USA: Gebundene Bücher überholen E-Books

Ein gebundenes BuchAls ich zu bloggen begonnen habe, waren E-Books gerade die Zukunft des Lesens. Jetzt sind sie ein Teil der Gegenwart des Lesens, doch das gedruckte Buch hat sich allen Unkenrufen zum Trotz gut gehalten.

In den USA, quasi dem Mutterland des elektronischen Buches, waren 2016 die Verkäufe gebundener Bücher erstmals seit 2012 wieder höher als diejenigen an E-Books. Hardcover-Verkäufe legten um 5% auf 188 Millionen zu, während E-Book-Verkäufe um 16% auf unter 180 Millionen zurückgingen. Das berichtet Publisher’s Weekly.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist ein Buch grundsätzlich ein gutes Produkt: Sofort einsatzbereit, haptisch, lagerfähig, stromlos. Allerdings kann es schwer sein.

E-Books-Käufer schwören aber, soweit man weiß, weniger auf das Gewicht, sondern vor allem auf den niedrigeren Preis bei E-Books. Das ist in Deutschland und Österreich wegen der Buchpreisbindung ohnehin kein Thema. In den USA waren E-Books dagegen deutlich günstiger als gedruckte Bücher, was ja auch angesichts deutlich niedrigerer Produktionskosten logisch erscheint.

Doch Amazon hat mittlerweile den Großteil des US-E-Book-Marktes in der Hand und nutzt seine Stellung für entsprechende Preise. Der Preisunterschied ist also deutlich zurückgegangen, insbesondere gegenüber Taschenbüchern, die dank der Fortschritte in Gestaltungs- und Produktionstechnik ebenfalls günstiger herzustellen sind als noch vor einigen Jahren.

Es können allerdings viele Buch- und E-Book-Verkäufe von den Marktforschern gar nicht mitgezählt werden, nämlich die vielen im „Eigenverlag“ über Amazon und andere Quellen vertriebenen Werke. Die Zahlen sind mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Trotzdem kann man schon sagen, dass das E-Book eine Ergänzung der Medienkanäle gebracht hat, aber offenbar (noch?) weit davon entfernt ist, das Buch vollständig zu ersetzen.

Außen heiß, innen Eis – Die Physik des Mikrowellenherds

Wenn es einmal schnell gehen muss, ist der Mikrowellenherd schwer zu ersetzen. Nein, Milch dampfgaren ist keine Alternative.

Aber wie funktionert das Erwärmen genau? Warum ist der tiefgekühlte Reisauflauf von letzter Wochen innen nach einer Minute eiskalt und außen brennend heiß? Das schildert Ethan Siegel auf medium.com an Hand einer amerikanischen Pizzateigtasche so anschaulich, dass ich (1) glaube es verstanden zu haben und (2) gleichzeitig dabei einen ordentlichen Hunger bekommen habe. Mahlzeit!

WK I: Bilder aus dem Krieg der Technik

Ernst Jünger hat seine Aufarbeitung des Ersten Weltkriegs mit gutem Grund „In Stahlgewittern“ genannt. In diesem Großen Krieg brachen Tod und Zerstörung vielfach gesichtslos über die Menschen herein. Wie ein Unwetter brachen Granaten und Maschinengewehrfeuer, Giftgas und die ersten Panzer über die Soldaten ein.

Der Erste Weltkrieg war im Vergleich zu den vorangegangenen Konflikten hochtechnisiert, brachte den Einsatz von Kampffliegern, Eisenbahngeschützen, Panzern, Baggern, Feldtelephonen etc. Ein wenig davon zeigt eine Bilderserie im amerikanischen Magazin „The Atlantic“. Faszinierend z.B. die deutsche Funkstation, die mit einem Fahrrad zur Stormerzeugung betrieben wird. Der Schwerpunkt der Bilder liegt verständlicherweise auf der Westfront, an der ja auch US-Soldaten im Einsatz waren. Daher finden sich nur zwei Bilder mit Österreich-Bezug: Einmal ein gepanzerter Zug in Galizien (siehe Abbildung), einmal eine riesige italienische Haubitze, die nach dem Durchbruch der österreich-ungarischen Truppen in der zwölften Isonzoschlacht (Schlacht von Karfreit) im November 1917 erbeutet wurde.

Auf den Bildern begegnen einem immer wieder die Leichen gefallener Soldaten; und bei den Lebenden überkommt einen der beklemmende Gedanke, wie viele von ihnen später im Krieg ums Leben gekommen waren.

Auf der Sammlung europeana1914-1918.eu findet man übrigens noch viele weitere Bilder und Dokumente aus dem Ersten Weltkrieg, viele davon aus den Archiven der Nationalbibliotheken, die am Projekt beteiligt sind.

Drei Links zur Whatsapp-Übernahme durch Facebook

Die Übernahme des populären Chat-Programmes Whatsapp durch Facebook ist für viele Whatsapp-User wohl ein Schock. Dort der Social-Network-Gigant, der vor allem von der Verwertung von Benutzerdaten lebt, dort ein Programm mit der strikten Regel „Keine Werbung. Keine Spiele. Keine Spielereien.“, das für einen niedrigen Jahresbetrag ungestörte Kommunikation verspricht. Drei Links dazu:

Einer der Investoren in Whatsapp, Sequoia Capital, erklärt den Wert von Whatsapp aus seiner Sicht. Ein Wert, den Facebook immerhin in 4 Mrd. US$ in bar, Facebook-Aktien im Wert von 12 Mrd. US$ und weiteren 3 Mrd. US$ für die Whatsapp-Mitarbeiter bemisst.

Beim US-Branchenmedium Re/code analysiert Kara Swisher, dass das der Preis Facebooks dafür sei, um im mobilen Geschäft relevant zu sein. Facebook wolle so etwas ähnliches werden wie Disney im Medienbereich: Die Programme zur Verfügung stellen, die von den mobilen Anwendern gewünscht würden, um im mobilen Bereich relevant zu bleiben — auch, wenn Facebook selbst an Bedeutung verlieren sollte.

Wird das Thema Sicherheit und Vertrauen den Erfolgslauf von WhatsApp nun bremsen? Eher nicht, glaubt Gerhard Reischl bei der Futurezone. Auch andere Dienste würden trotz schwerer Sicherheitsbedenken und Servern im direkten NSA-Zugriff florieren, die User das Problem ignorieren.

Aus den Kommentaren: Ein QWERTZ-Handy in „Eigenregie“

Die Idee, dass das Handy wie ein Mini-Notebook in der Hosentasche funktionieren könnte, mit vollständiger Tastatur, ist in den letzten Jahren einen sanften Tod gestorben, über den ich schon öfter in diesem Blog lamentiert habe. Christian Wiesner, der für die Markteinführung eines Android-Smartphones mit vollständiger QWERTZ-Tastatur auch eine Petition intiiert hat, hat dazu in einem Kommentar eine spannende Information, die ich gerne breiter weitergeben will:

Ich nutze nun seit knapp 2 Monaten ein umgebautes MOTOROLA Photon Q (sogenannter SIM card mod, vom Entwickler des Umbaus persönlich durchgeführt, Tomas Prochazka aus Prag = CornholioGSM). Zunächst hatte ich die Original-Software von SPRINT damit verwendet (Stock ROM), erst 4.0.4 und dann 4.1.2, bin jetzt aber wegen fortdauernder Probleme (Bluetooth-Abbrüche, kein mobiler Hotspot, etc) auf Cyanogenmod (CM11 = Android 4.4 ‘KitKat’) umgestiegen. Das Telefon hat auch QWERTZ statt QWERTY, das lässt sich sehr leicht ändern da die Tasten nur aufgeklebt sind.

Was soll ich sagen, obwohl mich alle meine Kollegen für verrückt erklärt haben, läuft das Gerät jetzt erstklassig, ich bin echt super zufrieden. Das Telefon macht alles was ich wollte, läuft flüssig und stabil, bucht sich schnell und zuverlässig in die verschiedensten Netze ein, speziell in alle CDMA-Netze wenn ich in China bin (der Umbau hat sich wohl über die Zeit verbessert). Ist zwar verrückt, dass man in Europa so einen Aufwand betreiben muss, um an einen leistungsfähigen Androiden mit Tastatur zu kommen, aber es funktioniert.

Als nächstes werde ich spaßeshalber mein altes SONY Xperia Pro auch mal mit CyanogenMod [Eine alternative Android-Distribution, die man selbst installieren kann.] ausstatten, mal sehen welchen Performance-Sprung man damit erreichen kann. Das Pro ist ja eigentlich ein tolles Handy, nur halt leider mit einem sehr schwachen Prozessor und wenig RAM ausgestattet. Letzteres kann man mit Link2SD und einer 2.Partition auf der SD-Karte relativ gut lösen (unter root), ersteres sollte sich durch CM deutlich verbessern lassen, allein weil ja schon die ganze unnütze Bloatware (Facebook, etc.) fehlt die SONY dummerweise fest auf das Telefon packt, und die sich auch nur unter root wieder entfernen lässt. CM scheint insgesamt weniger CPU zu nutzen als das Stock-ROM,das lässt hoffen.

Ich bin jetzt gespannt wann ein junger Unternehmer auf die Idee kommt sich etwas Geld zu organisieren, SPRINT auf einen Schlag 10.000 neue Motorola Photon Q zu einem günstigen Preis abkauft (die haben zu viele davon, da die Verkäufe in den USA unter den Erwartungen lagen), diese in Serie mit einem SIM-Kartenslot ausstattet, das aktuelle CM11 aufspielt und die Geräte hier in Europa professionell anbietet. Die beiden anderen Photon Q die ich umbauen ließ, habe ich über Ebay verkauft, sie brachten zusammen 840,- € ein, also im Schnitt 420,- € je Telefon, und das für ein gebrauchtes Gerät ohne Garantie !!

Dennoch würde ich für die Zukunft noch nicht aufgeben was das Tastatur-Handy betrifft. MOTOROLA wurde ja von Google geschluckt, und die wollen in Zukunft einige NEXUS-Geräte rausbringen. Mit dem Photon Q besteht eine Plattform die eigentlich nur mit einem aktuellen Prozessor und mehr Speicher ausgestattet werden muss, sonst ist das Telefon mit NFC und LTE auf der Höhe der Zeit. Es sollte ein leichtes für Google sein, auf dieser Basis ein Nexus mit Keyboard zu launchen, um Blackberry den Todesstoss zu geben.

Mehr Informationen zum Motorola Photon Q gibt es auf der Seite von Motorola, über den SIM card mod von Tomas Prochazka im Forum xda developers. Ich selbst habe diesen Mod nicht getestet und übernehme keinerlei Gewähr oder Haftung dafür, dass er irgendein brauchbares Ergebnis liefert.

Die hohen Preise für gebrauchte QWERTZ-Geräte – ein originalverpacktes Nokia N97 mini (Vorstellung: Herbst 2009) um 200 Euro, ein Sony Xperia Pro (Vorstellung: Frühling 2011) um ein wenig mehr – zeigen ja, dass es einen Bedarf nach solchen Smartphones gibt, wenn auch vielleicht nur für eine kleine Nische. Ob man mit Nischen Geld verdienen kann, werden die nächsten Monate des Jolla-Projekts ja zeigen. Vielleicht macht das auch anderen Mut.

Jan Vermeer und die Camera Obscura

Hat Jan Vermeer mit der Camera obscura gearbeitet oder nicht? War er auch ein Erfinder, oder war das alles künstlerische Gabe?

Vom niederländischen Maler Jan Vermeer (* 1632 † 1675) ist nur ein Oeuvre von 37 Werken erhalten, die z.B. in der Wikipedia mit Bild aufgelistet sind. Doch einige davon, wie das Mädchen mit dem Perlohrring, sind weltberühmt.

Bei einigen Szenen, die der Maler komponiert hat, fällt eine Licht- und Schattenwirkung, ein Farbverlauf auf, wie er auch auf modernen Photographien zu sehen ist, aber nicht dem entspricht, was man mit freiem Auge sehen würde. Beim Landschaftsbild „Ansicht von Delft“ zeigt detailgetreue Dachkonstruktionen entfernter Häuser, die man mit freiem Auge so nicht gesehen hätte. Seit den 1890er Jahren wird darüber diskutiert, ob Vermeer Hilfsmittel wie die Camera obscura benutzt hat.

Dieses Hilfsinstrument besteht aus einem Kasten, der an einer Seite ein kleines Loch aufweist, in dem seit dem Mittelalter oft eine Linse montiert wird. Auf die Rückseite des Kastens wird nun das gebüdelte Licht geworfen, so dass ein Abbild dessen entsteht, was man durch das Loch sehen könnte. Mit einem Spiegel konnte man dieses Abbild nun zum Beispiel auf eine Leinwand projizieren, wo es zwar nur schwach, aber doch sichtbar war und somit als Hilfe für Skizzen dienen konnte. So benutzte z.B. im 18. Jahrhundert Canaletto bei seinen Veduten die Camera obscura für exakte Zeichnungen, die als Vorlage für das spätere Bild dienen würden.

Aber wurde diese Technik auf im 17. Jahrhundert schon angewandt? Wie Vanity Fair etwas effekthascherisch berichtet, hat nun der Texaner Tim Jenison eine solche Camera obscura mit Spiegel in einer Weise nachgebaut, wie sie technisch zur Zeit Vermeers möglich gewesen wäre. Und zu Testzwecken hat er einen Raum mit großem Aufwand etwa so hergerichtet, wie er in Vermeers „Musikstunde“ dargestellt wird. Danach wollte er testen, ob er mit Hilfe der Camera ein Bild mit ähnlichen Qualitäten in Licht und Farbe — nicht von der künstlerischen Qualität her – zustandebringen würde. Die entsprechenden Bilder kann man bei Vanity Fair sehen. Man muss zugeben: Dafür, dass Jenison kein Maler ist, hat er mit Hilfe des Apparats ein passables Ergebnis geliefert. Keinen Beweis, aber einen starken Hinweis, dass Vermeer sich solcher Hilfsmittel bedient haben könnte.

Der Widerstand gegen die bloße Idee, dass Vermeer und andere Maler technische Hilfsmittel erfunden und benutzt haben, liegt wohl in einer Art von Übermenschen-Sicht, wie seit dem 19. Jahrhundert in der Kunstwelt Platz greift, und die technische Hilfe quasi als unfairen Trick ansieht. Eine Sicht der Dinge, die dem 17. Jahrhundert völlig fremd war: Damals waren Maler selbstverständlich Handwerker, bei denen man etwas bestellt hat und die dann mit ihrem Werkzeug und Können diese Bestellung zu erfüllen versuchten. Und nebenbei wissen wir etwa von Leonardo da Vinci, dass er z.B. ständig nach technischen Verbesserungen für die Malkunst geforscht hat, z.T. mit deaströsen Folgen für das Kunstwerk, wie die Episode rund um Leonardos Gemälde der Anghiarischlacht zeigt. Und sein Interesse an Neuerungen war, wie die technischen Fortschritte in der Malerei der Renaissance und des Barock zeigen, kein Einzelfall.

Wenn Vermeer also keine abnormen Augen gehabt hat, so spricht vieles dafür, dass er mit Spiegel und Camera bewaffnet gearbeitet hat, um noch glaubwürdigere Eindrücke erzeugen zu können.

Jan Vermeer: Der Soldat und das lächelnde Mädchen

Jan Vermeer: Der Soldat und das lächelnde Mädchen

Das QWERTZ-Handy: Ein Marketingproblem?

Wie Stammleser meines Blogs schon wissen, bin ich ein treuer Anhänger des Handys mit vollständiger Tastatur, über die ich in diversen Einträgen schon geschrieben habe. Doch der Markt ist praktisch leergeräumt: Es gibt, abgesehen vom Blackberry Q10 und Q5, nicht einmal mehr Mittelklasse-Smartphones mit QWERTZ-Tastatur. Woran liegt das? Dem ist Sean Hollister von „The Verge“ nachgegangen. Er ist selbst begeisterter Nutzer eines Smartphones mit ausschiebbarer Tastatur, das er als Mini-Laptop benutzt. Doch sein Handy zeigt deutliche Zeichen von Altersschwäche; Ersatz gibt es kaum.

Also befragt er Netzbetreiber und Hersteller, warum das so ist. Ein spannender Artikel, der auch einiges über die Dynamik des Markts verrät. Es liegt nämlich kaum an konkreten Konsumentenentscheidungen, mit der Ausnahme, dass die Wahl des Betriebssystems de facto bei den meisten Kunden höhere Priorität als die Tastatur genießt. Vielmehr ist es eine Marketingentscheidung: Konzentration auf ein Flaggschiff; alle anderen Modelle können dann als günstigere, abgespeckte Varianten zu diesem Gerät begriffen und beworben werden. Die Experten konzedieren aber: Würde ein Hersteller ein Flaggschiff-Gerät in einer Tastaturvariante herausbringen, würde es sich schon gut verkaufen.

Es ist aber momentan jedem zu riskant, diese Nische wieder zu besetzen: Samsung und Apple streichen den Löwenanteil der Gewinne ein, während die meisten anderen Hersteller in den roten Zahlen sind und daher ihre Ressourcen fokussieren müssen. Dass alle den gleichen Fokus wählen, ist dann ein anderes Problem.

(über OSNews)