Das Nokia-Handy kehrt zurück

Nokia 6 Werbeaufnahme © HMD

Nokia 6 Werbeaufnahme © HMD

Der Niedergang der Mobiltelephon-Sparte, der ihm Verkauf an Microsoft gipfelte, wird wohl nicht als ruhmreiches Kapitel in die Firmengeschichte Nokias eingehen. Doch das Unternehmen hat sich erfolgreich als Netzwerkspezialist quasi neuerfunden und mittlerweile den ehemaligen Rivalen Alcatel-Lucent geschluckt. Und so, wie Alcatel seinen Markennamen für Mobiltelephone an das chinesische TCL lizenziert hat, so hat auch Nokia dem finnischen Startup HMD einen Lizenzvertrag für Mobiltelephone abgeschlossen, der aber auch einiges mehr umfasst. Da HMD zu einem Gutteil aus ehemaligen Nokia-Mitarbeitern besteht, ist auch stilistisch eine gewisse Kontinuität zu erwarten.

Das erste Gerät, das Nokia 6, ist bereits in China am Markt. Ein solides Android-Mittelklassegerät mit gut auflösender Front- und Rückseiten-Kamera, 64 GB internem Speicher plus SD-Kartenplatz, normaler Kopfhörerbuchse und USB-To-Go, d.h. man könnte auch externe Festplatten und andere Peripheriegeräte am Handy anschließen.

Der Name zieht jedenfalls noch: Die erste Lieferung war in kürzester Zeit ausverkauft.

Nun kündigen sich für den Mobile World Congress Ende Februar in Barcelona weitere Neuigkeiten an; Das Nokia 6 kommt nach Europa, die kleineren Geschwister Nokia 3 und Nokia 5 sollen vorgestellt werden und zudem eine Hommage an das quasi unzerstörbare Nokiahandy 3310 das Licht der Welt erblicken, so der Vorbericht von venturebeat.

Blackberry Q20 angekündigt und andere Kurznachrichten

Meine alte Leidenschaft für Handys mit vollwertiger Tastatur wurde wiederum angefacht: Blackberrys neuer CEO John Chen hat das Blackberry Q20 angekündigt, ein Gerät im klassischen Blackberry-Format mit Trackpad und QWERTZ-Tastatur. Mit der Ankündigung sind die Preise für die QWERTZ-Modelle Q10 und Q5 im Handel zumindest in den einfachen schwarzen Fassungen z.T. drastisch gesunken. Das Blackberry OS 10 hat sehr gute Kritiken erhalten und bietet für App-Notfälle auch die Möglichkeit, Android-Anwendungen zu verwenden. Wer also zuschlagen will, der möge es jetzt tun.

Wenn wir schon bei Betriebssystemen abseits des Mainstreams sind: Firefox OS hat ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben: Unter dem Markennamen Alcatel werden nicht nur Einsteigerhandys, sondern auch ein besser ausgestattetes Mittelklassegerät und ein Tablet auf den Markt gebracht; ZTE hat ebenfalls zwei neue Firefox OS-Modelle vorgestellt. Günstige Geräte, die für die meisten Nutzer ausreichend sein sollten. Das hat jetzt mit Tastaturen nichts zu tun, weiß ich schon, aber mit Auswahl und Konkurrenz. Das schadet bekanntlich nie. Wer Firefox OS so einmal ausprobieren will, kann das übrigens mit einer Erweiterung des Firefox-Browsers am Computer tun.

Schließlich hat Joanna Stern im Wall Street Journal vier Tablets mit Tastaturerweiterungen als Laptopersatz für das Schreiben langer Texte getestet, mit unbefriedigendem Ergebnis. Sie liebt ihr iPad fürs Lesen, für Unterhaltung, wohl auch für das schnelle Beantworten von E-Mails. Wenn es um ihre Arbeit geht, braucht sie einfach eine Tastatur. Wer hätte damit gerechnet 😉

Infographik: Vier App-Stores im Vergleich

Moderne Mobiltelephone sind wirkliche Minicomputer, auf denen viele verschiedene Anwendungen laufen. Aus irgendeinem Grund heißen sie aber nicht Computer, sondern Smartphone, und die Anwendungen Apps. Eine interessante Infographik von Blogmost.com zeigt einige Fakten über die „App Stores“ von Apple, Google, Blackberry und Microsoft.

Auffällig: Die „kleinen“ App Stores — Blackberry und Windows Phone — machen verhältnismäßig viel Umsatz. Die Blackberry World erreicht mit viel weniger Nutzern 45% des Google Play Stores. Im Verhältnis zu den Umsätzen des Apple App Stores passt das Verhältnis dann schon eher. Hier zeigt sich wohl, dass Windows Phone und Blackberry OS eher von Menschen verwendet werden, die ihr Smartphone als Computer-Plattform nutzen. Gleiches gilt fürs iPhone, auf dem viele Menschen ihre wichtigsten Daten speichern und bearbeiten, von Passwörten bis zur Privatbuchhaltung, und natürlich Unterhaltung in der Form vieler Spiele genießen.

Bei Android gibt es einen höheren Anteil an Anwendern, die es vielfach nicht anders als die sogenannten „Feature Phones“ verwenden. Freilich gibt es mittlerweile auch viele alternative Android-App Stores, so dass die Statistik verfälscht ist, während die andere, geschlossene Plattformen eben nur den einen App Store zulassen.

Netterweise erlaubt blogmost.com das Verwenden ihrer Graphik auf anderen Seiten, daher hier das Bild:

LG Optimus F3Q: Ein Androide mit Tastatur

Ich hatte in Sachen QWERTZ-Handy schon ziemlich resigniert. Ja, der mögliche Umbau eines Motorola Photon Q, den Christian Wiesner beschrieben hat, ist zumindest ein Ausweg. Doch nun kommen zwei Nachricht aus Übersee, die auch für deutschsprachige Fans von Tastaturhandys interessant sein könnte.

Zum ersten: T-Mobile USA hat das LG Optimus F3Q vorgestellt, ein Android-Gerät mit einer typischen Mittelklasse-Ausstattung: 480×800 Bildpunkte, Corning Gorilla Glas, alle nötigen Verbindungen von Bluetooth 4.0 bis WLAN. Auch die heimischen GSM- und UMTS-Frequenzen werden unterstützt, nicht aber LTE: Da gibt es international einfach zu viele Frequenzbänder; drei werden vom Gerät unterstützt, doch in Deutschland und Österreich werden natürlich andere benutzt.

Ab Februar 2014 wird das Handy in den USA auf den Markt kommen. Sofern man es nach Europa bekommt, sollte es ohne Probleme einsatzfähig sein.

Zum zweiten: Blackberry-CEO John Chen hat angekündigt, in Zukunft wieder den Schwerpunkt auf Tastaturhandys setzen zu wollen. Dabei darf man sich nicht davon irritieren lassen, dass das nächste Gerät angeblich ohne Tastatur daherkommen soll: Die Konzeption des Low-Cost-Blackberry für Asien („Jakarta“) stammt noch aus der Zeit von Chens Vorgänger Thorsten Heins.

Blackberry: Klare Strategie, gute Nachrichten

Gutes Omen für Blackberry: Der Finanzinvestor Fairfax Financial Holdings verdoppelt seine Investition und kauft Wandelschuldverschreibungen des Technologieunternehmens um weitere 250 Millionen US-Dollar, wie Macleans meldet. Sie gehen also davon aus, dass das Unternehmen mit dem neuen CEO John Chen den Turnaround schaffen wird.

Chen hat übrigens erst kürzlich den Fokus auf Tastaturhandys bestätigt, der Blackberry eine Differenzierung zu anderen Smartphone-Herstellern ermöglicht. Blackberries ohne Tastatur haben sich bislang nämlich nur schleppend verkauft. Um auch Mittelklasse-Geräte zu vernünftigen Preisen anbieten zu können, kündigte Chen bekanntlich auch eine Kooperation mit dem chinesischen Hardware-Hersteller Foxconn an, der u.a. die Hauptwerkbank für Apple darstellt.

Und noch eine gute Nachricht: Der französische PSA-Konzern hat wegen der glaubwürdigen Roadmap von Blackberry einen Großauftrag für 10.000 Geräte bekanntgegeben.

Nun bin ich selbst (noch) kein Blackberry-Nutzer, aber erstens tut dem Smartphone-Markt Konkurrenz generell gut, und zweitens ist Blackberry der letzte Hersteller, der noch offensiv auf QWERTZ-Tastaturen setzt, die für einen Vielschreiber am Telephon ein spürbare Komfortgewinn sind. Daher hoffe ich sehr, dass Chen das entgleiste Unternehmen wieder auf die Schienen bringt. Den Anlegern gefällt Chens Politik bislang jedenfalls: Die Aktien sind nach dem Tief unter Torsten Heins seither kräftig gestiegen.

Aus den Kommentaren: Ein QWERTZ-Handy in „Eigenregie“

Die Idee, dass das Handy wie ein Mini-Notebook in der Hosentasche funktionieren könnte, mit vollständiger Tastatur, ist in den letzten Jahren einen sanften Tod gestorben, über den ich schon öfter in diesem Blog lamentiert habe. Christian Wiesner, der für die Markteinführung eines Android-Smartphones mit vollständiger QWERTZ-Tastatur auch eine Petition intiiert hat, hat dazu in einem Kommentar eine spannende Information, die ich gerne breiter weitergeben will:

Ich nutze nun seit knapp 2 Monaten ein umgebautes MOTOROLA Photon Q (sogenannter SIM card mod, vom Entwickler des Umbaus persönlich durchgeführt, Tomas Prochazka aus Prag = CornholioGSM). Zunächst hatte ich die Original-Software von SPRINT damit verwendet (Stock ROM), erst 4.0.4 und dann 4.1.2, bin jetzt aber wegen fortdauernder Probleme (Bluetooth-Abbrüche, kein mobiler Hotspot, etc) auf Cyanogenmod (CM11 = Android 4.4 ‘KitKat’) umgestiegen. Das Telefon hat auch QWERTZ statt QWERTY, das lässt sich sehr leicht ändern da die Tasten nur aufgeklebt sind.

Was soll ich sagen, obwohl mich alle meine Kollegen für verrückt erklärt haben, läuft das Gerät jetzt erstklassig, ich bin echt super zufrieden. Das Telefon macht alles was ich wollte, läuft flüssig und stabil, bucht sich schnell und zuverlässig in die verschiedensten Netze ein, speziell in alle CDMA-Netze wenn ich in China bin (der Umbau hat sich wohl über die Zeit verbessert). Ist zwar verrückt, dass man in Europa so einen Aufwand betreiben muss, um an einen leistungsfähigen Androiden mit Tastatur zu kommen, aber es funktioniert.

Als nächstes werde ich spaßeshalber mein altes SONY Xperia Pro auch mal mit CyanogenMod [Eine alternative Android-Distribution, die man selbst installieren kann.] ausstatten, mal sehen welchen Performance-Sprung man damit erreichen kann. Das Pro ist ja eigentlich ein tolles Handy, nur halt leider mit einem sehr schwachen Prozessor und wenig RAM ausgestattet. Letzteres kann man mit Link2SD und einer 2.Partition auf der SD-Karte relativ gut lösen (unter root), ersteres sollte sich durch CM deutlich verbessern lassen, allein weil ja schon die ganze unnütze Bloatware (Facebook, etc.) fehlt die SONY dummerweise fest auf das Telefon packt, und die sich auch nur unter root wieder entfernen lässt. CM scheint insgesamt weniger CPU zu nutzen als das Stock-ROM,das lässt hoffen.

Ich bin jetzt gespannt wann ein junger Unternehmer auf die Idee kommt sich etwas Geld zu organisieren, SPRINT auf einen Schlag 10.000 neue Motorola Photon Q zu einem günstigen Preis abkauft (die haben zu viele davon, da die Verkäufe in den USA unter den Erwartungen lagen), diese in Serie mit einem SIM-Kartenslot ausstattet, das aktuelle CM11 aufspielt und die Geräte hier in Europa professionell anbietet. Die beiden anderen Photon Q die ich umbauen ließ, habe ich über Ebay verkauft, sie brachten zusammen 840,- € ein, also im Schnitt 420,- € je Telefon, und das für ein gebrauchtes Gerät ohne Garantie !!

Dennoch würde ich für die Zukunft noch nicht aufgeben was das Tastatur-Handy betrifft. MOTOROLA wurde ja von Google geschluckt, und die wollen in Zukunft einige NEXUS-Geräte rausbringen. Mit dem Photon Q besteht eine Plattform die eigentlich nur mit einem aktuellen Prozessor und mehr Speicher ausgestattet werden muss, sonst ist das Telefon mit NFC und LTE auf der Höhe der Zeit. Es sollte ein leichtes für Google sein, auf dieser Basis ein Nexus mit Keyboard zu launchen, um Blackberry den Todesstoss zu geben.

Mehr Informationen zum Motorola Photon Q gibt es auf der Seite von Motorola, über den SIM card mod von Tomas Prochazka im Forum xda developers. Ich selbst habe diesen Mod nicht getestet und übernehme keinerlei Gewähr oder Haftung dafür, dass er irgendein brauchbares Ergebnis liefert.

Die hohen Preise für gebrauchte QWERTZ-Geräte – ein originalverpacktes Nokia N97 mini (Vorstellung: Herbst 2009) um 200 Euro, ein Sony Xperia Pro (Vorstellung: Frühling 2011) um ein wenig mehr – zeigen ja, dass es einen Bedarf nach solchen Smartphones gibt, wenn auch vielleicht nur für eine kleine Nische. Ob man mit Nischen Geld verdienen kann, werden die nächsten Monate des Jolla-Projekts ja zeigen. Vielleicht macht das auch anderen Mut.

Das QWERTZ-Handy: Ein Marketingproblem?

Wie Stammleser meines Blogs schon wissen, bin ich ein treuer Anhänger des Handys mit vollständiger Tastatur, über die ich in diversen Einträgen schon geschrieben habe. Doch der Markt ist praktisch leergeräumt: Es gibt, abgesehen vom Blackberry Q10 und Q5, nicht einmal mehr Mittelklasse-Smartphones mit QWERTZ-Tastatur. Woran liegt das? Dem ist Sean Hollister von „The Verge“ nachgegangen. Er ist selbst begeisterter Nutzer eines Smartphones mit ausschiebbarer Tastatur, das er als Mini-Laptop benutzt. Doch sein Handy zeigt deutliche Zeichen von Altersschwäche; Ersatz gibt es kaum.

Also befragt er Netzbetreiber und Hersteller, warum das so ist. Ein spannender Artikel, der auch einiges über die Dynamik des Markts verrät. Es liegt nämlich kaum an konkreten Konsumentenentscheidungen, mit der Ausnahme, dass die Wahl des Betriebssystems de facto bei den meisten Kunden höhere Priorität als die Tastatur genießt. Vielmehr ist es eine Marketingentscheidung: Konzentration auf ein Flaggschiff; alle anderen Modelle können dann als günstigere, abgespeckte Varianten zu diesem Gerät begriffen und beworben werden. Die Experten konzedieren aber: Würde ein Hersteller ein Flaggschiff-Gerät in einer Tastaturvariante herausbringen, würde es sich schon gut verkaufen.

Es ist aber momentan jedem zu riskant, diese Nische wieder zu besetzen: Samsung und Apple streichen den Löwenanteil der Gewinne ein, während die meisten anderen Hersteller in den roten Zahlen sind und daher ihre Ressourcen fokussieren müssen. Dass alle den gleichen Fokus wählen, ist dann ein anderes Problem.

(über OSNews)

Forbes: Wie Nokia es Elop schmackhaft machte, das Unternehmen zu ruinieren

Die Strategie Nokias unter der Führung Stephen Elops wurde hier und andernorts schon mehrfach heftig kritisiert. Das Ergebnis seiner Tätigkeit ist bekanntlich, dass sich Nokia aus dem Privatkundengeschäft zurückzieht und seine Mobilgerätesparte an Microsoft verkauft — zu einem Bruchteil des Wertes, den diese Sparte bei Amtsantritt Elops hatte.

Nun wurden Details von Elops Vertrag als CEO Nokias bekannt, die nicht nur „Forbes“ die Frage stellen lassen: Wie unfähig war Nokias Verwaltungsrat eigentlich?. Denn im Unterschied zu Elops Vorgängers enthielt sein Vertrag eine Klausel, dass er im Falle einer Änderung der Eigentumsverhältnisse etwa durch Verkauf eines Teils Nokias einen sofortigen Bonus auf Grund steigender Aktienkurse erhalten würde. Dieser beträgt nun 25 Millionen US$, die angesichts seines eher bescheidenen Erfolgs als Geschäftsführer sehr üppig sind.

Tero Kuittinen berichtet für Forbes, dass diese Klausel dann den besten Ertrag versprach, wenn der Aktienkurs zuerst deutlich fiele(wohl im Zuge einer Unternehmenskrise), dann ein Unternehmensteil zur Lösung dieser Krise verkauft würde, und deswegen der Aktienkurs wieder deutlich stiege. Aus der Differenz zwischen dem niedrigen Aktienkurs vor Verkauf und dem anschließenden Anstieg berechnet sich dann der Bonus.

Die eigentliche Recherchearbeit haben finnische Zeitungen geleistet, besonders „Helsingin Sanomat“, doch sind meine Finnisch-Kenntnisse einfach nicht vorhanden. Interessanterweise behauptet übrigens der Vorsitzende des Verwaltungsrats, die Änderung des Vertrags gegenüber Elops Vorgängern nicht bemerkt zu haben. Es sei ja nur ein geringfügiger Unterschied.

Ein geringfügiger Unterschied, der die Anreize für den CEO allerdings völlig veränderte. Nicht mehr der Turnaround, sondern der Verkauf war nun für ihn ein naheliegendes Vehikel zur Gehaltsoptimierung. Um Kuittinen zu zitieren:

As BlackBerry’s disastrous August quarter demonstrates, the handset industry is growing inhospitable to minor operating systems. Apple and Samsung continue increasing their dominance. Nokia always did face an uphill battle in the spring of 2011. But thanks to its board of directors, it entered that battle with a general who was promised a king’s ransom should he happen to lose. Nokia’s directors will go down in the European business history as one of the most perverse crews to lead a major corporation in the post-war era

Kleines QWERTZ-Update: Am Blackberry Q10 führen nur wenige Wege vorbei

Blackberry Q10

Blackberry Q10

Die beiden Artikel, die ich in den letzten Monaten zum Verschwinden der QWERTZ-Handys geschrieben haben, gehören zu den beliebtesten meines Blogs. Das beweist, dass es sich nicht bloß um ein kleines Grüppchen handelt, das gerne solch ein Gerät hätte. Ein Kommentator, Christian Wiesner, hat auf change.org eine Petition für ein modernes Android-Tastatur-Smartphones gestartet. Betonung liegt auf modern. In Österreich sind bspw. momentan drei Android-Handys mit Tastatur erwerbbar: Das zweieinhalb Jahre alte Sony Ericsson Xperia pro (Slider), das zwei Jahre alte Low-End-Gerät Huawei Boulder und das lediglich ein Jahr alte Alcatel OT-910 (beide mit kleinem Bildschirm mit untenstehender Tastatur), beide mit recht ähnlicher, heute veralteter Ausstattung. Das war es auch schon.

Ansonsten gibt es eine fürs flotte Nachrichtenschreiben geeignete Geräte von Nokia, wie das Nokia 210, die aber den Power-User nicht glücklich machen werden. Bleiben noch die beiden Blackberrys Q5 und Q10, wobei nach den jüngsten Betriebssystemsupdates ein alltagstaugliches, modernes Gerät vorliegen sollte. Für das Blackberry Q10 legt man vertragsfrei 500 Euro hin, für die kleine Schwester Q5 rund 350 Euro. Dafür bekommt man ein neues und zukunftssicheres Betriebssystem, so

Motorola Droid 5 (möglicherweise)

Motorola Droid 5 (möglicherweise)

Für die Fans der „Mini-Laptops“, wie es das Nokia N97 oder E7 verkörperte, mit ausschiebbarer Quertastatur, gibt es leider wenig zu melden. Der einzigartige Schiebemechanismus des E7, bei der der Bildschirm schräg nach oben ausfährt und echtes Laptop-Feeling erzeugt – und vor allem einen angenehmen Blickwinkel beim Schreiben –, hat keine Nachahmer gefunden. Obwohl er den Zusatznutzen hat, dass man das Handy auf den Schreibtisch legen kann und dank Schräge das Display bequem ablesen kann.

Etwas Hoffnung gibt manchen das Gerücht, dass die Google-Tochter Motorola an einem neuen Slider-Telephon arbeiten soll. Christian Wiesner hat es auch bei seiner Petition (siehe oben) verlinkt. Das ganze wird unter dem Namen „Droid 5“ gehandelt und soll in der Tradition der Serie von QWERTZ-Handys stehen, die Motorola in den USA als „Droid“ und in Europa als „Milestone“ vermarktet hat. Also ein relativ hochwertiges Gerät. Die bislang bekannten Fotos sprechen jedenfalls für ein Smartphone, das für das amerikanische CDMA-Netz von Verizon bestimmt ist. Ob es jemals das Licht Europas erblicken wird, ist höcht ungewiss. Schon das 4er-Modell hat den Sprung über den Atlantik nicht geschafft.

Connect hat übrigens im Sommer einen Test der zehn „besten Smartphones mit Tastatur“ veröffentlicht. Testsieger ist wenig überraschend das Blackberry Q10, das einzige moderne Spitzengerät mit Tastatur. Um auf die Zahl 10 zu kommen, haben sie auch das Motorola Milestone 2 (nicht mehr erhältlich!) und das Nokia E6-00 (nur noch in Restexemplaren) im Vergleich belassen.

Microsoft kauft halb Nokia: Ein gutes Geschäft?

Nun verkauft also Nokia seine gesamte Mobiltelephon-Sparte an Microsoft. Und zwar — womit ich nicht gerechnet haben — einschließlich der Asha-Linie und normaler „Featurephones“. Nokia wird dann im wesentlichen aus der Netzwerksparte, dem Kartendienst und ortsbezogenen Diensten auf Basis der Tochter NAVTEQ und der Forschungs- und Entwicklungsabteilung (siehe z.B. Nokia Research Center) bestehen.

Nokia verkauft im Prinzip seinen halben Umsatz für 3,79 Milliarden Euro, das sind etwa 5 Mrd. US$. Weitere 1,65 Milliarden erhält Nokia für eine 10-Jahres-Lizenz für Patente und einer Option für Microsoft, diese Lizenz für immer (!) zu verlängern. Microsoft wird außerdem den Markennamen Nokia für 10 Jahre lizenzieren und für Produkte der S30 und S40-Systeme weiter einsetzen können. Die Windows-Phone-Linie wird dagegen wohl nicht mehr Nokia heißen. Nokia selbst darf den Markennamen erst nach Ablauf von 30 Monaten an andere Hersteller lizenzieren und ab 1.1.2016 für eigene Mobilgeräte nutzen, von denen aber ohnehin nicht auszugehen ist.

Offenbar sind die Finanzierungsbedingungen für Nokia derzeit schwierig. Zwar hat das Unternehmen einen positiven Cash Flow und konnte seine verfügbaren Mittel gut managen, hatte aber wegen der unsicheren Zukunft der Smartphone-Sparte ein relativ schlechtes Rating. Im kapitalintensiven Mobilgerätegeschäft werden aber immer wieder Finanzierungen benötigt, da die eigenen Mittel gebunden sind. Im Deal ist daher eine Übergangsfinanzierung zu günstigen Zinssätzen in der Höhe von 1,5 Mrd. Euro enthalten. Mit dem Verkauf der Telephonssparte sollte sich dann das Rating und damit die Finanzierungskonditionen verbessern.

Aus Sicht des Nokia-Aufsichtsrat ist die Entscheidung verständlich, und die Eigentümer werden wohl auch bei der Hauptversammlung zustimmen: Man behält die erfolgreichen Sparten und muss deren Gewinne nicht mehr zum Ausgleich der Verluste des Rests verwenden. Ähnlich wie Ericsson, das ja den Mobilgerätemarkt mit dem Verkauf seiner Anteile am Joint-Venture mit Sony an diese vor kurzem endgültig verlassen hat, konzentriert sich das deutlich geschrumpfte Unternehmen auf seine Kernkompentenzen und kann mit den frischen Mitteln vielleicht auch neue Chancen nutzen.

Aus Microsofts Sicht ist es schon weniger verständlich. Viele sprechen davon, was für hervorragende Geräte integrierte Hersteller wie Apple machen, die Hard- und Software aus einer Hand bieten. Doch Microsoft hat in diesem Spiel bislang nicht brilliert (Kin, Zune, Surface … – Ausnahme: XBox); sein Markenname wird daher nicht damit in Verbindung gebracht. Nun muss Microsoft wiederum Mittel für eine Integration der Unternehmensteile aufwenden und in einer Marketingkamapgne einen Imagetransfer von Nokia auf die Microsoft-eigene Smartphonereihe versuchen. Und das, nachdem es Nokia in einigen Märkten in mühsamer Arbeit gelungen war, ein halbwegs positives Image für Nokias Windows-Phone-Linie aufzubauen.

Die bisherigen Probleme bei Windows Phone 8, wo Nokia durch eigene Lösungen fehlende Funktionsupdates von Microsofts überbrückt hat, lassen ebenfalls nichts gutes für die Zukunft vermuten. Und wie unter diesen Auspizien eine Partnerschaft Microsofts mit anderen Herstellern bei Windows Phone noch funktioneren soll, wie es das Unternehmen behauptet, bleibt rätselhaft. Google und Motorola ist ein schlechtes Beispiel, da Android erstens quelloffen ist, und Motorola zweitens nur ein kleiner Fisch im Androidbecken ist. Bei Windows Phone dagegen ist Nokia mit etwa 80% Anteil der Hauptlieferant. Mit der Übernahme werden sich wohl die anderen Hersteller von Windows-Phone-Geräten de facto zurückziehen.

Microsoft gibt in einer schönen Präsentation und in anderen Texten folgende Gründe für den Kauf an:

  • Einheitliche Marke würde die Marktchancen für Windows Phone verbessern. (Wie ist das jetzt mit den Hardware-Partnern?)
  • Schnellere Innovation da Hard- und Software aus einer Hand
  • Effektive Alternative zu Google durch Integration von Microsoft- und Nokiadiensten (Diese Integration gab es bisher aber auch schon …)
  • Microsoft will die Feature-Phones als Einstieg Richtung Windows Phone positionieren und so auch in Schwellen- und Entwicklungsländern besser Fuß fassen.
  • Zugriff auf ein umfangreiches Patent-Portfeuille durch die Lizenzierung.

Für Microsoft wäre da meiner Meinung nach ein reiner Lizenzdeal und eine strategische Beteiligung sinnvoller und wohl auch billiger gewesen. Diese Option wurde anscheinend auch laut AllThingsD diskutiert. Daher teile ich die wütenden Reden von Nokia-CEO Stephen Elop als „trojanisches Pferd“ nicht. Zwar hat er Nokias Probleme 2011 unnötig beschleunigt, die Erfolge der letzten Monate sind aber ebenfalls beachtlich. Vor allem ist aber zu bedenken: Die wenigsten Hersteller von Mobiltelephonen arbeiten derzeit mit merkbaren Gewinnen. Lediglich Apple und Samsung sind wirklich profitabel, die anderen operieren mit schwarzen Nullen oder sind in den roten Zahlen. Auch bei einer erfolgreichen Zukunft für Nokias Mobilgeräte wären nur magere Gewinne aus dem Bereich zu erwarten gewesen. Keine guten Aussichten für einen Unternehmenseigentümer.

Einziger Kritikpunkt ist vielleicht der Preis. Google hat Motorola, das zum Kaufzeitpunkt eine schwächere Marktposition hatte, einschließlich Patenten um 12,5 Mrd. US$ erworben. Nokias Mobilgerätesparte ist Microsoft dagegen rund 5 Mrd. US$ wert, allerdings ohne Patente. Freilich sind viele heute überzeugt, dass Google einfach zuviel bezahlt hat und Motorolas Patente nicht so viel wert waren, wie man geglaubt hat.

Steve Ballmer tritt auch zurück (oder mußte gehen, je nach Sichtweise), weil Microsoft unter seiner Führung im Mobilbereich versagt hat. Microsoft war mit Windows Mobile früh am Start und hatte eine vielversprechende Position im Smartphonerennen, die vergeudet wurde. Microsoft war schon vor Jahren im Tabletbereich aktiv, doch erst durch Apples iPad wurde das Tablet massentauglich. Weitere Aktivitäten im Mobilbereich wie die tragbaren Musikgeräte Zune oder die Kin-Telephone waren kostspielig, aber erfolglos. Microsoft muss daher irgendetwas tun, um im Mobilbereich relevant zu sein; anscheinend hofft die Firmenleitung, durch den Kauf von Nokia die nötige Expertise und Marktdurchdringung zu bekommen. Ob das nicht eine riskante Kalkulation ist …