Budget: Der Weg zum Sparen ist mühsam

Der österreichische Bund hat 2013 fast 76 Milliarden Euro ausgegeben; das entspricht etwa 9.000 Euro pro Kopf vom Baby bis zum Pensionisten. Die größten Portionen davon sind Zahlungen an die Sozialversicherungsträger (9,8 Mrd. Euro), die großteils für Pensionszahlungen verwendet werden, eigene Pensionsverpflichtungen (8,6 Mrd. Euro) und Unterricht, Kunst und Kultur (8,5 Mrd.).

Trotzdem wird gerne — auch von mir — von klammen Budgets gesprochen, wird allerorten Geldnot beklagt. Trotzdem ist der Finanzminister Michael Spindelegger bemüht, durch die Verkündung von Offensivmaßnahmen den Eindruck zu zerstreuen, Österreichs Regierung würde lediglich (unpopuläre) Kürzungen vornehmen.

Es gibt kaum eine bessere Illustration der ökonomischen Axiome, das menschliche Wünsche größer sind als die vorhandenen Ressourcen, und wir daher einen Wettbewerb um die Verwendung dieser knappen Ressourcen haben. Jeder weiß natürlich, dass sein Bereich die Mittel eher verdienen würde und wo sie zu holen wären. Dort gibt es aber meistens ebenso gute Argumente, warum dem eben nicht so ist.

Die Bereiche, in denen theoretisch am ehesten Spielräume im Bundesbudget geschaffen werden können, sind zweifellos die Pensionen und die Sozialversicherungsträger im allgemeinen und der Themenkomplex Bildung und Forschung. Beides eher unwahrwahrscheinlich: Die Pensionisten sind die wichtigste Wählergruppe; Auszahlungsreduktionen bei Bildung und Forschung politisch problematisch und praktisch fragwürdig.

Der Weg zu großen Einsparungen oder gar Steuerreformen ist daher mühsam. Wer simple Rezepte für deutliche Einsparungen zu besitzen glaubt, ist in der Regel ein Schwindler.

Die Ökonomie von Barbie und den Power Rangers

Wer vor Ostern Kinderspielzeug einkaufen musste, dem wird vielleicht aufgefallen sein, dass Spielzeug und Kinderbücher heute viel stärker als vor zehn, zwanzig Jahren nach Geschlechtern stereotypisiert. Sogar Legosteine gibt es in quietschrosa Packungen für Mädchen und eher dunkleren Packungen für Buben. Den Kinderdetektiven der drei Fragezeichen (Buben) werden drei „Ausrufezeichen“ (Mädchen) entgegengesetzt. Bereits bei Kleinstkindgewand gibt es eine scharfe Trennung in rosa Töne einerseits, blau und schlammfarben andererseits. Woher diese größere Polarisierung — und das gerade in Zeiten, in denen unter dem Stichwort „Gender“ von der Auflösung der Geschlechter gesprochen wird?

Die Grundantwort ist simpel: Weil es sich für die Hersteller von Spielzeug, Büchern oder Gewand offenbar auszahlt. Aber warum zahlt es sich aus?

Dem versucht Joshua Gans in einem Blogeintrag auf den Grund zu gehen. Seine drei Erklärungsversuche:

  1. Kinder bestimmen heute wesentlich mit, was gekauft wird. Selbst, wenn das Kind nur eine leichte Präferenz für das stereotypische Spielzeug hat, so vergrößert der Hersteller durch entsprechendes Maßschneidern seines Produktes die Chance darauf, verkaufen zu können. Das Argument kann ähnlich angewandt werden, wenn Dritte für das Kind ein Geschenk einkaufen. Sie werden auf der sicheren Seite sein wollen, und daher typischerweise zum Stereotyp-getreuen Spielzeug greifen.
  2. In Familien mit Geschwistern bzw. mit weiteren Kindern in nächster Verwandtschaft geben Spielzeug weiter, das dank heutiger Sicherheitsvorschriften etc. oft mehrere Kinder aushält. Geschlechtstypisches Spielzeug erhöht die Wahrscheinlichkeit, das für das nächste Kind große Teile des Spielzeugs neu angeschafft werden müssen.
  3. Durch die Schaffung von Marktsegmenten kann man auch höhere Preise verlangen. Deswegen sind ja auch Lizenzprodukte mit bekannten Marken so wichtig, wie etwa die Star-Wars-Franchise für Lego etc.. Gerade, wenn es teilweise Marktmacht gibt (weil man eben Exklusivanbieter gewisser Spielzeugarten, zugkräftiger Lizenzware etc. ist), erhöht sich nun der Anreiz, weiter nach Geschlecht zu differenzieren und diese differenzierten Produkte eher zu vermarkten. Warum? Weil man ebenfalls davon profitiert, dass für Geschwister etc. möglicherweise alles neu gekauft werden muss.

Wer Spielzeugmarken oder etwa Buchreihen etablieren kann, hat zusätzlich einen Lock-In-Effekt: Für das eine Kind wird z.B. eine ganze Batterie an „Mädchenbüchern“ angeschafft — und für das andere dann eine solche von „Bubenbüchern“, jeweils aus klar positionierten Serien der Verlage. Daher sollte ceteris paribus die Differenzierung umso deutlicher sein, je größer die Marktmacht des Herstellers. Da heißt: Je unaustauschbarer das Produkt aus Sicht der Konsumenten ist.

Stimmt es? Das wäre nachzuprüfen. Jedenfalls etwas zum Nachdenken.

(über Tim Harford)

Das „Evangelium von der Frau Jesu“

Ostern, das ist nicht nur die Feier der Auferstehung Jesu, sondern auch die jährliche Wiederkehr der Jesus-Aufreger-Story. Diesmal durfte etwa ein Papyrus-Fragment herhalten, das schon vor zwei Jahren durch die Medien geisterte. Siehe etwa hier in der „Presse“. „Aufregende“ Behauptung: Jesus hätte gemeint, Maria Magdalena wäre würdig, seine Schülerin zu sein. Subtext: Sie wäre seine Ehefrau gewesen. So hat es zumindest die Universitätprofessorin Karen L. King, eine auf Gender-Fragen spezialisierte Religionswissenschafterin, damals der Öffentlichkeit präsentiert: „The Gospel of Jesus’s Wife“ — das Evangelium von Jesu Frau. Harvard, wo King unterrichtet, hat dem öffentlichkeitswirksamen Projekt auch einen schönen Webauftritt unter gospelofjesusswife.hds.harvard.edu spendiert.

2012 wurde das Fragment bald als Fälschung entlarvt. Der Text sei aus aus Teilen des sogenannten Thomasevangeliums montiert, insbesondere mit Hilfe der koptisch-englischen Interlinearübersetzung von Michael Grodin, wie Andrew Bernhard anschaulich demonstriert. Hauptquellen waren die Sprüche 30, 45, 101 und 114, wobei die Ausschnitte eindeutig von modernen Editionen des nur teilweise erhaltenen Texts abhängen. Dabei wurde etwa ein Flüchtigkeitsfehler aus Grondins Ausgabe übernommen: Die Markierung des direkten Objekts fehlt in der ersten Zeile. Der Autor hat die Passagen teilweise von männlich auf weiblich umgearbeitet bzw. von verneint auf positiv. Dabei haben sich auch Grammatikfehler eingeschlichen, die für Muttersprachler untypisch wären, wohl aber für jemanden, der etwa aus dem Englischen übersetzt; dadurch wird etwa ein Verb mit zwei inkompatiblen Präfixen versehen.

Nun hat Prof. King es aber nicht dabei bewenden lassen. Wer will schon einem Fälscher aufgesessen sein? Also hat sie Gutachten in Auftrag geben lassen, die beweisen, dass der Papyrus wahrscheinlich aus dem — Trommelwirbel! — achten oder neunten Jahrhundert stammt. Die erste C14-Datierung hat übrigens stattdessen ein Alter vor Christi Geburt ergeben; deswegen wurde eine zweite durchgeführt. Die Tinte wiederum ist zumindest aus Produkten, wie sie damals (wie heute) verfügbar waren, womit nicht ausgeschlossen ist, dass die Beschriftung nicht ebenso alt ist. Genauso gut könnte die Tinte aber auch erst vor einigen Jahren aufgetragen worden sein, denn das Alter der Tinte (bzw. ihrer Bestandteile) konnte nicht gesondert bestimmt werden. Das paläographische Gutachten ist ebenfalls unschlüssig.

Leo Depuydt argumentiert daher im Harvard Theological Review weiterhin dafür, dass es sich um eine Fälschung handelt. Es ist ja auch bei Gemälden häufig so, dass alte Tafeln für neue Fälschungen verwendet werden; genauso können etwa unbeschriebene Teile (z.B. Ränder) alter Papyri für die Fälschung von Fragmenten recycelt werden.

Auch Francis Watson, der schon 2012 für eine Fälschung argumentiert hatte, sieht keinen Grund für eine Revision, da das Alter des Papyrus nur eine Untergrenze für das Alter des Texts angibt, in die Moderne hin aber keine Beschränkung darstellt. Relevanter wäre wohl ein Nachweis, dass etwa die gefundenen Grammatikfehler auch in alten koptischen Texten plausibel sind. Dieser wurde bis jetzt aber nicht angegetreten.

Hier übrigens die englische Übersetzung des Fragments durch Professor King:

recto:

1 ] “not [to] me. My mother gave to me li[fe…”
2 ] .” The disciples said to Jesus, “.[
3 ] deny. Mary is (not?) worthy of it [
4 ]…” Jesus said to them, “My wife . .[
5 ]… she is able to be my disciple . . [
6 ] . Let wicked people swell up … [
7 ] . As for me, I am with her in order to . [
8 ] . an image … [

verso

1 ] my moth[er
2 ] thr[ee
3 ] … [
4 ] forth …[
5-6 ] (untranslatable) [

PS Theologisch ist das Ganze ohnehin uninteressant. Ein kleiner Vergleich: Wenn man jetzt einen Text aus dem 19. Jahrhundert fände, in dem seitenweise geschrieben würde, Kaiser Friedrich Barbarossa sei der Begründer der ersten deutsch-liberalen Burschenschaft gewesen, so bewiese das lediglich, dass jemand im 19. Jahrhundert genügend Phantasie für einen solchen Text gehabt hätte. Deswegen würde man die Geschichtsbücher auch nicht umschreiben, so romantisch für Andreas Mölzer & Co. eine Vorverlegung der Gründung ihrer Vereine ins Mittelalter vielleicht auch wäre.

Halleluja!

Der Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses Wunder.
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat;
wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.
Ps 117 (H 118), 22-24

Allen ein gesegnetes, frohes und friedliches Osterfest!

Heil’ges Kreuz, sei hoch verehret

Kreuzabnahme Christi, Codex Egberti, Fol. 85v

Kreuzabnahme Christi, Codex Egberti, Fol. 85v

  1. Heilges Kreuz, sei hoch verehret,
    Baum, an dem der Heiland hing,
    wo sich seine Lieb’ bewähret,
    Lieb’, die bis zum Tode ging.

    R. Sei mit Mund und Herz verehret,
    Kreuzstamm Christi, meines Herrn.
    Einstmals seh’n wir dich verkläret,
    strahlend gleich dem Morgenstern.

  2. Heilges Kreuz, sei unsre Fahne,
    die uns führt durch Kampf und Not,
    die uns halte, die uns mahne,
    treu zu sein bis in den Tod.

  3. Heilges Kreuz, du Siegeszeichen,
    selig, wer auf dich vertraut.
    Sicher wird sein Ziel erreichen,
    wer auf dich im Leben schaut.

  4. Kreuz, du Denkmal seiner Leiden,
    präg’ uns seine Liebe ein,
    dass wir stets die Sünde meiden,
    stets gedenken seiner Pein.

In Österreich wird in der Fastenzeit, besonders auf Kreuzwegen, oft dieses alte Volksmissionslied gesungen, das uns in den dunklen Kartagen daran erinnert, dass das Kreuz ein Leidens-, aber auch Liebeszeichen, ein Sterbens-, doch auch Heilszeichen ist. Das Lied kann man als MP3 anhören.

Die sieben Kreuz-Worte

Kreuzigung Christi. (Limoges Émail, KGM Berlin)

Kreuzigung Christi. (Limoges)

  1. O Jesu, deine Sieben Wort,
    Mit denen du am Kreuze dort
    Hast gute Nacht gegeben,
    Die lass einst selig führen fort
    Auch mich aus diesem Leben.

  2. Lass mich vergeben meinem Feind
    Und sterben aller Menschen Freund,
    Von gutem Herzen bitten
    Vor jeden, der es bös gemeint,
    Dies waren deine Sitten.

  3. Lass mich bestellen wohl mein Haus,
    Mein Gut den meinen teilen aus,
    Versorgt sie hinterlassen,
    Vorsorgen auch um eine Klaus,
    Den Leib ins Grab zufassen.

  4. Gib, dass nach deinem Paradeis
    Im Ende meiner Lebensreis
    Mög’ meine Seel’ verlangen.
    lass nach dem Tod am Himmelskreis
    Mich als ein Sternlein prangen.

  5. Dein Geist mir schreien helf’ im Tod:
    Lass mich nit in der letzten Not
    Von Gott verlassen werden.
    Der Tod mir rufe als dein Bot
    Gen Himmel von der Erden.

  6. Alsdann, wann meine Sünd’ in mir
    Sich reget und mich dürst’ nach dir,
    So lass mich nicht verzagen.
    Tröst’ mich durch deinen Diener hier,
    lass mich die Not ihm klagen.

  7. Kommt aller meiner Tage Nacht,
    So lass mich dein „Es ist vollbracht“
    Mit Freuden dir nachsprechen.
    Gib mir auch, dass fein sanft und sacht
    Mir Herz und Augen brechen.

  8. Den Geist, wann er nun reisen soll,
    Dein Geist mir helf’ empfehlen wohl
    Zu deines Vaters Händen.
    Die Seel’ dein Engel zu dir hol,
    So kann ich selig enden.

  9. Wann ich mit dir stimm’ also an,
    Werd’ ich dir nach mich als ein Schwan
    Gen Himmel können schwingen.
    Lass, Jesu, auf der Todesbahn
    Mich zu dem Leben dringen.

– Sigmund von Birken (*1626, † 1681)
(Quelle: zeno.org)

Die Karwoche, das ist hier und jetzt

Wer bin ich vor dem Herrn?, fragt Papst Franziskus. Wer bin ich in den Tagen des feierlichen Einzugs, in den Tagen des Leidens und Sterbens, am Tag der Auferstehung?

In Elsas Nacht(b)revier finden sich dazu sehr schöne Gedanken, ausgehend von der „Gebrechlichkeit der menschlichen Natur“.

Diese Gebrechlichkeit war Jesus vertraut, ist der Kirche vertraut. Deswegen bedürfen wir der Vergebung, Liebe, Barmherzigkeit. Deswegen ist die Vergebung der Sünden eine so wichtige Vollmacht, die Jesus seinen Jüngern erteilt. Deswegen ist das Sakrament der Buße ein so kostbares: Kostbar erkauft, kostbar für uns selbst.

Die Geschehnisse der Karwoche und die Auferstehung sind daher keine abgeschlossenen, vergangenen Dinge; sie sind Gegenwart, wirken hier und jetzt. Am Gründonnerstag sagt der Priester im I. Hochgebet nicht ohne Grund: „Am Abend, bevor er für unser Heil und das Heil aller Menschen das Leiden auf sich nahm – das ist heute -,“

Wer immer wir in den Geschehnissen der Karwoche sind, so ist uns aber die Umkehr zu Gott nicht versperrt.

Einer der Schächer, ein verurteilter Verbrecher, bekehrte sich noch am Kreuz. Einer der Soldaten, die ja mit Jesu ihren Spott trieben, bekannte Jesu’ Gottheit nach der Kreuzigung. Petrus verleugnet den Herrn in jener Nacht dreimal, und wird doch von Jesus nachher aufgefordert, seine Herde zu führen. Die mutlosen Jünger werden bald mutvoll in die ganze Welt ausgesandt, um von der Auferstehung zu berichten. Aus dem Volk, das Jesu’ Kreuzigung gefordert hatte, ließen sich zu Pfingsten und danach viele taufen.

Einzig über den römischen Statthalter und die verantwortlichen Hohepriester weiß die Schrift kein Bekehrungserlebnis zu berichten; freilich gibt es eine ostkirchliche Tradition einer solchen. All den Beispielen ist gemeinsam, dass sich die Betroffenen schließlich von Jesus anrühren ließen, dass sie nachdenklich geworden sind, ihr eigenes Handeln neu bewertet haben.

Jesus betet am Kreuz, in der dunkelsten Stunde: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Als sie aber wussten, was sie getan hatten, bekehrten sie sich. Wer aber weiß und sich nicht bekehrt –

Das bringt mich noch zu einem kurzen Gedanken. Mit Kreuzigung und Auferstehung ist auch die Symbolik des Jüngsten Gerichts verwoben, wenn Recht und Gerechtigkeit wieder eins werden. Dieses Gericht wurde lange nicht unbedingt als Drohung empfunden, sondern als erlösendes Versprechen angesichts des Ungerechtigkeit in der Welt. Diese Ungerechtigkeit kann man aber nicht durch noch mehr Ungerechtigkeit bekämpfen.

Im 1. Petrusbrief heißt es: „Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.“ Denn so heißt es schon bei Jesus Sirach: „Wer sich rächt, an dem rächt sich der Herr; dessen Sünden behält er im Gedächtnis. Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben. Der Mensch verharrt im Zorn gegen den andern, vom Herrn aber sucht er Heilung zu erlangen?“

Jesus durchbricht die Spirale der sich gegenseitig steigernden Gehässigkeiten und Ungerechtigkeiten. Und er lädt zu einem Gericht, das alle Ungerechtigkeit beseitigen wird. „Herrlich ist das für all seine Frommen.“ (Ps 149,9)

Osterhase, Osterhenne oder Osterfuchs?

In wenigen Tagen hoppelt der Osterhase wieder durch Gras und Blumen, oder auch über Parkett- und Fliesenböden, zu vielen Familien und bringt ungesehenerweise Geschenke mit. Das war nicht immer überall so. In manchen Gegenden brachte der Fuchs etwas mit, in anderen der Storch. Kinderbücher, Werbung, das allgegenwärtige Fernsehen haben dann alles auf den Hasen fokussiert.

Das kleine Geschenk, das waren früher ausschließlich verzierte Eier, die nach der fleisch- und eierlosen Fastenzeit als Festzeichen verschenkt wurden. Nach der Speisensegnung. Es gibt jetzt zwei Geschichten, wie es zum Osterhasen als Bringer der Eier kam.

Die eine sagt, ursprünglich hätte man eben nach der österlichen Speisensegnung die rot gefärbten Eier verschenkt. Das Ei als Symbol des Lebens und der Auferstehung, rot für das Blut Christi. Nach der Reformation wollten viele evangelische Eltern an dem Eierbrauch festhalten, und machten kurzerhand aus dem gesegneten Ostereiern vom Hasen gebrachte. Dafür spricht, dass die Geschichte vom Osterhasen erstmals im 17. Jahrhundert überliefert ist.

Die andere sagt, man wollte den Kindern einfach mit den verzierten Eiern eine Freude machen, und die ist bekanntlich mit „versteckten“ Eiern noch größer. Wie aber die Eier erklären? Von Hennen können sie ja wohl nicht stammen, die legen keine bunten Eier. So sollen verschiedene andere Tiere, die auch mit Fruchtbarkeit assoziiert werden können, herangezogen worden sein. Die beiden Stories kann man freilich auch kombinieren.

Mit Sicherheit falsch ist die auch heute noch gern kolportierte Geschichte vom germanischen Frühlingsfest, bei dem Hasen eine große Rolle gespielt haben sollen. Das beruht in der Regel im Kern auf einer Fehlinterpretation Jakob Grimms, der aus einer Bemerkung des Beda Venerabilis eine hypothetische Göttin Ostara konstruiert hat, die aber in der nordischen Sagenwelt oder Zeugnissen von Chronisten unbekannt ist.

Adenauer, der Große Krieg und die Sojawurst

Dass der Große Krieg (1914-1918) vor knapp hundert Jahren begann, wirft seine Schatten publizistisch weit voraus. So hat die BBC eine Liste von zehn Erfindungen veröffentlicht, die entweder im Ersten Weltkrieg gemacht wurden oder durch ihn Verbreitung fanden (vor allem zweiteres). Neben Armbanduhren und der Sommerzeit, die übrigens auch in Österreich-Ungarn im Krieg eingeführt wurde, findet sich auch eine Sojawurst, die ein gewisser Konrad Adenauer in Zeiten des Nahrungsmangels erfunden hat. Wenn es schon kaum Fleisch gab, so sollten die Leute zumindest eine nahrhafte Ersatzvariante auf den Teller zaubern können.

Der spätere deutsche Bundeskanzler war übrigens auch sonst ein umtriebiger Erfinder, wovon man sich auch im Adenauerhaus überzeugen kann, in dem einige seiner Erfindungen ausgestellt sind. Sie wurden zwar kein durchschlagender Erfolg, zeigen aber den kreativen Kopf, der Köln erfolgreich durch die Weimarer Republik und Westdeutschland durch die Nachkriegszeit lotste.

Wer also das nächste Mal in das Oxymoron „vegetarische Wurst“ beißt, weiß, an wen er dabei zu denken hat.

Die Geldfalken liegen daneben: Deflation ist für Spanien kein Rezept

Inflation mag irgendwie fast niemand. Und wäre es nicht sogar toll, wenn das Geld immer mehr wert würde? Und doch wird die Deflation, also die negative Inflation in einigen Ländern der Eurozone von der EZB als großes Problem gesehen. Für Anhänger einer Hartwährungspolitik, klassische Liberale etc. ist diese Position oft unverständlich, wie man z.B. an Hand zwei Links des österreichischen Journalisten Christian Ortner (hier zur NZZ und hier zum Ludwig von Mises-Institut) nachlesen kann.

Nun sind sinkende Preise kein Problem, wenn sie nicht mit sinkenden Einkommen einhergehen, sondern Ausdruck gestiegener Produktivität sind, wie George Selgin schon vor längerer Zeit argumentiert hat. Er plädiert dabei für eine „Produktivitätsnorm“ der Geldpolitik, die seiner Meinung nach Parallelen mit dem Nominaleinkommen als geldpolitischem Ziel aufweisen würde.

Doch in Spanien und Griechenland ist die Situation eine andere:

  • Die sinkenden oder stagnierenden Preise sind Ausdruck kollabierender Nominaleinkommen. In beiden Ländern sind nicht nur der Staat, sondern auch die privaten Haushalte verschuldet, und können auf Grund dieser sinkenden Einkommen ihre Schulden auch immer schwerer bedienen, deren Konditionen ja unter anderen inflationären Bedingungen vereinbart wurden.
  • Dann schlägt auch noch der gemeinsame Währungsraum zu, der zwar zu keiner homogenen Zinslandschaft, aber zumindest zu vergleichbaren Zinsen mit gemeinsamer Basis geführt hat. Daher — siehe die Fisher-Gleichung — bedeutet das große Inflationsdifferential zwischen Spanien und etwa Österreich, dass die Realzinsen in Spanien deutlich höher sind. Kreditfinanzierte Investitionen sind schon wegen der unsicheren Wirtschaftslage eher unwahrscheinlich; die Zinssituation benachteiligt die Investitionen ebenfalls.
  • Der Wert des Geldes ist im Endeffekt Vertrauenssache (egal ob Gold, Silber oder Papier); Geldpolitik funktioniert daher sehr stark über Erwartungskanäle. Die EZB hatte jahrelang eine Inflationsrate von 2% als ihr Ziel vorgegeben und kommuniziert, so dass auch viele Verträge eine solche Inflation eingepreist haben. Nicht nur für Spanien hat die EZB dieses Ziel aber seit Jänner 2013 verfehlt. Momentan wird der Harmonisierte Verbraucherpreisindex für Dezember 2013 mit 0,8% angegeben. Das relativiert auch alle Behauptungen, die EZB flute den Markt mit Geld. Vielmehr stützt sie hauptsächlich die Banken durch Liquidität, die in der Doppelmühle strengerer Vorschriften der Bankenaufsicht bezüglich Eigenkapital einerseits und Bilanzbereinigung wegen der Krise andererseits gefangen sind. Dieses Geld kommt aber am Markt auf Grund der drastisch gesunkenen Geldschöpfung der Banken gar nicht an. Übers Jahr sind die Kredite an private Haushalte in der Eurozone 2013 um 2,3% zurückgegangen, es findet eine Verschiebung weg von langfristigen Anlagen hin zu Bargeld und Sichteinlagen statt.

Das ändert nichts daran, dass Österreichs Inflationsrate hausgemacht 1,2 Prozentpunkte über der europäischen lag — und das aus verschiedenen Gründen nicht zu begrüßen ist. Aber dazu vielleicht ein andermal.