Geburten: Wenn die Statistik nicht alles weiß

Im Standard findet sich ein interessanter, wenn auch inhaltlich tendenziöser Bericht zur Geburtenentwicklung in Österreich. Nach statistischen Auswertungen wurden 2015 41.783 Kinder (49,5%) von katholischen Müttern geboren, 2.595 (3,1%) von evangelischen, 119 (0,14%) von jüdischen und 10.760 (12,8%) von muslimischen Müttern. Daraus ließen sich schon deutliche Bevölkerungstendenzen ableiten, die je nach Sichtweise nicht unbedingt erfreulich sein müssen.

Der Artikel will aber etwas anderes herausarbeiten: Dass allgemein die Bedeutung der Religion abnehme und konfessionslose Mütter eine immer größere Rolle spielten, denn immerhin sei deren Anteil in den letzten Jahren sprungartig gewachsen.

Nun ist anzunehmen, dass der Trend — Säkularisierung der früheren Christen, deutliche Zunahme des moslemischen Bevölkerungsanteils — korrekt ist. Die sprunghaften Anstiege „konfessionsloser“ Mütter der letzten Jahre haben aber auch sehr viel damit zu tun, dass das Religionsbekenntnis der Mütter offenbar immer seltener korrekt angegeben wird. So waren beispielsweise die katholischen Taufen bis 2010 stark rückläufig, sind seit damals aber stabil (2010: 48.781, 2015: 48.587). Dabei gibt es einen Trend zur späteren Taufe: Laut katholischer Kirchenstatistik 2015 wurden 43.174 Kinder vor dem ersten Geburtstag getauft, 2010 waren es noch 43.973.

Bei aller Unschärfe kann man davon ausgehen, dass da eine Diskrepanz von mehreren tausend Kindern zwischen der Krankenhausstatistik und der faktischen Religionszugehörigkeit allein bei den Katholiken vorliegt, die 2014 und 2015 besonders deutlich gestiegen ist. Es wäre interessant, ob es da eine Änderung in der Erfassung gegeben hat, oder einfach mehr Menschen der Meinung sind, es geht den Staat eben nichts an, welche Konfession man hat.

Steuern: Baldrian statt Selbstanzeige?

Zur Debatte über Selbstanzeigen im Steuerrecht wollte ich schon länger einen großen Eintrag schreiben. Ganz besonders hat es mich nach einem kurzen Tweet-Austausch gejuckt, in dem ich gefragt habe: „Will man Geld hereinbekommen oder moralische Entrüstung befriedigen?“

Die Arbeit hat mir Le Penseur abgenommen, der vor einigen Tagen pointiert und scharf über die unheilige Einfalt der Verfechter von Strafen bei steuerlichen Selbstanzeigen geschrieben hat.

Es liegt ja auf der Hand: Es werden wesentlich mehr Steuervergehen selbst angezeigt, als die Finanzverwaltung jemals hieb- und stichfest beweisen hätte können. Wenn diese Selbstanzeigen aber trotzdem zu — je nach Vorschlag erheblichen — Strafen führen, dann werden nervöse Steuerpflichtige vor einer Betriebsprüfung nicht zur Selbstanzeige greifen, sondern lieber zu Baldrian.

Reinhart, Rogoff und HAP: Was bleibt übrig?

Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff können auf ein großes Oeuvre als Ökonomen auf dem Gebiet von Finanzkrisen, Politischer Ökonomie, Zahlungsbilanzprobleme und verwandter Themen. Gemeinsam haben sie für ihr Buch „This Times Is Different“ (deutsch: „Dieses Mal ist alles anders“) umfangreiche Daten über Finanzkrisen der letzten achthundert Jahre gesammelt und auch publiziert. Ihre Arbeit wurde geschätzt, ihr Buch war erfolgreich.

Doch dann haben sie aus selbst kompilierten Daten auch eine Studie über den Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Wirtschaftswachstum publiziert. Erst nur ein paar Seiten, wie nebenher in den American Economic Review eingestreut, dann eine umfangreichere Publikation im gleichen Journal, 2012 schließlich eine ausführliche Darstellung gemeinsam mit Vincent Reinhart im Journal of Economic Perspectives.

Dabei stellen sie bekanntlich fest, daß ab einer Staatsverschuldung von über 90% des Bruttoinlandsprodukts die Wachstumsdynamik eines Landes abnimmt. Ebenso bekanntlich wurde dieses Ergebnis von Herndon, Ash und Pollin in einem Working Paper kritisiert. Unter der Überschrift, es sei ein bloßer Excel-Fehler gewesen, fand diese Kritik auch ihren Weg in die Massenmedien. Und wurde dabei ordentlich verzerrt, was wohl auch daran liegt, daß die Frage der Staatsverschuldung politisch hochbrisant ist.

So ändert der vielzitierte „Excel-Fehler“ am Gesamtergebnis nichts, am Zahlenergebnis nur wenig, und ist entsprechend ein untergeordneter Kritikpunkt von Herndon, Ash und Pollin. Entscheidend sind für sie drei andere Punkte: (1) Im ursprünglichen Paper (nicht aber in Folgepublikationen von Reinhart und Rogoff) seien Lücken im Datenbestand vorhanden, deren Auffüllung das Ergebnis geändert hätte. (2) Die Methode, mit der die einzelnen Länder gewichtet wurden, hätten sie nicht gewählt. (3) Das Paper sei zur Rechtfertigung von Austeritätspolitik herangezogen worden, Kritik daran müsse also zwangsläufig zu einer Neubewertung der Austerität führen.

Fehler können passieren. In Fachzeitschriften finden sich öfter Korrekturen – und leider noch mehr Artikel, bei denen auf eine Korrektur vergessen wird. Greg Mankiw schlägt in dieselbe Kerbe, wenn er darauf hinweist, daß Fehler zwar unangenehm sind, aber nicht unehrenhaft: Das Finden und Korrigieren von Fehlern gehört zur wissenschaftlichen Praxis. Entsprechend diesem Grundsatz haben ja auch Reinhart und Rogoff ihre Unterlagen Herndon, Ash und Pollin zur Verfügung gestellt.

Reinhart und Rogoff haben eine längere Antwort auf die Kritik verfaßt, in der sie darauf hinweisen, daß selbst die Berechnung von Herndon, Ash und Pollin (HAP) niedrigere Wachstumsraten bei hoher Staatsverschuldung aufweist. Wie ähnlich das Mittelwert-Ergebnis trotz unterschiedlicher Kalkulation ist, kann man hier bei Cyconomics graphisch gut erkennen. Leider haben zwar Reinhart und Rogoff, nicht aber Herndon, Ash und Pollin den Median ausgerechnet, der hier wohl aussagekräftiger als ein arithmetischer Mittelwert ist, der durch besondere Depressionen und Aufholphasen verzerrt werden könnte. So weist Österreich 1948/49 ein extrem hohes Realwachstum aus – was übrigens HAP für einen Datenfehler halten, Kenner der österreichischen Geschichte aber wohl eher als Ausdruck des Wiederaufbaus erkennen. Interessanterweise sind die Medianwerte von Reinhart und Rogoff und die Mittelwerte bei HAP jedenfalls sehr ähnlich. Die Grundaussage bleibt damit bestehen.

Die methodische Frage der Gewichtung ist die wissenschaftlich wichtigste, aber wohl auch diejenige, die kaum mediale Aufmerksamkeit bekommen würde. Reinhart und Rogoff gruppieren die Wachstumsdaten nach jeweiligem Grad der Staatsverschuldung, berechnen dann einen Durchschnitt für die Jahres eines Landes in einer Verschuldungskohorte, und dann einen neuen Durchschnitt über alle Länder. HAP plädieren dafür, jedes Land mit all seinen Jahren als getrennte Beobachtungen eingehen zu lassen. Gegen beide Methoden gibt es gewichtige Einwände, beide Methoden haben auch Vorzüge. Am Gesamtergebnis – niedrigeres Wachstum bei sehr hoher Staatsverschuldung – ändert das nichts.

Was bleibt in Wahrheit übrig? Das eine akademische Debatte sensationslüstern aufgebauscht wurde, und dabei die Reputation beteiligter Personen schwer beschädigt wurde, weil es politisch gepaßt hat.

Das Landgericht Köln und die Elternrechte

Das Urteil des Landgericht Köln zu Beschneidungen „nicht einwilligungsfähiger Jungen aus rein religiösen Gründen“, wie es im Pressetext des Gerichts heißt, hat zu recht viel Staub aufgewirbelt. Verschiedene Grundrechte stehen immer wieder in einem Konflikt zu einander, und es sagt viel über eine Rechtsordnung aus, wie sie diese Konflikte löst. Im vorliegenden Fall hat das Landgericht als zweite Instanz im Gegensatz zur ersten Instanz einen Vorrang eines Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit gegenüber Religionsfreiheit und den Rechten der Eltern gesehen.

Was die Zurückdrängung der Religionsfreiheit betrifft, verweise ich auf Josef Bordat, der auch darauf eingeht, wie absurd die Forderung ist, man müsse das Kind selbst entscheiden lassen. Es ist das Wesen der Eltern-Kind-Beziehung in allen ihren Facetten, dass Eltern ihre Kinder beeinflussen und ihnen das auf den Lebensweg mitgeben, was sie für richtig, wichtig und gut halten.

Und das bringt mich zu einem anderen Punkt, der hier ausgerechnet im „Standard“ beleuchtet wird: Es geht um nichts weniger als die Frage, wieweit Eltern überhaupt Rechte zur Gestaltung des Lebens des Kindes haben, das ohne seine Eltern nicht auf der Welt wäre, oder ob diese Rechte bei Dritten liegen, nota bene denjenigen, die staatliche Macht für sich beanspruchen können. Redakteurin Petra Stuiber bringt andere Beispiele, wie die Anordnung von Operationen, die nicht überlebensnotwendig sind, das Stechen von Löchen für Ohrringe und mehr. Das Landgericht Köln ist der Meinung, daß im Zweifel das Gericht eine umfassende Deutungshoheit darüber hat, was dem Wohle dem Kindes dient, daß also im Zweifel jedenfalls der Vertreter der Staatsmacht in der Familie strafbewehrt entscheidet.

Die Entscheidung der Richter, die ja in Anwendung und Interpretation der Gesetze handeln, erfolgte nicht im leeren Raum. Die Verstaatlichung des Familienlebens schreitet schon länger munter voran, begleitet von einem Drang der Eliten, allen Familien ein gewisses Lebenskonzept überzustülpen, und es als staatlich zu beseitigendes Versagen zu sehen, wenn sie dieses Lebenskonzept nicht teilen. Da wird dann von Unterschichtfamilien geredet, denen man pauschal kein Geld geben dürfe, sondern durch Sachleistungen eine staatlich geregelte Erziehung sicher stellen solle. Da wird dann geklagt, wenn in Jugendwertestudien ganz etwas anderes rauskommt, als verordnet. Und die messerscharfe Schlußfolgerung gezogen, daß es eben mehr staatliche Eingriffe in die Lebenswelt der Familien geben müsse, damit sie die richtige Einstellung haben. Viele, die sich aus kurzsichtigen Gründen freuen, weil es gegen eine ihnen nicht genehme Religion geht, oder weil es überhaupt gegen Religion im allgemeinen geht, merken gar nicht, daß es eigentlich um die Freiheit der Familie an sich geht, und die Frage, wieweit sich die Staatsmacht in das Leben der Menschen einmischen darf. Die Antwort scheint zu sein: Grenzenlos weit.

Azawad: Ein neuer Staat entsteht

Offenbar wird in Afrika gerade ein neuer Staat geboren: In Mali haben sich die islamistischen Krieger von Ansar al Din, übersetzt die „Verteidiger des Glaubens“,  und die Tuareg des Mouvement national de libération de L’Azawad (MNLA) zur Nationalarmee von Azawad zusammengeschlossen, um im Norden des Landes eine neue Entität namens Azawad zu schaffen, möglicherweise mit dem sagenumwobenen Timbuktu als Hauptstadt.

Ohne den von Strategen klug durchdachten und geplanten Krieg in Libyen wäre diese Machtstellung in Nordmali gar nicht möglich gewesen. Die Islamisten haben sich mit schweren Waffen aus den libyischen Arsenalen aufgerüstet; und die Bewegung MNLA soll von Tuareg gegründet worden sein, die in der libyischen Armee gedient haben. Ihre Anfangserfolge führten zu einem Putsch in Mali, der wiederum den Vormarsch nur beschleunigte und die Armee Malis neutralisierte, da sie vor allem mit der Absicherung der Macht der Putschisten in der Hauptstadt Bamako beschäftigt ist.

So erklärten die Tuareg am 6. April die Unabhängigkeit Azawads. Nach Kämpfen zwischen Islamisten und Tuareg, die regelmäßig von den Islamisten gewonnen worden waren, kam es nun zur Fusion der beiden. Der neue Staat soll „Islamische Republik Azawad“ heißen und strikt an der Scharia orientiert sein. Die westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion Ecowas will mit der Gruppe jedenfalls ins Gespräch kommen.

Wirtschaftspolitik à la Venezuela

Manche lernen es nie. Da haben Preiskontrollen schon seit der Antike ihr Ziel verfehlt und nur zu Unterversorgung geführt. Und doch will die venezolanische Regierung die Inflation durch staatlich festgelegte Preise in den Griff bekommen. Bisher war dieses Projekt erwartungsgemäß ein Fehlschlag. Deswegen wird es nun sogar auf Windeln und Wasserflaschen ausgedehnt, wie die Associated Press berichtet.

Naja: So wird wenigstens der Schattenwirtschaft ein kräftiger Impuls gegeben, die in Venezuela wohl ohnehin besser funktioniert als die offizielle. Güter, die zum offiziellen Preis nicht in ausreichender Menge angeboten werden können, sind dann teurer, aber dafür zumindest wirklich zu haben. Und die offizielle Inflationsstatistik fällt niedriger aus, weil sie die Schattenwirtschaft nicht abbildet. Wenn sie das alles so als bloße statistische Übung beabsichtigt haben, Hut ab. Ich glaub’s nur nicht.

Heuschreckenkapitalismus, Marke Uganda

Bei uns ist „Heuschreckenkapitalismus“ ein Kampfbegriff, der bestimmte Menschen dämonisieren soll. In Uganda sind dagegen Heuschrecken ein ein positiv besetzter Begriff im Wirtschaftsleben, stellen doch die gebratene Insekten in dem afrikanischen Land eine begehrte Delikatesse dar – und zwar aus gutem Grund: Sie bereichern die Nahrung um wertvolle Eiweiße, und werden als herzhaft-knackiger Snack genossen. Zuviele Heuschrecken wären außerdem eine Plage für die Landwirtschaft, so daß mit dem Fangen der Tiere durchaus zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

Das größte Problem der Heuschreckenfänger ist Staatsversagen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Das Land hat jahrelang nichts in Stromerzeugung und -verteilung investiert, sodaß das Land zur Überbrückung von Versorgungsengpässen auf Dieselgeneratoren zurückgreifen muß. Durch die hohen Treibstoffpreise kann die Regierung aber den Betrieb der Generatoren nicht durchgehend finanzieren. Es kommt oft zu Stromausfällen, was sowohl die Wirtschaft allgemein trifft, und damit die Einkommen der Menschen im Land, und die Heuschreckenfänger im besonderen, die mit strombetriebenen Lichtfallen arbeiten. Denen drohen trotz gestiegener Heuschreckenpreise also massive Einkommensverluste. In einem Land wie Uganda ist das durchaus existenzbedrohend.

Nun wurden in den letzten Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit große Infrastrukturprojekte gemieden. Einerseits wegen schlechter Ergebnisse von Projekten, die mehr aus Prestige verfolgt wurden, andererseits, weil man lieber kleine, lokale Initiativen fördern wollte, um einem „bottom-up“ als „top-down“-Prozeß zu verfolgen. Aber Geschichten wie jene aus Uganda zeigen, wie wichtig Infrastrukturprojekte sind: Schlechte Infrastruktur ist ein Flaschenhals, der den Wohlstand aller betroffenen Menschen zurückhält.

(über Marginal Revolution)

Rembrandt hatte ja auch keine Behördenstelle

In den Niederlanden wird der Kunst- und Kulturetat des Zentralstaates radikal gekürzt, wie die FAZ berichtet,, wobei der Staat Exzellenz-Projekte weiter fördern möchte, aber, so heißt es im Artikel:

Es sei, so der Premier [Mark Rutte], nicht unbedingt Aufgabe des Staates, selbst Kultur zu produzieren. Wenn eine Region an friesischem Theater, an abstrakter Malerei oder, beispielsweise, an der Oper in Maastricht hängt, so Zijlstra, möge eine solche „sympathische Idee“ doch gern von den dortigen Autoritäten oder Sponsoren finanziert werden.

Für die Kultursubvention gilt ab sofort dasselbe offizielle Diktum wie für andere Sozialgießkannen: Wer einmal davon versorgt werde, bleibe dauerhaft abhängig, werde immobil und de facto von der produktiven Gesellschaft ausgeschlossen. Rembrandt, so war in der Debatte zu hören, hatte ja auch keine Behördenstelle.

Auf den ersten Blick ruft das bei mir eine Abwehrreaktion hervor, bei längerem Nachdenken ist es aber nicht mehr so einfach. Tatsächlich gibt es ja in Österreich einen dicken Filz von Personen, die einerseits ihre Bedeutung aus der Verteilung von Kultursubventionen gewinnen und andererseits es sich in diesem Subventionsgespinst gut eingerichtet haben. Und außerdem: Warum soll der Staat per Subvention entscheiden, was Kunst ist? Und warum soll sich Kunst eigentlich in die dauernde Abhängigkeit des Staates, d.h. der dortigen Entscheidungsträger begeben? Entsteht nicht spannendere Kunst abseits staatlicher Futtertröge und der dabei manifesten Abhängigkeiten? Ich bin am Grübeln.

Wachstum trotz oder wegen Schulden?

Ich hätte auch die Überschrift wählen können: „Sparen oder Nicht-Sparen: Folge 7393“. Denn die Debatte ist im Grunde die gleiche: Belastet die staatliche Verschuldung das Wirtschaftswachstum, oder ist sie im Gegenteil das Schmiermittel, das den Wohlstand gerade in Krisenzeiten sichert.

Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart (siehe meinen früheren Blogeintrag) haben dazu im American Economic Review einen spannenden Artikel mit dem Titel „Growth in a Time of Debt“ (hier eine freizugängliche Vorversion) veröffentlicht: Sie haben für 44 Länder über 200 Jahre hinweg die Beziehung von Verschuldung und Wachstum untersucht, und sind dabei zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: Weiterlesen

Der Kunst ihre Freiheit

Ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Beitrag über den mangelnden Mut in der Kunst: Ein wesentlicher Faktor für den mangelnden Mut in der Kunst ist natürlich, dass sie heute wieder im wesentlichen Staatskunst ist. Nicht im Sinn der Repräsentation des Staates, aber im Sinn der Abhängigkeit von Kulturpolitikern, die gönnerhaft Mittel verteilen. Andreas Unterberger schreibt dazu im Zusammenhang mit dem Skandal um die Salzburger Osterfestspiele heute:

Von dieser Konsequenz [dass sich der Staat aus der Kunstförderung zurückziehen sollte] bin ich absolut überzeugt, seit ich vor Jahren eine Ausstellung aus den Beständen der staatlichen Kunst-Ankäufe während der letzten Jahrzehnte gesehen habe. Außer in winterlichen Eissalons habe ich noch nie so viel künstlerisches Mittelmaß und so viel als Kunst getarnte Langweile an einem Ort gesehen.

Ich bin überzeugt, dass es Bereiche gibt, in denen staatliche Kunstförderung großen Sinn hat, etwa in der Ausbildung, Nachwuchsförderung, oder für ständige Einrichtungen wie Theater oder Museen. Der Staat soll nicht kunstlos sein. Aber die oft recht willkürliche Förderpolitik schafft natürlich Abhängigkeiten, Willfährigkeiten, vorauseilenden Gehorsam. Deswegen sind all diese „Projektförderungen“ und freihändigen Vergaben so problematisch, all diese „Sondertöpfe“, die es in Bund, Ländern und Gemeinden gibt. Sie schaffen wenig Kunst, aber viel Filz. Den braucht man manchmal, aber nicht, wenn’s um Steuergeld geht. Deswegen: Der Kunst ihre Freiheit.