Amina und die Geschichten, die wir gerne glauben


In dieser Woche wurden gleich zwei medial erfolgreiche, homosexuelle Bloggerinnen als Männer geoutet, die jeweils deutlich älter als ihre fiktionale Persönlichkeit waren. Da ist einmal der 40jährige Tom McMaster, der sich als syrisches Mädchen ausgab – so erfolgreich, dass das Weiße Haus das angebliche Verschwinden der Figur durch Schergen Assads für aufklärungsbedürftig hielt. Und dann ist der 58jährige Bauarbeiter Bill Graber, der als Paula Brooks ein in den USA sehr beliebtes Blog betrieb.

Warum waren die beiden mit ihren falschen Identitäten so erfolgreich? Auf zurpolitik.com bringt es Kommentator „Dieter“ auf den Punkt:„Köstlicher Hoax. Perfekt auf die Zielgruppe zugeschnitten.“ Die Autoren schaffen Quellen, die von vielen gerne geglaubt werden.

Zu Amina, dem syrischen Mädchen, bemerkt Jonah Goldberg im „National Review“:

McMaster’s fake-but-accurate lesbian was perfectly pitched to Western liberals desperate to alleviate the pain of cognitive dissonance. No longer must you think too hard or make tough choices if you’re, say, anti-Israel and pro-democracy, or pro–gay rights and in favor of the self-determination of Muslim fanatics. Heck, you can even stop worrying and love a lesbian feminist who sees no big deal in wearing a religiously required sack over her head. With Amina, all contradictions are resolved — in favor of the incoherent biases of the anti-America and anti-Israel Left.

Das ist natürlich allgemein gefährlich: Wir glauben eben gerne Geschichten, die unsere Weltsicht stärken, und versuchen eher dort, Widersprüche zu finden, wo es für uns unangenehm wäre, wenn es stimmte. Wenn aber ausgerechnet Menschen, die für sich selbst immer gern das Beiwort „kritisch“ in Anspruch nehmen, diese Stories so unkritisch übernommen haben, weil sie ins Konzept gepasst haben, lässt mich das Böses für viele andere „Quellen“ ahnen.

PS: Passend ein Artikel in der Financial Times Deutschland darüber, wie „Lügen zum Sturz des Diktators Ben Ali“ geführt haben. Das Regime, selbst mit der Wahrheit nicht zimperlich, wurde nicht durch eine seiner realen Missetaten, sondern im Endeffekt durch eine erfundene Geschichte gestürzt.

Ein Gedanke zu “Amina und die Geschichten, die wir gerne glauben

  1. Pingback: "A Gay Girl in Damascus" revisited - zurPolitik.com - zurPolitik.com

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