Ein Bakterium als Allergie-Blocker?

Es ist bekannt, dass die Zahl der festgestellten Lebensmittelallergien in den letzten Jahren rapide zugenommen hat. Ein Teil ist wohl auf bessere Diagnostik zurückzuführen, ein Teil quasi eine Zivilisationskrankheit. Einiges weist aber auf eine weitere Ursache hin: Dass durch den Einsatz von Antibiotika — gerade bei Kindern — eine bestimmte Art von Darmbakterien aus dem Verdauungstrakt eliminiert wird, die gerade dafür sorgt, dass wir viele Lebensmittel besser vertragen.

Versuche bei Mäusen konnten den vermuteten Effekt bestätigen. Stark vereinfacht: Die Gabe üblicher Antibiotika verursachte z.T. Erdnussallergien; vielleicht auch andere, auf Erdnuss wurde getestet. Führt man den Mäusen wieder Clostridia-Bakterien zu, die von den Antibiotika als Nebenwirkung eliminiert wurden, so verlieren die Mäuse die Allergie wieder. Diese Bakterien gehören zur natürlichen Darmflora des Menschen.

Mehr dazu bei [Science](http://news.sciencemag.org/biology/2014/08/gut-microbe-stops-food-allergies “Science: A gut microbe stops food allergies”); der zu Grunde liegende wissenschaftliche Bericht [ist ebenfalls online](http://www.pnas.org/content/early/2014/08/21/1412008111 “PNAS: Commensal bacteria protect against food allergen sensitization”).

Das ist, nebenbei, kein Appell, keine Antibiotika mehr zu verwenden, die vielfach medizinisch notwendig sind. Es gilt aber als unbestritten, dass heute generell zu oft Antibiotika eingesetzt werden, was auch deren Wirksamkeit beeinträchtigt.

Ukraine: Ein medialer Totalausfall

Mir gehen viele der vehementen Verteidiger der russischen Ukrainepolitik und der Rebellen, die sich im Internet tummeln, weil sie kein Staubkörnchen auf der weißen Weste der russischen Regierung sehen wollen. Doch sie weisen uns trotzdem zurecht immer wieder auf die Schlagseite in Mainstream-Medien hin, die in diesem Konflikt wenig recherchieren und viel unreflektiert weitergeben.

Heutiges Beispiel: Die USA behaupten, Russland würde mit eigenen Truppen massiv in der Ukraine agieren. Das wird mit einem Bericht der IISS flankiert, nachdem die Rebellen Panzer einsetzen würden, die nur aus Russland geliefert worden sein können. Dazu muss man allerdings wissen, dass die Denkfabrik IISS starke Verbindungen zur britischen und US-Regierung hat und z.B. auch für den letztendlich desaströsen Irak-Krieg plädiert hat.

Ausgerechnet die „Qualitätszeitungen“ „Presse“ und „Standard“ wählen Überschriften, die überprüfte Fakten suggerieren. Die „Presse“: „USA: Russland schickt weitere Panzer und Waffen“. Zweiter Satz des Anreißers: „Es wachsen Befürchtungen über eine Invasion der Hafenstadt Mariupol.“ Und der „Standard“ schreibt: „USA: Russland lenkt Gegenoffensive der Rebellen in Ostukraine“. Da die USA in diesem Konflikt Partei sind, müsste man solche Aussagen cum grano salis nehmen.

Nur wenige Medien haben aber etwa den Konjunktiv verwendet oder mit Anführungszeichen auch dem flüchtigen Leser gezeigt, dass es hier um eine Aussage einer Konfliktpartei geht, nicht um ein recherchiertes Datum. Ähnlich bei den Äußerungen Sachartschenkos über „urlaubende russische Soldaten“; sie lesen sich in den russischen Quellen, aus denen sie stammen, anders als in den heimischen Medien, die sie übernehmen. Kein Wunder: So dumm sind die Rebellen auch wieder nicht, als dass sie gleich selbst einen unwiderlegbaren Beweis staatlicher Unterstützung via Fernsehinterview liefern.

Dass Russland und die USA — diese z.T. indirekt über Verbündete — die Konfliktparteien unterstützen, ist ja kein Geheimnis. Dass beide Seiten sich einen Propagandakrieg liefern, ist auch kein Geheimnis. Dass Großmächte mit verdeckten Operationen und der Unterstützung von Rebellen arbeiten, ist ebenfalls nicht neu. Trotz aller Amerikakritik scheinen die heimischen Journalisten Aussagen von US-Regierungsstellen aber einiges an Vertrauen entgegegenzubringen — vielleicht sogar mehr als es in den USA selbst der Fall ist.

Da fällt mir ein: Wie war das jetzt mit dem Flug MH17? Jetzt taucht der Vorwurf auf, man hätte ein Flugabwehrsystem Panzir-S1 („SA-22“) bei den Rebellen gesichtet, dass dem System Buk („SA-11“) ähnlich sei, welches ja als Grund des Absturzes der MH17 medial vermutet wird. So schreibt es z.B. der „Kurier“, der sich auf einen anonymen NATO-Diplomaten beruft. Schnelle Recherchen ergeben, dass es sich beim System Panzir-S1 um ein Kurzstreckensystem in Nachfolge des Tunguska-Systems („SA-19“) handelt, während der Nachfolger der Buk („SA-11“) immer noch Buk („SA-17“) heißt. Mit dieser verbesserten Buk können Flugzeuge bis in 45 km Entfernung erreicht werden. Das gesichtete Panzir-System hat eine geringere Reichweite und ist auch für niedrigere Flughöhen als die Buk
konzipiert. Sollten die Rebellen ein solches besitzen, so handelt sich doch nicht um vergleichbare Systeme. Es geht aber wohl nur um die Andeutung, mit der die Schuld der Rebellen und Russlands neuerlich unterstrichen werden soll, wiewohl in Wahrheit bis jetzt immer noch wenige Fakten zum Absturz der Maschine am Tisch liegen.

Dass auch die russische Regierung nicht der Quell der Wahrheit ist, liegt auf der Hand. Deren Aussagen werden aber in den Leitmedien ohnehin zerpflückt. Ich würde mir gleiche Kritik gegenüber den Andeutungen und Aussagen europäischer und amerikanischer Stellen wünschen.

1500 Jahre Abtei Sankt Mauritius

Abtei Sankt Mauritius im Wallis

Abtei Sankt Mauritius im Wallis


Die im Schweizer Wallis gelegene Abtei Sankt Mauritius, heute eher unter ihrem französischen Namen Abbaye de Saint-Maurice bekannt, feiert am 22. September 2015 1500 Jahre durchgehenden Bestand. Es ist damit das älteste europäische Kloster, das auf eine solche ununterbrochene Tradition zurückblicken kann. Weil es doch ein sehr großer und bedeutender Geburtstag ist, hat die Abtei die Feierlichkeiten bereits im März mit einer Ausstellung der Reliquiaren und des Abteischatzes in Paris eröffnet, der Einweihung einer neuen Märtyrerkapelle für die Reliquien der Thebäischen Legion, deren Anführer der hl. Mauritius war, und der Eröffnung eines Videowettbewerbs unter dem Motto „Bereit, dein Leben zu verschenken?“.

Es folgt ein intensives sprituelles Programm, das auch die langjährige Bedeutung von Sankt Mauritius als Wallfahrtsort hervorheben soll, um das Film, Musik und Diskussionen gruppiert sind. Mehr dazu kann man auf der eigens eingerichteten Website abbaye1500.ch vornehmlich auf Französische lesen.

Der Ort, früher Agaunum, war schon vor der Klostergründung ein Wallfahrtsort, an dem die sogenannte Thebäische Legion zur Zeit des Diokletian hingemetzelt worden sein soll, weil sie dem christlichen Glauben angehört habe. Verschiedene Historiker haben verschiedene Einheiten identifiziert, die dafür in Frage kommen würden, von Legionen, die Diokletian und Maximinian Ende des 3. Jh. frisch aufgestellt hätten bis zu berittenen Hilfstruppen. Andere bestreiten die Tat, weil sie in manchen Quellen nicht vorkomme, die sie doch erwähnen müssten.

Man darf dabei allerdings drei Dinge nicht vergessen: Die Legion wurde zu Diokletians Zeit oft eher als verwaltungstechnische Einheit betrachtet, während in der Praxis kleinere Abordnungen, die Vexillationen, eingesetzt wurden. Zweitens darf man von Erzählungen darüber in der Regel keine militärisch extakte Bezeichnungen oder Zahlenangaben erwarten, die Schreiber wie Leser nicht geläufig waren; als Kern

bleibt die Vernichtung einer größeren militärischen Einheit aus dem stark christianisierten Osten des Reiches. Drittens ist in den blutigen Kriegen und Bürgerkriegen jener Zeit der Untergang einer solchen Abordnung nicht unbedingt von solcher Tragweite, wo sich doch z.T. sogar die Spuren ganzer Großverbände verlieren.

Die Abtei wurde dann vom hl. Sigismund († 523/524) gegründet, König der Burgunden, nachdem er vom hl. Avitus von Vienne zum katholischen Glauben bekehrt worden war. Später verdächtigte er seinen Sohn Sigrich aus erster Ehe auf Anstiftung seiner zweiten Frau des geplanten Aufstandes und ließ ihn töten; der Überlieferung nach musste er dann aber bemerken, einer Intrige zum Opfer gefallen zu sein und zog sich in das Kloster zur Buße zurück. Bald darauf sollte er Reich und Leben gegen die Franken verlieren.

Das von Sigismund reich ausgestattete Kloster nahm aber weiter eine bedeutsame Rolle ein, war einige Zeit im 9. Jahrhundert gar königliche Residenz. Das Kloster führte im 6. Jahrhundert auch das laus perennis in die Westkirche ein: Die Mönche wurden in fünf Chöre eingeteilt, die über den Tag verteilt zu verschiedenen Zeiten das Chorgebet verrichtetet, so dass dass fortwährend gebetet wurde. Diese Praxis wurde einige Jahrhunderte beibehalten. Seit vielen Jahrhunderten sind es nicht mehr Mönche, sondern Augustiner-Chorherren, die das Kloster bewohnen, und so hat sich auch der Schwerpunkt verlagert, hin zu Seelsorge — besonders in den Pfarreien der Territorialabtei — und Bildung.

Michael Spindelegger: Der letzte christliche Obmann der ÖVP?

Der Rücktritt Michael Spindeleggers ist aus heiterem Himmel gekommen, auch wenn in den meisten Teilen Österreichs am Dienstag morgen Wolken die Sonne verdeckten. Und doch ist er tief verständlich. Denn Spindelegger hat einfach die offizielle Linie der ÖVP aus dem Wahlkampf weiter vertreten – keine neuen Schulden, ausgabenseitige Reformen, dann erst eine deutliche Steuerreform. Anders geht es schon auf Grund der Fiskalregeln der EU nicht. Und genau dafür wurde er medial geprügelt: Von der Kanzlerpartei SPÖ, die es gerade deswegen besser wissen müsste, weil sie die EU-Fiskalregeln mitbeschlossen hat; von den Landesparteiobleuten, die kurzfristigen Populismus der Glaubwürdigkeit der Partei vorziehen. So begründet auch Spindelegger seinen Rücktritt, wie er in seiner lesenswerten Rede erklärt.

Denn: Wie es immer vorkommt, wenn die Umfragewerte der Bundes-ÖVP schlecht sind, verlieren Landesparteiobleute, die vor Landtagswahlen stehen, den Kopf und glauben, durch mediale Heckenschüsse nach Wien zu reüssieren. Das hat zwar nur in seltenen, wohl inszenierten Fällen funktioniert, aber sei’s drum. Der Tipp dieser Politiker besteht meistens darin, die ÖVP solle die Linie der SPÖ in einigen Teilen übernehmen, und nennen das dann Modernisierung oder Vorwärtsstrategie. Dann würde in Wien endlich etwas beschlossen und dort etwas passieren, und das sei doch wesentlich wichtiger als der Inhalt dieser Beschlüsse. Jüngstes Beispiel ist das Einschwenken des Tiroler Landeshauptmanns Günther Platter und seines oberösterreichischen Kollegen Josef Pühringer auf die „Millionärssteuer“ der SPÖ, oder die Liebe in Tirol und anderswo für das sozialdemokratische Gesamtschulmodell.

Fritz Plasser meinte in der „Kleinen Zeitung“, die Logik der Attacken auf Spindelegger habe darin gelegen, dass er eben eine Steuerreform abgelehnt habe und die Landesparteiobleute diese für die Wahlen aber haben wollten. Freilich hat es in den letzten Jahrzehnten noch nie funktioniert, dass eine Partei durch eine Steuerreform Wahlen gewonnen hätte. Die Wähler nehmen die Senkung gerne, die ihnen aber ohnehin nur gibt, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht — dafür wird man nicht gewählt. Abgesehen davon wissen ja die meisten, dass die Steuersenkung von heute das Sparpaket von morgen ist. Ökonomen nennen das auch „ricardianische Äquivalenz“. Für eine große, umfassende Neugestaltung aber sehe ich keine Ideen und keine Mehrheit.

Das seltsame an den jüngsten Attacken war ja das Timing. Erstens war die SPÖ mit ihrem Bemühen, Sonja Ablinger aus dem Parlament herauszuhalten, gerade negativ in den Schlagzeilen; auch die Nominierung von Doris Bures als Nachfolgern von Barbara Prammer kam nicht überall gut an. Offenbar halten es Platter & Co nicht aus, wenn die SPÖ zu lange negativ in den Schlagzeilen ist. Zweitens war ja erst vor zwei Wochen Michael Spindeleggers Vater verstorben; diesen Samstag war das Begräbnis. Gerade in den Tagen vor dem Begräbnis musste Spindelegger wieder besondere parteinterne Breitseiten einstecken. Solche Boshaftigkeit ist nicht leicht zu verkraften.

Was bleibt? Der Abgang eines Politikers, dem Freund wie Feind Fleiß, Freundlichkeit, Korrektheit bescheinigen, ein hohes Maß an Loyalität und Leidensfähigkeit. Allerdings oft auch ein schlechtes Gespür für den richtigen Zeitpunkt, und dafür, wie man die eigene Linie kommuniziert. Damit meine ich nicht, dass richtige Kommunikation Erfolg bedeutet, wie es Politiker nach Wahlniederlagen gerne suggerieren („Wir müssen nur besser kommunizieren“), sondern, dass in vielen Fällen die Argumente für Spindeleggers Linie nur für Hochinteressierte klar zu erkennen waren. Mit Spindelegger verliert die ÖVP auch einen christlich-sozialen Politiker, der, wie Spindeleggerskonkrete Hilfe für verfolgte Christen zeigt, nicht nur im Wahlkampf an das „hohe C“ gedacht hat. Es hat seinen Grund, dass Christoph Kardinal Schönborn Spindelegger ausdrücklich würdigt. Weit und breit ist kein Nachfolger in Sicht, der in gleicher Weise eine ernsthafte christliche Prägung mitbringen würde.

Update: Die Überschrift war natürlich etwas reißerisch; die ÖVP-Chefs werden wohl auch in nächster Zeit getaufte Christen sein. Aber zweifellos wird der designierte Obmann Reinhold Mitterlehner kein besonders offenes Ohr mehr für viele Themen haben, in denen christliche Überzeugungen mit dem Mainstream kollidieren.

Assumpta est Maria

Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist ein besonderes Fest der Hoffnung, das daher schon früh die Phantasie der Menschen angeregt hat. Legenden begannen, sich um Maria Himmelfahrt zu ranken; und viele Künstler beschäftigten sich ebenfalls mit dem Motiv des Festes.

So selbstverständlich auch der große Giovanni Pierluigi da Palestrina, der die sechsstimmige Motette „Assumpta est Maria“ zu Ehren der leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel komponiert hat. Offenbar zu allgemeinem Wohlgefallen, denn auf Grundlage der Motette schuf Palestrina auch eine Messe gleichen Namens. Mehr zur Motette kann man z.B. [hier bei Luis C.F. Henriques nachlesen](http://luiscfhenriques.com/giovanni-p-da-palestrinas-assumpta-est-maria/ “Luis C.F. Henrique: Giovanni P. da Palestrina’s Assumpta Est Maria”). Und anhören kann man sie natürlich auch:

Der Text dieses ersten Teils der Motette lautet:

Assumpta est Maria in caelum, gaudent angeli,
laudantes benedicunt Dominum.
Gaudete et exsultate omnes recti corde.
Quia hodie Maria virgo
cum Christo regnat in aeternum

Aufgenommen ist Maria in den Himmel, freuen sich die Engel,
lobend preisen sie den Herrn.
Freut euch und frohlockt alle mit aufrichtigem Herzen.
Denn heute herrscht die Jungfrau Maria
mit Christus in Ewigkeit.

Der Papst in Südkorea

Heute, am Nachmittag des 13. August, ist also Papst Franziskus zu einer Reise in die Republik Korea aufgebrochen, die bis Montag dauern wird. Auf einer Übersichtsseite zur Papstreise sind schon die wesentlichen Punkte zu finden. Das genaue Programm des Besuchs in Südkorea kann ebenso auf der Website des Vatikan nachlesen.

In Südkorea gibt es eine blühende katholische Gemeinde mit etwa 5,5 Millionen Gläubigen, etwas mehr als 10% der Gesamtbevölkerung. Der Glauben dieser Menschen strahlt aber weit über ihre eigene Gruppe hinaus. Und er manifestiert sich in Südkorea auch in Schulen, Krankenhäusern bis hin zur Katholischen Universität, die auch von Nicht-Katholiken geschätzt werden. Dass die Lage der Christen in Südkorea nicht immer so rosig war, daran wird am Samstag die Seligsprechung von Paul Yun Ji-Chung und 123 weiterer Märtyrer erinnern.

Und wie schnell sich alles wieder zum Schlechten ändern kann, daran erinnert Nordkorea jeden Tag. Gerade in Pjöngjang gab es viele Katholiken, bei Tokwon auch eine Benedikterabtei. Durch die brutale Unterdrückung jeder anderen Religion als des kommunistischen Staatskults wurden die Katholiken aber in den Untergrund gedrängt. Der letzte Bischof von Pjöngjang verschwand in einem Lager, wo er vermutlich umgebracht wurde. Der Besitz von Bibeln ist bei Todesstrafe verboten. Es gibt allerdings eine staatlich kontrollierte priesterlose Mini-Gemeinde in Pjöngjang, die 1988 wohl für Propagandazwecke gestattet wurde.

Machen beschweren sich, wie der Papst angesichts des Mordens im Nahen Osten der Einladung der Südkoreaner nur folgen könne. Das ist zu politisch gedacht; verkennt, wie enttäuscht Millionen Menschen wären, die sich schon lange auf diesen Besuch vorbereitet haben; verkennt noch mehr, dass in Ostasien Christen in vielen Gebieten unterdrückt werden und Unterstützung brauchen. Unterstützung, die ihnen auch ein Besuch des Papstes in Ostasien geben wird.

MH17: Warten auf Farnborough

Der Flug MH17 stürzte vor einem Monat auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur ab. Fünf Tage später übergaben die Separatisten, die den Flugschreiber geborgen hatten, das Gerät an Vertreter Malaysias. Über Zwischenstationen gelangte der Flugschreiber schließlich zur Auswertung ins britische Farnborough, und die Welt wartet immer noch auf ein Ergebnis, wie uns die „Presse“ erinnert.

Aber eigentlich wartet sie ohnehin nicht. EU und USA haben den Absturz als Vorwand für weitere Sanktionen gegen Russland genutzt, Russland wiederum zur Streuung nützlicher Verschwörungstheorien. Was wirklich an jenem 12. Juli geschehen ist, ist anscheinend unwichtig. Was man darüber glaubt, welcher Erzählung man folgt, ist für die handelnden Akteure wesentlich wichtiger. Es besteht auch jetzt schon kein Zweifel, dass jedes Untersuchungsergebnis als Bestätigung der jeweils eigenen Tätertheorie gesehen werden wird.

Freilich: Die schleppende Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen drängt die Vermutung geradezu auf, das Resultat sei politisch zumindest brisant, wahrscheinlich unerwünscht. Schließlich wurde in anderen Fällen zu vergleichbaren Zeitpunkten die Öffentlichkeit über eine Art Zwischenstand informiert, während es bis zum endgültigen Bericht verständlicherweise oft viele Monate dauern kann. Es muss aber das alles nicht heißen, was wir glauben, dass es heißt. Denn: Nimm niemals Böswilligkeit an, wenn Dummheit hinreichend ist.

Das unverhüllte Gesicht des Bösen

Es gibt Ereignisse, wo das Böse unverhüllt sein Gesicht zeigt. Zweifellos ist das nun im Irak und Syrien der Fall, wo die Kämpfer des „Islamischen Staates“ für ihre Errichtung eines Kalifats morden und brandschatzen. Sie kreuzigen Kinder, begraben Frauen bei lebendigem Leib, sehen Vergewaltigung als besonderen Dienst im Dschihad.

Dass Revolutionäre zu unfassbaren Gräueltaten bereits sind, ist bekannt. Doch die rohe, menschenverschlingende Brutalität des Islamischen Staats um Abu Bakr Al-Baghdadi verschlägt mir den Atem. Alles soll im Blut ersticken, was nicht seiner Vision des Islam folgt. Christen, Juden und Jesiden zuerst, dann auch alle Schiiten und diejenigen Sunniten, die nicht rechtgläubig genug sind. Alawiten und Drusen sowieso. Die Grenze seines Staates ist die Welt: Solange es Gebiete gibt, die nicht seinem Kalifat unterstehen, ist sein Werk nicht vollbracht.

John Gray zeigt übrigens anschaulich, warum der Islamische Staat kein Relikt des Mittelalters ist, sondern Ausdruck der Moderne. Die Wiederholung des Blutdurstes, des Veränderungswillens der Jakobiner oder der Roten Khmer. Daher auch der unbändige Wille, die Vergangenheit auszulöschen, der bereits viele Kunstschätze und archäologische Funde zum Opfer gefallen sind.

Die Unentschlossenheit europäischer und amerikanischer Politiker hat schon tausenden Menschen das Leben gekostet. Die deutsche Bundesregierung kann sich selbst jetzt nicht zu ernsthafter Hilfe durchringen; während die USA zumindest zaghafte Schritte unternehmen, die Kurden im Kampf gegen den Islamischen Staat zu unterstützen, drehen die Europäer Däumchen und haben keine Ahnung, was man gegen IS unternehmen könnte. Dabei sind sie — sind wir — in wesentlich größerer Gefahr als die Vereinigten Staaten, wie Jürgen Streihammer in der „Presse“ trefflich ausführt. Wir sagen bei Gedenkfeiern gerne „Nie wieder“, meinen es aber eindeutig nicht. Selbst dann nicht, wenn es dabei schlussendlich um uns selbst geht.

Der unerquickliche Untergang der SVZ

Der Verlust der Salzburger Volkszeitung wird wahrscheinlich kaum jemandem auffallen; die Leserzahl bewegte sich im niedrigen fünfstelligen Bereich. Für eine Tageszeitung eine recht bescheidene Anzahl. Und trotzdem ist dem Insolvenzantrag der bis dahin kleinsten Tageszeitung Österreichs ein veritabler Skandal vorausgegangen, der den Untergang der SVZ durchaus bemerkenswert macht.

Denn das kleine Blatt, das der oberösterreichische Unternehmer Martin Aistleitner 2005 übernommen hatte, fällt ab 2014 aus einem einzigen Grund um die Presseförderung um: SPÖ und ÖVP einigten sich auf ein neues Kriterium, die Mindestzahl von zwölf hauptamtlichen Journalisten, das sofort anzuwenden ist. So zu lesen im Budgetbegleitgesetz 2014. Interessanterweise war im Ministerialentwurf noch von siebzehn hauptamtlichen Journalisten die Rede; offenbar konnte da ein anderes kleines Blatt — man munkelt von Vorarlberg — erfolgreich intervenieren, das sonst ebenfalls um seine Förderungen umgefallen wäre. Die SVZ, welche die übrigen Kriterien der Presseförderung ohne weiteres erfüllt hatte, musste also im Mai 2014 erfahren, dass sie 2013 besser ein paar Journalisten mehr angestellt hätten, um die bereits beantragte 2014er-Förderung auch zu erhalten.

So konnte man den etwas schrumpfenden Topf der Presseförderung auf weniger Köpfe aufteilen, damit die anderen Tageszeitungen die Kürzung nicht so spüren. Einer Presseförderung, die ihre offiziell gesteckten Ziele ohnehin nicht erreicht. Die regionale Vielfalt konnte schon in anderen Fällen nicht erhalten werden. Von Qualitätssicherung kann sowieso keine Rede sein. Bei den Wochenzeitungen ist es noch etwas besser, die aber alle insgesamt weniger als zwei Millionen Euro Förderung erhalten.

Aistleitner zog jedenfalls die Notbremse, wie der „Standard“ berichtet: Die SVZ wird in Insolvenz geschickt, der Druck eingestellt. Die Website wird es wohl noch eine Weile geben; mit ihren speziellen Rubriken für Lokalnachrichten kann sie auch ohne Zeitung dahinter betrieben werden.

Die Julirevolte

Aus dem Hollerbusch:

Am 25. Juli 1934 wurde der damalige österreichische Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß von den Nationalsozialisten im Zuge des sogenannten Juliputsches ermordet. Zum 80. Jahrestag dieses Ereignisses will ich auf einen längeren Blogeintrag verweisen, den ich vor fünf Jahren eingestellt habe:

Ursprünglich veröffentlicht auf Aus dem Hollerbusch:

Vor 75 Jahren wurde der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuss vom Nationalsozialisten Otto Planetta angeschossen. Ein Ereignis von großer Tragweite für Österreich, das den Tod beider Männer zur Folge hatte. Und mit Dollfuß ein Mann im Mittelpunkt, über den Gudula Walterskirchen in der Presse nicht zu Unrecht schreibt:

Über beinahe alles herrscht heute Einigkeit, was die österreichische Zeitgeschichte betrifft: Man hat ein übereinstimmendes Bild von dem Ende der Monarchie und dem Entstehen der Republik, von der Rolle der politischen Parteien, dem Bürgerkrieg von 1934 und von umstrittenen Persönlichkeiten wie Karl Renner und Ignaz Seipel entwickelt. Einzig bei Engelbert Dollfuß herrscht eine divergierende Sichtweise, die auch 75 Jahre nach seinem Tod nicht gebündelt werden konnte. Hier „Arbeitermörder“, da „Heldenkanzler“.

Engelbert Dollfuß

Engelbert Dollfuß

Ohne Zweifel. Ich will mich nicht in seiner Biographie ergehen, wer sich kurz informieren will, ist (bei so einem heiklen Thema überraschenderweise) auf seinem Wikipedia-Eintrag halbwegs gut bedient, wer ausführliche Lebensbeschreibungen…

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