Das Nokia-Handy kehrt zurück

Nokia 6 Werbeaufnahme © HMD

Nokia 6 Werbeaufnahme © HMD

Der Niedergang der Mobiltelephon-Sparte, der ihm Verkauf an Microsoft gipfelte, wird wohl nicht als ruhmreiches Kapitel in die Firmengeschichte Nokias eingehen. Doch das Unternehmen hat sich erfolgreich als Netzwerkspezialist quasi neuerfunden und mittlerweile den ehemaligen Rivalen Alcatel-Lucent geschluckt. Und so, wie Alcatel seinen Markennamen für Mobiltelephone an das chinesische TCL lizenziert hat, so hat auch Nokia dem finnischen Startup HMD einen Lizenzvertrag für Mobiltelephone abgeschlossen, der aber auch einiges mehr umfasst. Da HMD zu einem Gutteil aus ehemaligen Nokia-Mitarbeitern besteht, ist auch stilistisch eine gewisse Kontinuität zu erwarten.

Das erste Gerät, das Nokia 6, ist bereits in China am Markt. Ein solides Android-Mittelklassegerät mit gut auflösender Front- und Rückseiten-Kamera, 64 GB internem Speicher plus SD-Kartenplatz, normaler Kopfhörerbuchse und USB-To-Go, d.h. man könnte auch externe Festplatten und andere Peripheriegeräte am Handy anschließen.

Der Name zieht jedenfalls noch: Die erste Lieferung war in kürzester Zeit ausverkauft.

Nun kündigen sich für den Mobile World Congress Ende Februar in Barcelona weitere Neuigkeiten an; Das Nokia 6 kommt nach Europa, die kleineren Geschwister Nokia 3 und Nokia 5 sollen vorgestellt werden und zudem eine Hommage an das quasi unzerstörbare Nokiahandy 3310 das Licht der Welt erblicken, so der Vorbericht von venturebeat.

USA: Gebundene Bücher überholen E-Books

Ein gebundenes BuchAls ich zu bloggen begonnen habe, waren E-Books gerade die Zukunft des Lesens. Jetzt sind sie ein Teil der Gegenwart des Lesens, doch das gedruckte Buch hat sich allen Unkenrufen zum Trotz gut gehalten.

In den USA, quasi dem Mutterland des elektronischen Buches, waren 2016 die Verkäufe gebundener Bücher erstmals seit 2012 wieder höher als diejenigen an E-Books. Hardcover-Verkäufe legten um 5% auf 188 Millionen zu, während E-Book-Verkäufe um 16% auf unter 180 Millionen zurückgingen. Das berichtet Publisher’s Weekly.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist ein Buch grundsätzlich ein gutes Produkt: Sofort einsatzbereit, haptisch, lagerfähig, stromlos. Allerdings kann es schwer sein.

E-Books-Käufer schwören aber, soweit man weiß, weniger auf das Gewicht, sondern vor allem auf den niedrigeren Preis bei E-Books. Das ist in Deutschland und Österreich wegen der Buchpreisbindung ohnehin kein Thema. In den USA waren E-Books dagegen deutlich günstiger als gedruckte Bücher, was ja auch angesichts deutlich niedrigerer Produktionskosten logisch erscheint.

Doch Amazon hat mittlerweile den Großteil des US-E-Book-Marktes in der Hand und nutzt seine Stellung für entsprechende Preise. Der Preisunterschied ist also deutlich zurückgegangen, insbesondere gegenüber Taschenbüchern, die dank der Fortschritte in Gestaltungs- und Produktionstechnik ebenfalls günstiger herzustellen sind als noch vor einigen Jahren.

Es können allerdings viele Buch- und E-Book-Verkäufe von den Marktforschern gar nicht mitgezählt werden, nämlich die vielen im „Eigenverlag“ über Amazon und andere Quellen vertriebenen Werke. Die Zahlen sind mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Trotzdem kann man schon sagen, dass das E-Book eine Ergänzung der Medienkanäle gebracht hat, aber offenbar (noch?) weit davon entfernt ist, das Buch vollständig zu ersetzen.

Auf dem Weg zur elektronischen Person?

Die Fortschritte bei der Programmierung sogenannter „Künstlicher Intelligenzen“ und Automatisierung immer weiterer Bereiche der Arbeitswelt erfordert auch eine Anpassung des gesetzlichen Rahmens. Keine Frage. Das EU-Parlament hat sich mit dieser Frage im Justizausschuss ausführlich beschäftigt, wie der Guardian berichtet. Das Ergebnis kann man in diesem Berichtsentwurf lesen, der u.a. Frankensteins Monster und den Golem bemüht.

Unter anderem wird vorgeschlagen, für die „ausgeklügelsten autonomen Roboter“ den Status einer „elektronischen Person mit speziellen Rechten und Verpflichtungen“ zu schaffen. Damit würde der Roboter schadenersatzpflichtig. Außerdem soll eine eigene Pflichtversicherung für Schäden von Robotern analog zur Kfz-Haftpflichtversicherung eingeführt werden.

Ein interessantes Thema, das in dem Bericht angerissen wird, ist auch die Schaffung von „Cyborgs“ — die „Reparatur und Optimierung von Menschen“, wie es im Text heißt. Ein ethisch hochbrisanter Bereich, bei dem vieles „einfach getan“ wird, ohne über die weiteren Folgen nachzudenken.

Leider wird es wie immer dort am konkretesten, wo es um neue Bürokratie geht: Natürlich braucht es eine eigene „Europäische Agentur für Robotik und Künstliche Intelligenz“, und natürlich braucht es eine Besteuerung auf Grundlage des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz im Betrieb.

Das EU-Parlament hat allerdings kein Initiativrecht, d.h. es kann keine Gesetzesvorschläge machen. Ob dieser Bericht Folgen haben wird, bleibt also der Kommission überlassen.

Außen heiß, innen Eis – Die Physik des Mikrowellenherds

Wenn es einmal schnell gehen muss, ist der Mikrowellenherd schwer zu ersetzen. Nein, Milch dampfgaren ist keine Alternative.

Aber wie funktionert das Erwärmen genau? Warum ist der tiefgekühlte Reisauflauf von letzter Wochen innen nach einer Minute eiskalt und außen brennend heiß? Das schildert Ethan Siegel auf medium.com an Hand einer amerikanischen Pizzateigtasche so anschaulich, dass ich (1) glaube es verstanden zu haben und (2) gleichzeitig dabei einen ordentlichen Hunger bekommen habe. Mahlzeit!

Heartbleed, einfach erklärt

Die Sicherheitslücke „Heartbleed“ bei der Verschlüsselungsbibliothek OpenSSL hat für große Aufregung gesorgt. Alle Passwörter für Internetseiten etc. müssten geändert werden, war zu lesen. Sicherheitsblogger Bruce Schneier ordnete das ganze als ein Problem der Stufe 11 auf einer zehnstufigen Skala der Sicherheitsprobleme im Internet ein. Alarmstufe Rot. Aber was ist eigentlich genau passiert? Das erklärt Randall Munroe, Autor des Webcomics xkcd, anschaulich und einfach. Da er Hotlinks und Einbetten ausdrücklich erlaubt, hier der Comic:

xkcd.com: Heartbleed Explanation

xkcd.com: Heartbleed Explanation

Blackberry Q20 angekündigt und andere Kurznachrichten

Meine alte Leidenschaft für Handys mit vollwertiger Tastatur wurde wiederum angefacht: Blackberrys neuer CEO John Chen hat das Blackberry Q20 angekündigt, ein Gerät im klassischen Blackberry-Format mit Trackpad und QWERTZ-Tastatur. Mit der Ankündigung sind die Preise für die QWERTZ-Modelle Q10 und Q5 im Handel zumindest in den einfachen schwarzen Fassungen z.T. drastisch gesunken. Das Blackberry OS 10 hat sehr gute Kritiken erhalten und bietet für App-Notfälle auch die Möglichkeit, Android-Anwendungen zu verwenden. Wer also zuschlagen will, der möge es jetzt tun.

Wenn wir schon bei Betriebssystemen abseits des Mainstreams sind: Firefox OS hat ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben: Unter dem Markennamen Alcatel werden nicht nur Einsteigerhandys, sondern auch ein besser ausgestattetes Mittelklassegerät und ein Tablet auf den Markt gebracht; ZTE hat ebenfalls zwei neue Firefox OS-Modelle vorgestellt. Günstige Geräte, die für die meisten Nutzer ausreichend sein sollten. Das hat jetzt mit Tastaturen nichts zu tun, weiß ich schon, aber mit Auswahl und Konkurrenz. Das schadet bekanntlich nie. Wer Firefox OS so einmal ausprobieren will, kann das übrigens mit einer Erweiterung des Firefox-Browsers am Computer tun.

Schließlich hat Joanna Stern im Wall Street Journal vier Tablets mit Tastaturerweiterungen als Laptopersatz für das Schreiben langer Texte getestet, mit unbefriedigendem Ergebnis. Sie liebt ihr iPad fürs Lesen, für Unterhaltung, wohl auch für das schnelle Beantworten von E-Mails. Wenn es um ihre Arbeit geht, braucht sie einfach eine Tastatur. Wer hätte damit gerechnet 😉

Drei Links zur Whatsapp-Übernahme durch Facebook

Die Übernahme des populären Chat-Programmes Whatsapp durch Facebook ist für viele Whatsapp-User wohl ein Schock. Dort der Social-Network-Gigant, der vor allem von der Verwertung von Benutzerdaten lebt, dort ein Programm mit der strikten Regel „Keine Werbung. Keine Spiele. Keine Spielereien.“, das für einen niedrigen Jahresbetrag ungestörte Kommunikation verspricht. Drei Links dazu:

Einer der Investoren in Whatsapp, Sequoia Capital, erklärt den Wert von Whatsapp aus seiner Sicht. Ein Wert, den Facebook immerhin in 4 Mrd. US$ in bar, Facebook-Aktien im Wert von 12 Mrd. US$ und weiteren 3 Mrd. US$ für die Whatsapp-Mitarbeiter bemisst.

Beim US-Branchenmedium Re/code analysiert Kara Swisher, dass das der Preis Facebooks dafür sei, um im mobilen Geschäft relevant zu sein. Facebook wolle so etwas ähnliches werden wie Disney im Medienbereich: Die Programme zur Verfügung stellen, die von den mobilen Anwendern gewünscht würden, um im mobilen Bereich relevant zu bleiben — auch, wenn Facebook selbst an Bedeutung verlieren sollte.

Wird das Thema Sicherheit und Vertrauen den Erfolgslauf von WhatsApp nun bremsen? Eher nicht, glaubt Gerhard Reischl bei der Futurezone. Auch andere Dienste würden trotz schwerer Sicherheitsbedenken und Servern im direkten NSA-Zugriff florieren, die User das Problem ignorieren.

Infographik: Vier App-Stores im Vergleich

Moderne Mobiltelephone sind wirkliche Minicomputer, auf denen viele verschiedene Anwendungen laufen. Aus irgendeinem Grund heißen sie aber nicht Computer, sondern Smartphone, und die Anwendungen Apps. Eine interessante Infographik von Blogmost.com zeigt einige Fakten über die „App Stores“ von Apple, Google, Blackberry und Microsoft.

Auffällig: Die „kleinen“ App Stores — Blackberry und Windows Phone — machen verhältnismäßig viel Umsatz. Die Blackberry World erreicht mit viel weniger Nutzern 45% des Google Play Stores. Im Verhältnis zu den Umsätzen des Apple App Stores passt das Verhältnis dann schon eher. Hier zeigt sich wohl, dass Windows Phone und Blackberry OS eher von Menschen verwendet werden, die ihr Smartphone als Computer-Plattform nutzen. Gleiches gilt fürs iPhone, auf dem viele Menschen ihre wichtigsten Daten speichern und bearbeiten, von Passwörten bis zur Privatbuchhaltung, und natürlich Unterhaltung in der Form vieler Spiele genießen.

Bei Android gibt es einen höheren Anteil an Anwendern, die es vielfach nicht anders als die sogenannten „Feature Phones“ verwenden. Freilich gibt es mittlerweile auch viele alternative Android-App Stores, so dass die Statistik verfälscht ist, während die andere, geschlossene Plattformen eben nur den einen App Store zulassen.

Netterweise erlaubt blogmost.com das Verwenden ihrer Graphik auf anderen Seiten, daher hier das Bild:

LG Optimus F3Q: Ein Androide mit Tastatur

Ich hatte in Sachen QWERTZ-Handy schon ziemlich resigniert. Ja, der mögliche Umbau eines Motorola Photon Q, den Christian Wiesner beschrieben hat, ist zumindest ein Ausweg. Doch nun kommen zwei Nachricht aus Übersee, die auch für deutschsprachige Fans von Tastaturhandys interessant sein könnte.

Zum ersten: T-Mobile USA hat das LG Optimus F3Q vorgestellt, ein Android-Gerät mit einer typischen Mittelklasse-Ausstattung: 480×800 Bildpunkte, Corning Gorilla Glas, alle nötigen Verbindungen von Bluetooth 4.0 bis WLAN. Auch die heimischen GSM- und UMTS-Frequenzen werden unterstützt, nicht aber LTE: Da gibt es international einfach zu viele Frequenzbänder; drei werden vom Gerät unterstützt, doch in Deutschland und Österreich werden natürlich andere benutzt.

Ab Februar 2014 wird das Handy in den USA auf den Markt kommen. Sofern man es nach Europa bekommt, sollte es ohne Probleme einsatzfähig sein.

Zum zweiten: Blackberry-CEO John Chen hat angekündigt, in Zukunft wieder den Schwerpunkt auf Tastaturhandys setzen zu wollen. Dabei darf man sich nicht davon irritieren lassen, dass das nächste Gerät angeblich ohne Tastatur daherkommen soll: Die Konzeption des Low-Cost-Blackberry für Asien („Jakarta“) stammt noch aus der Zeit von Chens Vorgänger Thorsten Heins.

Blackberry: Klare Strategie, gute Nachrichten

Gutes Omen für Blackberry: Der Finanzinvestor Fairfax Financial Holdings verdoppelt seine Investition und kauft Wandelschuldverschreibungen des Technologieunternehmens um weitere 250 Millionen US-Dollar, wie Macleans meldet. Sie gehen also davon aus, dass das Unternehmen mit dem neuen CEO John Chen den Turnaround schaffen wird.

Chen hat übrigens erst kürzlich den Fokus auf Tastaturhandys bestätigt, der Blackberry eine Differenzierung zu anderen Smartphone-Herstellern ermöglicht. Blackberries ohne Tastatur haben sich bislang nämlich nur schleppend verkauft. Um auch Mittelklasse-Geräte zu vernünftigen Preisen anbieten zu können, kündigte Chen bekanntlich auch eine Kooperation mit dem chinesischen Hardware-Hersteller Foxconn an, der u.a. die Hauptwerkbank für Apple darstellt.

Und noch eine gute Nachricht: Der französische PSA-Konzern hat wegen der glaubwürdigen Roadmap von Blackberry einen Großauftrag für 10.000 Geräte bekanntgegeben.

Nun bin ich selbst (noch) kein Blackberry-Nutzer, aber erstens tut dem Smartphone-Markt Konkurrenz generell gut, und zweitens ist Blackberry der letzte Hersteller, der noch offensiv auf QWERTZ-Tastaturen setzt, die für einen Vielschreiber am Telephon ein spürbare Komfortgewinn sind. Daher hoffe ich sehr, dass Chen das entgleiste Unternehmen wieder auf die Schienen bringt. Den Anlegern gefällt Chens Politik bislang jedenfalls: Die Aktien sind nach dem Tief unter Torsten Heins seither kräftig gestiegen.