Halleluja!

Der Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses Wunder.
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat;
wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.
Ps 117 (H 118), 22-24

Allen ein gesegnetes, frohes und friedliches Osterfest!

Heil’ges Kreuz, sei hoch verehret

Kreuzabnahme Christi, Codex Egberti, Fol. 85v

Kreuzabnahme Christi, Codex Egberti, Fol. 85v

  1. Heilges Kreuz, sei hoch verehret,
    Baum, an dem der Heiland hing,
    wo sich seine Lieb’ bewähret,
    Lieb’, die bis zum Tode ging.

    R. Sei mit Mund und Herz verehret,
    Kreuzstamm Christi, meines Herrn.
    Einstmals seh’n wir dich verkläret,
    strahlend gleich dem Morgenstern.

  2. Heilges Kreuz, sei unsre Fahne,
    die uns führt durch Kampf und Not,
    die uns halte, die uns mahne,
    treu zu sein bis in den Tod.

  3. Heilges Kreuz, du Siegeszeichen,
    selig, wer auf dich vertraut.
    Sicher wird sein Ziel erreichen,
    wer auf dich im Leben schaut.

  4. Kreuz, du Denkmal seiner Leiden,
    präg’ uns seine Liebe ein,
    dass wir stets die Sünde meiden,
    stets gedenken seiner Pein.

In Österreich wird in der Fastenzeit, besonders auf Kreuzwegen, oft dieses alte Volksmissionslied gesungen, das uns in den dunklen Kartagen daran erinnert, dass das Kreuz ein Leidens-, aber auch Liebeszeichen, ein Sterbens-, doch auch Heilszeichen ist. Das Lied kann man als MP3 anhören.

Die sieben Kreuz-Worte

Kreuzigung Christi. (Limoges Émail, KGM Berlin)

Kreuzigung Christi. (Limoges)

  1. O Jesu, deine Sieben Wort,
    Mit denen du am Kreuze dort
    Hast gute Nacht gegeben,
    Die lass einst selig führen fort
    Auch mich aus diesem Leben.

  2. Lass mich vergeben meinem Feind
    Und sterben aller Menschen Freund,
    Von gutem Herzen bitten
    Vor jeden, der es bös gemeint,
    Dies waren deine Sitten.

  3. Lass mich bestellen wohl mein Haus,
    Mein Gut den meinen teilen aus,
    Versorgt sie hinterlassen,
    Vorsorgen auch um eine Klaus,
    Den Leib ins Grab zufassen.

  4. Gib, dass nach deinem Paradeis
    Im Ende meiner Lebensreis
    Mög’ meine Seel’ verlangen.
    lass nach dem Tod am Himmelskreis
    Mich als ein Sternlein prangen.

  5. Dein Geist mir schreien helf’ im Tod:
    Lass mich nit in der letzten Not
    Von Gott verlassen werden.
    Der Tod mir rufe als dein Bot
    Gen Himmel von der Erden.

  6. Alsdann, wann meine Sünd’ in mir
    Sich reget und mich dürst’ nach dir,
    So lass mich nicht verzagen.
    Tröst’ mich durch deinen Diener hier,
    lass mich die Not ihm klagen.

  7. Kommt aller meiner Tage Nacht,
    So lass mich dein „Es ist vollbracht“
    Mit Freuden dir nachsprechen.
    Gib mir auch, dass fein sanft und sacht
    Mir Herz und Augen brechen.

  8. Den Geist, wann er nun reisen soll,
    Dein Geist mir helf’ empfehlen wohl
    Zu deines Vaters Händen.
    Die Seel’ dein Engel zu dir hol,
    So kann ich selig enden.

  9. Wann ich mit dir stimm’ also an,
    Werd’ ich dir nach mich als ein Schwan
    Gen Himmel können schwingen.
    Lass, Jesu, auf der Todesbahn
    Mich zu dem Leben dringen.

– Sigmund von Birken (*1626, † 1681)
(Quelle: zeno.org)

Die Karwoche, das ist hier und jetzt

Wer bin ich vor dem Herrn?, fragt Papst Franziskus. Wer bin ich in den Tagen des feierlichen Einzugs, in den Tagen des Leidens und Sterbens, am Tag der Auferstehung?

In Elsas Nacht(b)revier finden sich dazu sehr schöne Gedanken, ausgehend von der „Gebrechlichkeit der menschlichen Natur“.

Diese Gebrechlichkeit war Jesus vertraut, ist der Kirche vertraut. Deswegen bedürfen wir der Vergebung, Liebe, Barmherzigkeit. Deswegen ist die Vergebung der Sünden eine so wichtige Vollmacht, die Jesus seinen Jüngern erteilt. Deswegen ist das Sakrament der Buße ein so kostbares: Kostbar erkauft, kostbar für uns selbst.

Die Geschehnisse der Karwoche und die Auferstehung sind daher keine abgeschlossenen, vergangenen Dinge; sie sind Gegenwart, wirken hier und jetzt. Am Gründonnerstag sagt der Priester im I. Hochgebet nicht ohne Grund: „Am Abend, bevor er für unser Heil und das Heil aller Menschen das Leiden auf sich nahm – das ist heute -,“

Wer immer wir in den Geschehnissen der Karwoche sind, so ist uns aber die Umkehr zu Gott nicht versperrt.

Einer der Schächer, ein verurteilter Verbrecher, bekehrte sich noch am Kreuz. Einer der Soldaten, die ja mit Jesu ihren Spott trieben, bekannte Jesu’ Gottheit nach der Kreuzigung. Petrus verleugnet den Herrn in jener Nacht dreimal, und wird doch von Jesus nachher aufgefordert, seine Herde zu führen. Die mutlosen Jünger werden bald mutvoll in die ganze Welt ausgesandt, um von der Auferstehung zu berichten. Aus dem Volk, das Jesu’ Kreuzigung gefordert hatte, ließen sich zu Pfingsten und danach viele taufen.

Einzig über den römischen Statthalter und die verantwortlichen Hohepriester weiß die Schrift kein Bekehrungserlebnis zu berichten; freilich gibt es eine ostkirchliche Tradition einer solchen. All den Beispielen ist gemeinsam, dass sich die Betroffenen schließlich von Jesus anrühren ließen, dass sie nachdenklich geworden sind, ihr eigenes Handeln neu bewertet haben.

Jesus betet am Kreuz, in der dunkelsten Stunde: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Als sie aber wussten, was sie getan hatten, bekehrten sie sich. Wer aber weiß und sich nicht bekehrt –

Das bringt mich noch zu einem kurzen Gedanken. Mit Kreuzigung und Auferstehung ist auch die Symbolik des Jüngsten Gerichts verwoben, wenn Recht und Gerechtigkeit wieder eins werden. Dieses Gericht wurde lange nicht unbedingt als Drohung empfunden, sondern als erlösendes Versprechen angesichts des Ungerechtigkeit in der Welt. Diese Ungerechtigkeit kann man aber nicht durch noch mehr Ungerechtigkeit bekämpfen.

Im 1. Petrusbrief heißt es: „Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.“ Denn so heißt es schon bei Jesus Sirach: „Wer sich rächt, an dem rächt sich der Herr; dessen Sünden behält er im Gedächtnis. Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben. Der Mensch verharrt im Zorn gegen den andern, vom Herrn aber sucht er Heilung zu erlangen?“

Jesus durchbricht die Spirale der sich gegenseitig steigernden Gehässigkeiten und Ungerechtigkeiten. Und er lädt zu einem Gericht, das alle Ungerechtigkeit beseitigen wird. „Herrlich ist das für all seine Frommen.“ (Ps 149,9)

Osterhase, Osterhenne oder Osterfuchs?

In wenigen Tagen hoppelt der Osterhase wieder durch Gras und Blumen, oder auch über Parkett- und Fliesenböden, zu vielen Familien und bringt ungesehenerweise Geschenke mit. Das war nicht immer überall so. In manchen Gegenden brachte der Fuchs etwas mit, in anderen der Storch. Kinderbücher, Werbung, das allgegenwärtige Fernsehen haben dann alles auf den Hasen fokussiert.

Das kleine Geschenk, das waren früher ausschließlich verzierte Eier, die nach der fleisch- und eierlosen Fastenzeit als Festzeichen verschenkt wurden. Nach der Speisensegnung. Es gibt jetzt zwei Geschichten, wie es zum Osterhasen als Bringer der Eier kam.

Die eine sagt, ursprünglich hätte man eben nach der österlichen Speisensegnung die rot gefärbten Eier verschenkt. Das Ei als Symbol des Lebens und der Auferstehung, rot für das Blut Christi. Nach der Reformation wollten viele evangelische Eltern an dem Eierbrauch festhalten, und machten kurzerhand aus dem gesegneten Ostereiern vom Hasen gebrachte. Dafür spricht, dass die Geschichte vom Osterhasen erstmals im 17. Jahrhundert überliefert ist.

Die andere sagt, man wollte den Kindern einfach mit den verzierten Eiern eine Freude machen, und die ist bekanntlich mit „versteckten“ Eiern noch größer. Wie aber die Eier erklären? Von Hennen können sie ja wohl nicht stammen, die legen keine bunten Eier. So sollen verschiedene andere Tiere, die auch mit Fruchtbarkeit assoziiert werden können, herangezogen worden sein. Die beiden Stories kann man freilich auch kombinieren.

Mit Sicherheit falsch ist die auch heute noch gern kolportierte Geschichte vom germanischen Frühlingsfest, bei dem Hasen eine große Rolle gespielt haben sollen. Das beruht in der Regel im Kern auf einer Fehlinterpretation Jakob Grimms, der aus einer Bemerkung des Beda Venerabilis eine hypothetische Göttin Ostara konstruiert hat, die aber in der nordischen Sagenwelt oder Zeugnissen von Chronisten unbekannt ist.

Adenauer, der Große Krieg und die Sojawurst

Dass der Große Krieg (1914-1918) vor knapp hundert Jahren begann, wirft seine Schatten publizistisch weit voraus. So hat die BBC eine Liste von zehn Erfindungen veröffentlicht, die entweder im Ersten Weltkrieg gemacht wurden oder durch ihn Verbreitung fanden (vor allem zweiteres). Neben Armbanduhren und der Sommerzeit, die übrigens auch in Österreich-Ungarn im Krieg eingeführt wurde, findet sich auch eine Sojawurst, die ein gewisser Konrad Adenauer in Zeiten des Nahrungsmangels erfunden hat. Wenn es schon kaum Fleisch gab, so sollten die Leute zumindest eine nahrhafte Ersatzvariante auf den Teller zaubern können.

Der spätere deutsche Bundeskanzler war übrigens auch sonst ein umtriebiger Erfinder, wovon man sich auch im Adenauerhaus überzeugen kann, in dem einige seiner Erfindungen ausgestellt sind. Sie wurden zwar kein durchschlagender Erfolg, zeigen aber den kreativen Kopf, der Köln erfolgreich durch die Weimarer Republik und Westdeutschland durch die Nachkriegszeit lotste.

Wer also das nächste Mal in das Oxymoron „vegetarische Wurst“ beißt, weiß, an wen er dabei zu denken hat.

Die Geldfalken liegen daneben: Deflation ist für Spanien kein Rezept

Inflation mag irgendwie fast niemand. Und wäre es nicht sogar toll, wenn das Geld immer mehr wert würde? Und doch wird die Deflation, also die negative Inflation in einigen Ländern der Eurozone von der EZB als großes Problem gesehen. Für Anhänger einer Hartwährungspolitik, klassische Liberale etc. ist diese Position oft unverständlich, wie man z.B. an Hand zwei Links des österreichischen Journalisten Christian Ortner (hier zur NZZ und hier zum Ludwig von Mises-Institut) nachlesen kann.

Nun sind sinkende Preise kein Problem, wenn sie nicht mit sinkenden Einkommen einhergehen, sondern Ausdruck gestiegener Produktivität sind, wie George Selgin schon vor längerer Zeit argumentiert hat. Er plädiert dabei für eine „Produktivitätsnorm“ der Geldpolitik, die seiner Meinung nach Parallelen mit dem Nominaleinkommen als geldpolitischem Ziel aufweisen würde.

Doch in Spanien und Griechenland ist die Situation eine andere:

  • Die sinkenden oder stagnierenden Preise sind Ausdruck kollabierender Nominaleinkommen. In beiden Ländern sind nicht nur der Staat, sondern auch die privaten Haushalte verschuldet, und können auf Grund dieser sinkenden Einkommen ihre Schulden auch immer schwerer bedienen, deren Konditionen ja unter anderen inflationären Bedingungen vereinbart wurden.
  • Dann schlägt auch noch der gemeinsame Währungsraum zu, der zwar zu keiner homogenen Zinslandschaft, aber zumindest zu vergleichbaren Zinsen mit gemeinsamer Basis geführt hat. Daher — siehe die Fisher-Gleichung — bedeutet das große Inflationsdifferential zwischen Spanien und etwa Österreich, dass die Realzinsen in Spanien deutlich höher sind. Kreditfinanzierte Investitionen sind schon wegen der unsicheren Wirtschaftslage eher unwahrscheinlich; die Zinssituation benachteiligt die Investitionen ebenfalls.
  • Der Wert des Geldes ist im Endeffekt Vertrauenssache (egal ob Gold, Silber oder Papier); Geldpolitik funktioniert daher sehr stark über Erwartungskanäle. Die EZB hatte jahrelang eine Inflationsrate von 2% als ihr Ziel vorgegeben und kommuniziert, so dass auch viele Verträge eine solche Inflation eingepreist haben. Nicht nur für Spanien hat die EZB dieses Ziel aber seit Jänner 2013 verfehlt. Momentan wird der Harmonisierte Verbraucherpreisindex für Dezember 2013 mit 0,8% angegeben. Das relativiert auch alle Behauptungen, die EZB flute den Markt mit Geld. Vielmehr stützt sie hauptsächlich die Banken durch Liquidität, die in der Doppelmühle strengerer Vorschriften der Bankenaufsicht bezüglich Eigenkapital einerseits und Bilanzbereinigung wegen der Krise andererseits gefangen sind. Dieses Geld kommt aber am Markt auf Grund der drastisch gesunkenen Geldschöpfung der Banken gar nicht an. Übers Jahr sind die Kredite an private Haushalte in der Eurozone 2013 um 2,3% zurückgegangen, es findet eine Verschiebung weg von langfristigen Anlagen hin zu Bargeld und Sichteinlagen statt.

Das ändert nichts daran, dass Österreichs Inflationsrate hausgemacht 1,2 Prozentpunkte über der europäischen lag — und das aus verschiedenen Gründen nicht zu begrüßen ist. Aber dazu vielleicht ein andermal.

Es kommt der König der Herrlichkeit

Nach Wochen des Weges kommen wir nun, am Beginn der letzten Woche der Fastenzeit, endlich nach Jerusalem. Das Ziel scheint erreicht, Zeit für ein großes Fest, eine große Freude. Im Matthäus-Evangelium wird berichtet: „Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“

Je nach Dauer der Palmprozession können nun die Psalmen 23 (masoretisch 24) und 46 (47) gebetet werden, in denen der Einzug des Herrn in sein Heiligtum gepriesen, und Gott als König aller Völker gefeiert wird. Aus Psalm 23 stammen etwa die berühmten Worte:

Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch, ihr uralten Pforten;
denn es kommt der König der Herrlichkeit.
Wer ist der König der Herrlichkeit?
Der Herr, stark und gewaltig, der Herr, mächtig im Kampf.
Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch, ihr uralten Pforten;
denn es kommt der König der Herrlichkeit.
Wer ist der König der Herrlichkeit?
Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit.

Jesus wird als Sohn Davids gefeiert, als Angehöriger des Königshauses, der kommt „im Namen des Herrn“, und nun in seiner Stadt einzieht. Beim Prophet Jesaja und anderen kann man schon nachlesen, dass der Gesandte Gottes nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen werden wird. Man musste freilich kein Prophet sein, um Konflikte mit den Mächtigen in Jerusalem vorherzusagen, Wunder hin, Vollmacht her. Auch Jesus selbst weiß darum, weswegen er seine Jünger schon vor dem Einzug in Jerusalem immer wieder darauf vorbereitet.

Und so wird es aus dem prächtigen Einzug des „Königs der Herrlichkeit“ bald ein bitterer Leidensweg. Dass sich an dessen Ende dieser Jesus als ein ganz besonderer „König der Herrlichkeit“ erweisen sollte, der den Tod selbst besiegt — das ahnt am Palmsonntag wohl kaum jemand.

Schule: Heinisch-Hosek spart ohne Konzept

Jetzt wird also im österreichischen Schulwesen wieder einmal eingespart. In den Werkstätten in Höheren technischen Lehranstalten werden nun bei gleicher Gerätezahl mehr Schüler unterrichtet. Die Teilung großer Klassen etwa in Deutsch oder Englisch wird in den BMHS der Vergangenheit angehören. Bei der Neuen Mittelschule wird der doppelt besetzte Unterricht reduziert.

Schon das neue Lehrerbildungs- und -dienstrecht diente neben dem Fokus auf die Gesamtschule der 10- bis 14jährigen der Kostenreduktion. Die sogenannte „Neue Mittelschule“ wurde außerdem bislang vor allem dadurch verbreitet, dass man den Bundesländern zusätzliche Finanzmittel und mehr Person für NMS-Standorte in Aussicht gestellt hat. Angesichts klammer Budgets war klar, dass diese Praxis nicht fortgeführt werden kann bzw. nur auf Kosten anderer Schulen.

Unter allen, was die Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek in ihrer kurzen Amtszeit bereits an seltsamen bis katastrophalen Entscheidungen gefällt hat — siehe z.B. Datenleckaffäre –, ist diese Sparwelle aber keineswegs die schlimmste. Denn in der Wissenschaft ist heftig umstritten, ob marginal kleinere Klassen einen positiven Effekt auf die Lernleistung haben.

Die Schlagseite der Maßnahmen ist jedoch seltsam, denn gerade den berufsbildenden Schulen wird eine besondere Last aufgebürdet. Dabei sind sie ein wesentlicher Faktor der niedrigen Jugendarbeitslosigkeit in Österreich und auch international anerkannt. Anscheinend sieht man hier noch Platz für den Abstieg. Die größeren Werkstattgruppen sind besondere Chuzpe, geht es hier doch um die Kernkompetenz der betroffenen Schulen.

Man muss der Gewerkschaft auch Recht geben, wenn sie das angekündigte „Sparen in der Verwaltung“ als Drohung empfinden. Erfahrungsgemäß wird dann nämlich nicht am überbordenden Berichtswesen der Schulen gespart, oder an den gut besetzten höheren Verwaltungsebenen, sondern beim Unterstützungspersonal für die Schulen. Klar: Sparen in der höheren Verwaltung würde in der Regel ein Konzept erfordern. Einfach Posten nicht nachzubesetzen, das erfordert keines. Und jeder Minister kann ja hoffen, dass er nicht mehr im Amt ist, wenn die Auswirkungen dieses Handelns manifest werden.

Noch einmal Piketty

Der französische Ökonom Thomas Piketty sorgt mit seinem Buch „Le capital au XXIe siècle“ weiterhin für Aufregung. Ich habe darüber auch schon früher einen kurzen Text verfasst.

Seine Hauptthese: Auf Dauer wäre der Ertrag aus Kapital höher als das Wirtschaftswachstum; von diesen Kapitaleinkünfte würde offenbar ein erheblicher Teil zur weiteren Akkumulation von Kapital verwendet, das in den immer gleichen Händen verbleibe. Dadurch würden die Kapitalbesitzer wohlhabender und mächtiger, die Schere zwischen Reich (Kapital) und Arm (Arbeit) würde weiter aufgehen. Unter Kapital versteht Piketty sowohl Finanz- als auch Realkapital, also nicht bloß Aktien und Anleihen, sondern auch Häuser und Grundstücke, Maschinen usw. Es ist gleichzeitig ident mit dem Kapital der Produktionsfunktion (!).

Den Kern bildet ein Harrod-Domar/Solow-Modell. Dabei wird die Sparfunktion konstant gesetzt. Wie volkswirtschaftlich üblich ist „Sparen“ hier ident mit „Investieren“, sollte also nicht mit Geld-in-die-Matratze-Stopfen verwechselt werden. Das Verhältnis des Kapitalstocks zum Einkommen β ergibt sich aus dem Verhältnis der Sparquote s zur Veränderung des Arbeitsproduktivität = Veränderung des Kapitalstocks = Wirtschaftswachstum g. Abschreibungen etc. werden ausgeblendet.

Der Anteil der Kapital- und Arbeitseinkommen wird nicht durch eine Annäherung an die Grenzproduktivität bestimmt, sondern ist exogen. Denn der Kapitalzins r wird konstant gesetzt. r × K ergibt das Kapitaleinkommen, der Rest ist das Arbeitseinkommen. Der reale Kapitalzins r sei auf Dauer größer g. Wie Piketty in sehr lesenswerten Unterlagen zu einer Vorlesung vermerkt:

„with g=0%, we’re back to Marx apocalyptic conclusions: with an infinite accumulation of capital (βt → +∞), then either rt →0 (marginal product of capital goes to zero: “falling rate of profits”, “baisse tendancielle du taux de profit” → rising foreign investment in order to preserve rates of return, colonial fights between capitalists: “impérialisme, stade suprème du capitalisme”), or capital share αt=YKt/Yt= rt βt → 100% (capitalists absorb a growing share of national income → the revolution is unavoidable!)“

In der verlinkten Vorlesungsunterlagen ist der Zins übrigens sehr wohl flexibel. Im formelarmen Buch nicht.

Man sieht vielleicht auch so, dass hier mit sehr groben Pinseln gearbeitet wird. Und selbst wenn er das eherne Gesetz der Kapitalakkumulation gefunden haben sollte, ist seine Beweisführung damit noch nicht erfolgreich abgeschlossen. Schließlich müssten die Kapitaleinkommen auch reinvestiert werden und in den Händen der gleichen Personen verbleiben, um zu seiner prognostizierten Schichtenbildung zu führen. In unserer Wahrnehmung gibt es da einen survivorship bias, den Paul Ormerod schön herausgearbeitet hat: Die Familien, die lange erfolgreich Mitglieder der Gesellschaft stellen, die Unternehmen, die lange bestehen, merken wir uns. Die gescheiterten, sozial abgestiegenen, die das ererbte Kapital verprasst oder verspekuliert haben, deren Unternehmungen bankrott gegangen sind, vergessen wir außer in den spektakulärsten Fällen.

Einige andere Kritikpunkte:

  • Produktivkapital und Vermögen sind doch nicht ident.
  • Der Kapitalzins — selbst in seiner abstraktesten Form — enthält eine Risikokomponente, die ausgeblendet wird. – Die Analyse von Zins- und Lohnbildung ist äußerst mangelhaft.
  • Superstareffekte, wie sie bei liberalisiertem Handel vermehrt auftreten, werden ausgeblendet.
  • Der Anteil wohlhabender Personen mit hohen „Arbeitseinkommen“ im Sinne der Ökonomie ist heute größer als in der Vergangenheit.
  • Je nach Sozialsystem ist der Anteil der Personen mit direktem oder indirektem Kapitaleinkommen heute weitaus größer als früher, eine einfache „Klasseneinteilung“ nicht sinnvoll.
  • In unserer kapitalintensiven Wirtschaft sind hohe Kapitalstöcke die Grundlage unseres Wohlstands.