa autem quia erat corpore pulcherrima …“ — wohlgestaltete und überaus schön. Deshalb sperrte sie der Vater auch aus Sorge über die möglichen Verehrer weg, die eine reiche und schöne junge Frau so anziehen könnte. Die Zeit nutzte Barbara zum Schrecken des Vaters, um Christin zu werden. Sie soll auch mit dem dem Gelehrten Origenes († ~ 254)korrespondiert haben. Der Vater war erzürnt und lieferte die Tochter im Zuge einer Christenverfolgung an den Statthalter aus, der sie grausam foltern ließ. Sie aber blieb standhaft bei ihrem christlichen Glauben. Des nachts soll ein helles Licht ihre Gefängniszelle erleuchtet haben, Christus selbst ihr erschienen sein und ihre Wunden geheilt haben. Die Standhaftigkeit der Barbara soll auch die hl. Juliana ermutigt haben, sich zu bekennen. Beide wurden schließlich nach weiteren Mißhandlungen hingerichtet. Der Vater Barbaras, der die Hinrichtung selbst vollzog, wurde vom Blitz erschlagen und war dabei zu Staub (lateinisch pulvis) zerfallen.

Nikomedien wurde 286 zur östlichen Residenz des römischen Kaisers erhoben und blieb Residenzstadt, bis Konstantin der Große das wenig entfernte Byzantium unter dem Namen Konstantinopel in diese Rolle erhob. Es könnte sein, dass das Martyrium der hl. Barbara deswegen in der Legenda Aurea in der Zeit des Kaisers Maximinus Daia angesiedelt ist, da dieser in Nikomedien residierte und die Christen blutig verfolgen ließ. Beispielhaft dafür ist das Martyrium des Bischofs Anthimos und seiner Gefährten: Dabei soll u.a. eine Kirche in Nikomedien während eines weihnachtlichen Gottesdiensts niedergebrannt worden sein. Eine Technik, die sich in islamistischen Kreisen auch heute großer Beliebtheit erfreut.

Man nimmt aber an, dass Barbara von Nikomedien schon unter Maximinus Thrax († 238) das Martyrium erlitten haben könnte, und eine spätere Verwechslung daraus Maximinus Daia machte. Das würde auch besser zur Korrespondenz mit Origenes passen. Eine andere Überlieferung siedelt ihr Martyrium unter Galerius in Heliopolis an, entweder dem ägyptischen oder dem syrischen Ort dieses Namens. Dies wird z.B. vom Menologion des byzantinischen Kaisers Basileios II. berichtet. Allerdings hieß Maximinus Daia mit vollem Namen Gaius Galerius Valerius Maximinus, so dass sich eine mögliche Verwechslung leicht erklären ließe.

Barbara wird entweder mit dem Turm, in dem sie eingesperrt war, oder mit Hostie und Kelch dargestellt. Sie gilt als Schutzpatronin gegen einen unvorbereiteten Tod. Auch als Schutzpatronin des Bergbaus, der Artillerie (pulvis!), gegen Blitzschlag, der Mauerer und anderer wird sie oft um Fürsprache gebeten. Mit der hl. Margarete und der hl. Katharina gehört sie zu den drei weiblichen Heiligen unter den vierzehn Nothelfern. Das kann man sich auch mit dem Spruch merken: „Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm, Katharina mit dem Radl – das sind die heiligen drei Madl.“

Allen Barbaras alles Gute zum Namenstag!

Córdoba: Streit um die Kathedrale

In Spanien wird offenbar heftig über die Kathedrale von Córdoba diskutiert, die auf eine Moschee zurückgeht: Eine Initiative fordert offenbar die Enteignung des berühmten Baus, da nichts das friedliche Zusammenleben der Religionen besser darstellen würde als ein Sakralbau, der gar keiner Religion dient. So legt es ein Bericht in der NZZ nahe.

Vor dem Hintergrund der Forderungen islamischer Gruppen, Sudspanien in ein Kalifat umzuwandeln und weitgehend christenfrei zu machen, wirken die Ideen der Initiative anachronistisch. Noch mehr, als sich die Geschichten vom angeblich toleranten Kalifat von Córdoba bei näherem Quellenstudium als Mythos entpuppen. 

Doch eigentlich geht es doch wieder nur um den Kampf der eingefleischten Linken gegen die Kirche, der in Spanien schon zu grausamen Verbrechen geführt hat. Ein Fernando Aguiar, der mit dem Begriff „Wissenschafter“ legitimiert wird, darf im Artikel es als „Erbe der Diktatur“ darstellen, dass die Kathedrale noch eine Kathedrale ist, und aufgeklärt hoffen:

Nur ein Generations- und Mentalitätswandel könne Konflikte wie den von Córdoba lösen, sagt er. „Erst wenn wir Entscheidungsträger haben, die allesamt in der Demokratie geboren und in Europa ausgebildet wurden, wird es eine Mehrheit geben, die die Trennung von Kirche und Staat unterstützt.“

Damit wäre dann die Katze aus dem Sack, worum es dieser Initiative eigentlich geht. Auf den antikatholischen Reflex der spanischen Linken ist eben Verlass.

Was heißt: Papsttreu?

In der Reformationszeit wurden Katholiken gerne als „Papisten“ verunglimpft. Man insinuierte damit, dass die Katholiken lieber dem Papst als Christus treu wären. Manche freikirchlichen Gruppen pflegen diesen Unsinn heute noch.

Umgekehrt hat schon der hl. Irenäus von Lyon im 2. Jahrhundert geschrieben:

Mit der römischen Kirche nämlich muß wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen, d. h. die Gläubigen von allerwärts, denn in ihr ist immer die apostolische Tradition bewahrt von denen, die von allen Seiten kommen.
Contra Haereses III, 3

Und der hl. Ambrosius hat bekanntlich ebenfalls deutlich geschrieben:1

Wo also Petrus ist, dort ist die Kirche; wo die Kirche ist, dort gibt es keinen Tod, nur ewiges Leben.

Leo der Große hat die Bedeutung der Nachfolge des Petrus in einer Predigt so erörtert:

Dieses Bekenntnis 2 werden die Pforten der Hölle nicht überwältigen und die Bande des Todes nicht umschlingen; denn dieses Wort ist ein Wort des Lebens. Wie es seine Anhänger zum Himmel erhebt, so stößt es seine Widersacher in die Hölle hinab. Um dieses Bekenntnisses willen sagt der Herr zu dem heiligen Petrus: „Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Und alles, was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein. Und alles, was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“3 Freilich ging auch auf die anderen Apostel das Recht über, von dieser Befugnis Gebrauch zu machen; freilich gilt für alle Vorsteher der Kirche die in diesem Ausspruch enthaltene Bestimmung; aber nicht ohne Grund wird das, woran alle Anteil haben sollen, e i n e m anvertraut. Wird ja gerade deshalb diese Vollmacht dem Petrus gesondert übertragen, weil über allen Leitern der Kirche die Person des Petrus steht. Dieses Vorrecht des heiligen Petrus gilt auch für seine Nachfolger, sooft sie, von seinem Gerechtigkeitssinn erfüllt, ein Urteil sprechen. Von allzu großer Strenge oder Milde kann aber da nicht die Rede sein, wo nichts vorbehalten oder nachgelassen wird, was nicht auch vom heiligen Petrus nachgelassen oder vorbehalten worden wäre. Als das Leiden des Herrn nahte, das die Standhaftigkeit der Jünger auf eine harte Probe stellen sollte, sprach dieser: „Simon, Simon, der Satan hat nach euch verlangt, um euch zu sieben wie den Weizen! Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht nachlasse. Und wenn du einst bekehrt bist, so stärke deine Brüder, damit ihr nicht in Versuchung fallet!“4 Allen Aposteln drohte die gleiche Gefahr, der Furcht zu unterliegen. Unterschiedslos bedurften sie der Hilfe des göttlichen Schutzes, da der Teufel alle zu versuchen, alle zu verderben trachtete. Und doch ist der Herr besonders für Petrus besorgt und betet namentlich für des Petrus Glauben, gleich als ob die Haltung der anderen eine standhaftere wäre, wenn der Mut des Oberhauptes unbezwungen bliebe. In Petrus wird also die Kraft aller gefestigt und der Beistand der göttlichen Gnade so geregelt, dass die Stärke, die durch Christus dem Petrus verliehen wird, durch Petrus auf die Apostel übergeht.

Und doch wissen wir, dass im Lauf der Jahrhunderte die Standhaftigkeit der Nachfolger Petri oft zu wünschen übrig ließ. Vom „dunklen“ 10. Jahrhundert bis zu Papst Alexander VI. und darüber hinaus ließen sich der Beispiele genug aufzählen.

Was ist also Papsttreue? Und warum soll ein guter Christ papsttreu sein?

Die Predigt Leo des Großen wie der Ausspruch Irenäus’ von Lyon zeigen, warum. Die Kirche braucht das Amt des Nachfolgers Petri als sichtbares Zeichen und Bewahrer der Einheit, als Zeuge der apostolischen Tradition. Papsttreue ist nichts anderes als der Versuch, diese Einheit selbst zu bezeugen, dieser apostolische Tradition selbst zu folgen, dem Nachfolger des Apostels den gebotenen Gehorsam zu leisten und dabei in der Liebe zu bleiben und zu handeln, die Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat.

Petrus wird in den Evangelien sehr menschlich dargestellt: Von großer Liebe zum Herrn durchdrungen, doch manchmal aufbrausend, manchmal feig. Kein vollkommener Mensch. Leo der Große verweist darauf, dass auch Petrus der göttlichen Hilfe bedurfte, um nicht verdorben zu werden. Für seine Nachfolger gilt das noch viel mehr. Nicht umsonst sagt Papst Franziskus immer, man solle für ihn beten.

Die Päpste haben im Laufe der Jahrhunderte schon viel Widerspruch und Kritik ausgehalten, angefangen bei Petrus selbst (Gal 2,11ff). Das kann sogar zur Pflicht werden: Wer jemanden liebt, der kritisiert ihn auch, wenn der ins Verderben zu rennen droht. Aber dabei darf man nie vergessen, wie Christen miteinander umgehen sollten, und erst recht nicht, dass diese Kritik immer von Liebe und Sorge getragen werden und den Blick auf das Petrusamt selbst nicht verlieren sollte.

Papsttreue bewahrt einen jedenfalls vor einem Fehler: Sich selbst zum Papst zu machen, der unfehlbar darüber entscheidet, ob der echte Papst nun genügend katholisch ist.


  1. Zitiert nach Oliver Achilles, der die entsprechende Stelle auf seinem Blog auslegungssache.at übersetzt hat. Er selbst bezweifelt übrigens, dass die Stelle als Betonung des Petrusamts gelesen werden sollte, und verortet diese Interpretation in der Zeit der Gegenreformation. 
  2. Christus ist der Sohn des lebendigen Gottes. 
  3. Mt 16,19 
  4. Lk 22,31f. 

Zum Weihetag der Lateranbasilika

Kathedra in der Apsis der Lateranbasilika

Kathedra in der Apsis der Lateranbasilika

Der Weihetag der Erzbasilika im Lateran, der „Mutter und des Haupts aller Kirchen“, fällt heuer auf einen Sonntag, und somit wird dieser Festtag wieder einmal breiter begangen. Der Rang der Kirche leitet sich daraus ab, dass sie ja der eigentliche Sitz des Bischofs von Rom und damit des Papstes ist. Wie es für eine Patriarchalbasilika der Brauch ist, ist sie dem Erlöser selbst geweiht, auch wenn der heilige Johannes der Täufer und der Evangelist Johannes später zu weiteren Patronen erhoben wurden.

Dieser Tag erinnert uns an die Verbundenheit der ganzen Weltkirche untereinander und mit ihrem Haupt in Rom. Eine Verbundenheit, die nicht auf der Person und Persönlichkeit des jeweiligen vicarius christi beruht, sondern in seiner Aufgabe als Nachfolger Petri. Eigentlich muss man da gar nicht mehr sagen, als in der Epistellesung aus dem 1. Korinterbrief steht:

Ihr seid Gottes Bau. 10 Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. 11 Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. 16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? 17 Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.

Übrigens kann man auf den Seiten des Vatikan eine virtuelle Tour durch die wunderschöne Basilika unternehmen.

Job zu Allerseelen

Alles verloren. Zuerst nur den Besitz. Dann sogar die eigenen Kinder. Zuletzt die Gesundheit des eigenen Leibes. Von den eigenen Verwandten geschnitten, sogar selbst für sein ganzes Unglück verantwortlich gesehen. Das ist Job oder Hiob. Und ausgerechnet am Allerseelentag kann er einem in der Liturgie wieder begegnen. Trotz aller furchtbaren Ereignisse, die er in seiner Rede auch anführt, proklamiert Job — ich zitiere etwas länger als die Perikope ist — voller Zuversicht:

14 Es meiden mich meine Verwandten, es vergessen mich meine Vertrauten. 15 Die Hausgenossen sehen mich wie einen Fremden an, in den Augen meiner Mägde ward ich zum Fremdling! 16 Ich rufe meinen Knecht – er gibt keine Antwort; flehentlich muß ich ihn bitten. 17 Zum Ekel ist meiner Frau mein Atem, mein Gestank den Söhnen meiner Mutter. 18 Es verachten mich sogar die Kinder, trete ich wo auf, verspotten sie mich. 19 Es verabscheuen mich meine Vertrauten, und die ich liebte, wenden sich gegen mich. 20 An meiner Haut, an meinem Fleisch klebt mein Gebein; es bleibt mir nur die Haut an meinen Zähnen. 21 Erbarmt euch! Meine Freunde, habt mit mir Erbarmen, denn getroffen hat mich die Hand Gottes. 22 Was verfolgt auch ihr mich wie Gott, werdet nicht satt, mich zu zerfleischen? 23 O, schriebe man doch meine Worte auf, trüge man sie doch in ein Buch ein; 24 wären sie doch in den Felsblock für immer eingemeißelt mit Eisengriffel und mit Blei! 25 Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Von der Erde werde ich am letzten Tage auferstehen. 26 Dann wird meine Haut wieder um mich sein, und schauen werde ich Gott in meinem Fleisch. 27 Ja, ich selber werde ihn schauen! – Doch werden ihn meine Augen nicht mehr sehen als Gegner! – Danach sehnen sich in mir meine Nieren. 28 Wenn ihr noch denkt Wir setzen ihm zu! – denn in mir sei der Grund des Schicksals zu finden -, 29 so seid vor dem Schwert auf der Hut; denn das Schwert ist Rächer der Schuld! Bedenkt, es lebt noch ein Richter!
— Ijob 19,14-28 nach der Henne-Rösch-Ausgabe

Er weiß, dass sein Erlöser lebt, obwohl er gerade diesen Erlöser selbst für sein Leid verantwortlich macht. Doch Jobs Glauben ist von unerschütterlich tiefer Zuversicht. Die Zuversicht, dass unser Erlöser lebt, trägt uns auch zu Allerseelen. Anders als Job ist diese Zuversicht vielleicht nicht so unerschüttlich. Und anders als Job sind wir selbst — und auch die Menschen, für die wir beten — oft mit klar benennbarer Schuld belastet.

Allerseelen ist ein Tag des Andenkens und des Gebets an die armen Seelen, die Menschen, die nach dem Tod einer Reinigung, Läuterung bedürfen. Wie wir wohl auch selbst einmal sein werden. Aber es ist dabei ein Tag der Freude: Denn Gott verstößt diese „armen Seelen“ eben nicht, obwohl die Betroffenen keine Heiligen waren, wie man so sagt.

Das Purgatorium oder Fegefeuer, ein Begriff, der die Reinigung der Seelen vorstellbar machen soll, ist keine Drohung, sondern eine Hoffnung, dass Gott uns trotz all unserer Fehler, unserer Sünden retten wird. Allerdings wird die Erkenntnis dieser Fehler, das Bekenntnis dieser Schuld wohl ein schmerzhafter Vorgang sein, wie es Selbsterkenntnis meistens ist. Das kann man übrigens im Buch Job ebenfalls nachlesen.

Daher wird unsere erhoffte Auferstehung vielleicht auch zuerst ein Tag der Tränen sein, wie es im berühmten „Dies irae“ heißt. Doch am Ende steht Gottes Barmherzigkeit, wie es in der Offenbarung des Johannes geschildert wird:

4ab Er wird jede Träne von ihren Augen wegwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, weder Trauer noch Klage noch Schmerz wird mehr sein.

Synode: Gestörte Kommunikation?

Wie stümperhaft die Öffentlichkeitsarbeit zur Familiensynode in Rom abläuft, kann man an den Zeitungsberichten ablesen, die etwa titelt: „Kirche korrigiert Kurs“ und von einer „Öffnung für Homosexuelle“ schreibt.1 Da wird ein Arbeitspapier präsentiert; auf Journalistenfragen dazu werden aber derart ausweichende Antworten gegeben, dass diesen gar nichts anderes überbleibt, als nach eigenem Ermessen zu interpretieren. Bischöfe protestieren gegen Passagen, und bald gilt das ganze nur mehr als Werk des Kardinal Erdö, aber (noch) nicht als Werk der Synode. Dann soll selbst Kardinal Erdö nicht hinter allen Teilen des Texts stehen.

Dabei sind die Kritiker des Papiers und die Autoren in vielen Fragen inhaltlich wahrscheinlich gar nicht so weit auseinander — so revolutionär ist der Text nicht. Vieles gibt Positionen wieder, die sich etwa auch im Katechismus finden. Vielmehr treibt viele die Sorge um gerade die (bewussten?) Missverständnisse, die jetzt so fröhliche Urständ’ feiern. Dass nicht die Heranführung der Menschen an die Wahrheit des Glaubens, sondern die Verwässerung der Wahrheit das praktische Ergebnis ist, auch wenn es eigentlich nicht intendiert war.

Offenbar ist aber auch die interne Kommunikation missglückt, wie die Verwirrung um das Arbeitspapier zeigt, die auch unter teilnehmenden Bischöfen zu herrschen scheint. Eine offene Diskussion sollte es werden — doch in der heutigen Mediengesellschaft kann so etwas auch leicht nach hinten losgehen und erst recht Gerüchte befeuern. Vielleicht wären Konsulenten, die einen Prozess begleiten, manchmal doch ihr Geld wert.


  1. Was ein völliger Kategorienfehler ist, denn das Christentum teilt Menschen nicht nach ihren vorübergehenden oder permanenten sexuellen Neigungen ein. Wie man damit umgeht, das ist der entscheidende Punkt. Und überhaupt: Katechismusleser wissen mehr. 

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz

Am 7. Oktober ist im Kalender das Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz vermerkt, das früher in Österreich in wichtiges Marienfest war, ist es doch mit dem Sieg über die türkische Bedrohung bei der Seeschlacht von Lepanto 1571 verbunden. Dieser Zusammenhang wurde dann auch von Kaiser Karl VI. nach der Schlacht von Peterwardein 1716 bemüht, um eine Rangerhöhung des Festes zu erreichen.

Das Fest wird missverständlicherweise oft auch einfach „Rosenkranzfest“ genannt. Unter diesem Namen ist damit auch eine große Kundgebung des Widerstands gegen das Dritte Reich verbunden: Als sich am 7. Oktober 1938 7.000 Jugendliche im Stephansdom zu einem auf abenteuerliche Weise organisierten Gebetstreffen zusammenfanden. Der Wiener Erzbischof Theodor Kardinal Innitzer entschuldigte sich bei den Jugendlichen für sein Verhalten im März und April 1938 und predigte in deutlichen Worten; u.a. rief er ihnen zu: „Einer ist euer Führer, euer Führer ist Christus, wenn ihr Ihm die Treue haltet, werdet ihr niemals verloren gehen.“ Postwendend stürmte die Hitlerjugend das Erzbischöfliche Palais, verwüstete es und warf u.a. Domkurat Johann Krawarik aus dem Fenster. Gauleiter Bürckel hielt bei einer extra als Antwort organisierten
Großkundgebung Schmähreden gegen den Kardinal („Innitzer und Jud, eine Brut“). Da Friedenszeit war und bald auch viele ausländische Medien darüber berichteten, waren schlimmere Reaktionen dann aber ausgeblieben.

So, wie die Gebete der Rosenkranz-Bruderschaften nach der Überzeugung vieler wesentlichen Anteil am Sieg in Lepanto hatten, so war schließlich 1955 die Überzeugung groß, dass der Rosenkranz-Sühnekreuzzug von P. Petrus Pavlicek für Österreichs Weg zur Freiheit große Bedeutung hatte. Pavlicek, dessen Lebensgeschichte schon für sich interessant genug ist, konnte bis zu einer halben Million Österreicher für das gemeinsame Gebet mobilisieren, darunter auch Leopold Figl und Julius Raab. Zwar begehen die Beter des Rosenkranz-Sühnekreuzzugs das Maria-Namen-Fest, nicht das Fest unserer Lieben Frau vom Rosenkranz in besonderer Weise. Doch die innere Verbindung ist offensichtlich.

Von der Geschwisterlichkeit

Oft wird heute in Kirchendiskussionen das Schlagwort einer „geschwisterlichen Kirche“ bemüht; besonders dann, wenn es um die Organisation der Kirche oder gegen die Moraltheologie geht. Was mich an diesem Wort immer irritiert hat, war, dass es im Alltag eigentlich nicht vorkommt. Es bedeutet auch eigentlich nichts.

Über Kulturen und Generationen hinweg wurde davon gesprochen, dass Menschen sich wie Brüder zueinander verhalten sollen. Gemeint war: Untereinander herzlich, unterstützend, so verbunden, dass Rang und Stand sie nicht trennen können. So, wie es durch Jahrhunderte hindurch in Familien notwendig war, einfach, um zu überleben. Die Brüder werden dabei aus drei Gründen genannt: Zum einen in generischer Weise, da es im Deutschen lange gar kein eigenes Wort für „Schwestern und Brüder“ gab; zum anderen, weil in vielen Kulturen die Schwestern den Familienverband durch Hochzeit verlassen. Die vorbildhafte Eintracht war daher unter den Brüdern leichter zu finden. (Das Gegenbeispiel ist mit Kain und Abel aber bereits urbiblisch.) Zum dritten, weil Brüder und Schwestern wiederum durch die jeweiligen Bündel von Rechten und Pflichten unterschieden waren, die dem Ausdruck der Gleichheit zuwiderliefen.

Heutzutage sind Rechte und Pflichte der Schwestern und Brüder gleich; man wird freilich konzedieren müssen, dass sich Brüder und Schwestern deswegen nicht gleich verhalten. Geschwister müssen bei uns aber auch nicht mehr zusammenhalten, damit sie durchs Leben kommen. In zerfallenden Familien, bei einem immer größeren Anteil von Einzelkindern beschreibt „Geschwisterlichkeit“ kein besonderes Ideal, erst recht keine Realität, sondern ist mehr oder weniger eine „Kirchensprech“-Phrase. Außerhalb der Kirche habe ich den Begriff auch noch selten gehört.

Was ist also eine „geschwisterliche Kirche“? Eine Gemeinschaft von Experten des kircheninternen Selbstdiskurses?