Männer, Frauen und die Unistatistik

Die neuen Zahlen der Universitätsstatistik sind da. Und sie zeigen eines sehr schön: Die Zahl der Studienabsolventen hat in den letzten Jahren dank Bologna deutlich zugenommen. Wo früher nur ein Magister zu machen war, kann man ja jetzt Bachelor und Master absolvieren und wird in der Statistik doppelt gezählt.

So wurden für das Studienjahr 2012/2013 insgesamt 37.215 Abschlüsse gezählt, davon 29.086 Erstabschlüsse (d.h. entweder Bachelor oder, wo es das noch gibt, Magister) und 8.129 Zweitabschlüsse (Master, Doktorate). Im Studienjahr 2000/2001 waren es noch insgesamt 17.155 Abschlüsse — und die Studentenzahlen haben sich seither nicht verdoppelt.

Dabei fällt auf, dass mittlerweile 61,4% dieser Erstabschlüsse von Frauen getätigt werden, nur 38,6% von Männern. Folgt man der üblichen Geschlechteranalyse, so sind Männer an den Universitäten strukturell benachteiligt und hinken insgesamt im tertiären Bildungssektor nach. Männer holen allerdings bei den höheren Bildungabschlüssen — Master und Doktorat — etwas auf. Das gibt einen ersten Hinweis auf die Ursachen.

Der ausführlichere Bericht für das Studienjahr 2011/2012 zeigt die Schwerpunkte gut auf. Über 40% der weiblichen Absolventen kommen aus der ISCED-Gruppe Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, 20% aus dem Bereich Geisteswissenschaften und Künste, 15% Pädagogik. Bei den Männern dominieren ebenfalls mit knapp 40% die Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften; es folgen mit etwa 19% die Ingenieurwissenschaften, mit 15% Naturwissenschaften mit Mathematik und Informatik. Innerhalb der Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaft muss man aber differenzieren. Einen besonderen Frauenüberhang gibt es in Psychologie (ca. 80/20), Soziologie (70/30), Publizistik (80/20), Sozialwirtschaft (75/25), Kultur- und Sozialanthropologie (80/20). Den Spitzenplatz hat Angewandte Kulturwissenschaft inne (95/5).

Dass die Männer bei den Zweitabschlüssen aufholen liegt daran, dass bei diesen Naturwissenschaften und technische Fächer einen höheren Anteil haben, während in den Geisteswissenschaften bzw. den Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften ein deutlich geringerer Anteil der Studenten nach dem Grundstudium noch einen zweiten Abschluss drauflegt.

Die insgesamt niedrigere Studienrate bei Männern bleibt trotzdem untersuchenswert. Sie korreliert jedenfalls mit einem Männerüberhang im Berufsschulbereich. Das muss für die Betroffenen nicht zwangsläufig schlecht sein — ein Installateur verdient sicher mehr als ein Soziologe –, dazu müsste man sich aber die Berufswahl und Einkommensverläufe genauer anschauen.

Mehr Daten gibt es hier bei uni:data, der Statistikdatenbank des Wissenschaftsministeriums. Mehr über die ISCED-Klassifikation von Studien kann man bei der UNESCO nachlesen.

Gedanken zu den Morden in Oakland

Als es um die Morde in Toulouse ging, habe ich vom Einordnen des Nicht-Einordenbaren geschrieben. Zuschreibungen waren ja damals je nach politischer Einstellung schnell gefunden, die beim Rationalisieren helfen konnten. Mit den Morden im kalifornischen Oakland ist es anders. Ein ehemaliger Mitstudent, am zweiten Bildungsweg gescheitert, beendet das Leben seiner früheren Kollegen, plant kaltblütig ihre Ermordung für … ja, wofür eigentlich?

Welch ein Solipsimus, welche Ichbezogenheit muß in jemandem herrschen, für den der Wert des Lebens anderer, der Verlust und die Trauer, die er schafft, höchstens so viel wie seine abgebrochene Ausbildung wert sind? Und gleichzeitig auch: Welche Verzweiflung, Einsamkeit und Leere herrscht in so jemandem?

Die Untat am an der christlichen Oikos-CollegeUniversity in Oakland ist leider nicht allein. In den USA, aber auch in Europa gab es in den letzten Jahren Angriffe von Schülern oder Studenten auf ihre Kollegen und das Lehrpersonal, und jedesmal rief die Berichterstattung Trittbrettfahrer und Nachahmungstäter auf den Plan. Solche Taten sind allgemein schwer zu verhindern; im Einzelfall fällt jedem dazu etwas ein, doch selten ein Vorschlag, der zum allgemeinen Gesetz taugt. Daher will ich mich damit auch nicht lange aufhalten.

Was aber bei solchen Verbrechen offensichtlich wird, sind die Prioritäten vieler Menschen. Wozu man Lippen- oder Tastenbekenntnisse abgibt, muß man ja nicht wirklich glauben. Die Taten sprechen lauter als alles Reden über gegenseitigen Respekt. Und sie machen mir angst, weil auf einen, der sein Verbrechen ausführt, Dutzende kommen, die davon zumindest träumen.

Eines fällt mir dabei noch auf: Oft wird heute eben von Respekt gesprochen, auch von der Menschenwürde. Die Täter sehen sich oft gerade in ihrer Würde verletzt, beklagen wehleidig den mangelnden Respekt, der ihnen entgegengebracht wurde; sie halten sich oft für die eigentlichen Opfer. Das Lebensrecht, die Nächstenliebe, die Eigenverantwortung werden dagegen ausgeblendet. Wir sollten öfter von ihnen reden.

Antidiskriminierende Intoleranz in Wien

Das „Café Rosa“, das die Hochschülerschaft der Universität Wien mit bescheidenem Erfolg, aber umso größerem Einsatz von Pflichtbeiträgen der Studenten betrieben hat, sorgt momentan eher wegen odioser Rechtskonstruktionen der rot-grünen Exekutive für mediales Aufsehen. Immerhin wurden nach Medienberichten bis zu 500.000 Euro in das Projekt über einen Verein gebuttert, dessen Mitglied wiederum der Subventionsgeber selbst ist. Das Projekt des „antiheteronormativen, antiklerikalen, antidiskriminierenden“ Cafés ist mittlerweile offiziell ad acta gelegt.

Dabei sind die offiziellen Ziele des Cafés ein hochinteressantes Beispiel für die geradezu Orwell’sche verkehrte Welt, in der manche leben. So war die erste Stellenausschreibung für das „antidiskriminierende“ Café mit weltanschaulichen Vorgaben zugepflastert. Beispielsweise sollte jeder Mitarbeiter ausgewiesen antiklerikal sein, so die Vorgabe.

Auf Echo Romeo finden sich lesenswerte Überlegungen zu diesen Menschen, die nicht für Toleranz sind, sondern gegen Intoleranz, die durch aktive Diskriminierung antidiskriminierend sein wollen, und sich selbst durch Ausschließung Andersdenkender zur Speerspitze der Freiheit machen wollen. Der ÖCV bezeichnet in einer Presseaussendung das Café zurecht als „wohl diskrimierendstes Antidiskriminierungsprojekt“ der ÖH Wien. Wohl wahr. Sein Scheitern wird am engstirnigen Weltbild seiner Betreiber leider nichts ändern.

Die Ökonomie der Akademikersteuer

Der Vorsitzende der Kärntner Sozialdemokraten, Peter Kaiser, hat vorgeschlagen, daß ausgebildete Akademiker, deren Einkommen insgesamt 40.000 Euro übersteigt – bei Unselbständigen in Österreich ein Monatsgehalt von etwa 2860 Euro vor Steuern und Sozialversicherung – jährlich 240 Euro Akademikersteuer zahlen sollen. Wer nach dem Studium ins Ausland zieht, soll eine Abschlagszahlung leisten.

Diese Regelung hat einige interessante Facetten.

  1. Der genannte Betrag ist grundsätzlich nicht so hoch, daß er in der Fläche Verhaltensänderungen bewirken würde, aber hoch genug, daß er Entscheidungen beeinflussen kann. Der Betrag würde in der Praxis aber wohl auch bald erhöht werden.
  2. Der Anknüpfungspunkt der Steuer ist höchst problematisch. Wenn es darum geht, daß diejenigen Menschen, die eine staatlich finanzierte Ausbildung erhalten haben, bei wirtschaftlichem Erfolg zur Finanzierung dieser Ausbildung beitragen, so wird dies in vereinfachter Weise bereits getan – durch die hohe Besteuerung von Erwerbseinkommen.
  3. Jede Steuer, die jemand zahlen muss, kann man auch als Steuerbegünstigung derer auffassen, die sie nicht zahlen müssen. Anders gesagt: Wenn Akademiker ab einem gewissen Jahreseinkommen diese Steuer zahlen müssen, werden alle Nicht-Akademiker mit dem gleichen Jahreseinkommen steuerlich bevorzugt.
  4. Die Nutzung von Uni-Ressourcen wird zweifach beeinflußt: Studien, deren Absolventen grosso modo geringe Verdienstchancen haben, werden besser gestellt, während etwa die MINT-Fächer tendenziell schlechter gestellt werden. Da Studienabbrecher ebenfalls nicht zahlen sollen, wird das Probe-Studieren von Studienfächer mit geringeren Verdienstaussichten zusätzlich forciert, Stichwort „Publizistik“.
  5. Mobilität wird durch die Abschlagzahlung erschwert – jedenfalls psychologisch.
  6. Zwischen der Zahlung und dem Studium selbst besteht überhaupt keine Verbindung. Obwohl ein Student mit einer zukünftigen Belastung rechnen kann, steht er der Universität nicht als Kunde gegenüber, sondern eher als bloßer Bittsteller, der Systemressourcen verbraucht. Die Universität hat also keine wirtschaftlichen Anreize, die Studenten gut zu betreuen oder auch mehr Studenten zu betreuen. An der Betrachtung des Studenten als bloßen Kostenfaktor ändert sich nichts.