In eigener Sache

In den letzten Wochen und Monaten hat es hier ein recht hohes Blog-Tempo gegeben. Das hat zwar einerseits dafür gesorgt, das die Vielfalt an Beiträgen hoch war – und dadurch vielleicht auch für mehr Menschen etwas Interessantes dabei – , hat aber dafür auch Kraft und Zeit gekostet. Kraft und Zeit, die ich in den […]

Alles Gute, Benno Elbs!

Nun wird also Benno Elbs (52) zum Bischof für die junge Diözese Feldkirch bestellt, wie die „Presse“   und andere Medien berichten, nachdem der Ministerrat bereits damit befaßt war. Elbs war ja schon seit 2005 Generalvikar der Diözese, kennt also seine Gläubigen im kompakten Gebiet ziemlich gut. Das kann ein Vor- oder Nachteil sein. Ein Bischof von außerhalb kann für eine neue Perspektive sorgen, muß sich andererseits aber Wissen und Vertrauen erst mühsam erarbeiten. Die lange Vakanz – Vorgänger Elmar Fischer war am 11. November 2011 resigniert – weist daraufhin, daß man sich die Entscheidung nicht einfach gemacht hat. Benno Elbs galt schon länger als „episcopibilis“, die Frage war in der Gerüchteküche eher, wo der Theologe, Psychologe und Logotherapeut zum Einsatz kommen würde.

Insofern ist die Überraschung nicht seine Bestellung, sondern der Einsatzort. Doch wie Bischof Klaus Küng zu berichten weiß, kann ein Feldkircher Bischof auch schon einmal auf anderen unvermuteten Positionen landen.

Dem Weihekandidaten alles Gute und Gottes Segen für seine Aufgabe, den Vorarlberger Gläubigen, daß sie Geduld mit ihrem Hirten haben, ihm eine Hilfe und Stütze sind, er Ihnen ein guter Bischof werde.

Der ganze Bienenschwarm in Aufregung

Man spricht heute gerne von der Schwarmintelligenz, doch in Sachen Neonicotinoide würde ich von etwas anderem sprechen. Kaum jemand wußte über das Thema vor der Abstimmung im Ministerrat bescheid. Kaum jemand berichtete über die Vorschläge und Gegenvorschläge. Auch die erste Abstimmung am 18. März schlug keine Wellen. Jetzt, post facto, sind alle Experten, wissen, was den Bienen fehlt – und daß die Phalanx der Gegner eines Neonicotinoid-Verbots – Finnland, Großbritannien, Litauen, Slowakei, Spanien, Tschechien und Österreich – Schergen der chemischen Industrie sind. title=”Bonuspunkte für die Worte „Konzerne“, „Agrochemie“ und „Agrarindustrie“.” target=”_blank” Freilich bleiben Neonicotinoide weiter im Einsatz und in der Umwelt, denn erstens betrifft das Verbot nur bestimmte Mittel mit Neonicotinoiden, und zweitens werden die Nikotin-verwandten Stoffe auch in Produkten wie etwa Flohhalsbändern verwendet, die vom Verbot nicht betroffen sind.

Nun ist es natürlich zum ersten einmal kein Wunder, daß ein Insektizid genau das tut, was sein Name verspricht: Insekten töten. Insofern ist die publizierte Erregung etwa von Stefan Mandl hanebüchen. In der Landwirtschaft ist der vorbeugende Einsatz von Pestiziden heutzutage gang und gäbe. Das betrifft nicht nur die konventionelle, sondern auch die sogenannte biologische Landwirtschaft, die z.B. mit Kupfer gegen Pilzbefall spritzt oder verschiedene Gifte einsetzt.

Ob Neonicotinoide nun Bienen mehr schädigen als alternative Pestizide es tun würden, ist tatsächlich umstritten. Ob der Zusammenbruch der Bienenvölker darauf zurückzuführen ist, im Großen und Ganzen ebenfalls. Es gibt einige Fälle, bei denen ein überschießender Einsatz von Neonicotinoiden mit dem Sterben von Bienenvölkern in Verbindung gebracht wird. Eine Testreihe britischer Forscher mit Hummeln konnte allerdings die Hypothese nicht falsifizieren, daß die Nähe von mit Neonicotinoiden behandeltem Saatgut keine signifikanten Effekte auf die Gesundheit der Völker hätte. Anders gesagt: Sie fanden keinen Zusammenhang zwischen Hummelpopulation und Neonicotinoiden. Allerdings ist im Test wohl von einem sachgerechten Umgang mit Clothianidin und Imidacloprid, so die Namen der Insektizide, auszugehen.

Ebenso hat die US-Umweltbehörde in einer Studie über den Rückgang der Bienenvölker festgestellt, daß Pyrethroide die gefährlichsten Pestizide für Bienen sind; sie werden in Österreich anscheinend aber weitaus weniger eingesetzt als in den USA. Diese Studie hat aber sehr wohl Wechselwirkungen zwischen Neonikotinoiden und anderen Faktoren gefunden, die ingesamt abträglich für die Bienengesundheit sind. Die größte Gefahr bleibt aber die Varroa-Milbe, die von den Imkern wiederum mit Insektizid-Einsatz bekämpft wird, durch die Verbauung der Landschaft und das Fehlen der früheren Ackerraine werden die möglichen Futterplätze der Bienen immer weiter beschränkt. Darüber hinaus sind viele Mikroben, die Bienen befallen, mittlerweile gegen Antibiotika resistent. Es gibt zwar Bienenvölker, die durch Verhaltensanpassung gegen die Varroa-Milbe resistent sind, doch haben sie geringe Popularität – ich vermute einmal wegen geringeren Ertrags. Stattdessen werden ganz andere Merkmale gefördert, wie Eberhard Höfer im „Standard“ etwas überspitzt beschreibt, wie sogar ein schönes Muster der Bienenkönigin.

Die Entscheidung von EU-Kommissar Tonio Borg beruht übrigens offiziell auf dieser Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, die längst nicht so klar ist, wie man nach der Zeitungslektüre glauben müsste. Allerdings macht sie deutlich, daß bestimmte Formen des Säens gebeizten Saatsguts durch dabei eintretende Verwehung ein höheres Risiko entstehen lassen.

Besonders für den Raps- und Kukuruz-Anbau werden Folgen durch den Wegfall befürchtet. Ich teile die Befürchtung insofern nicht, als ja die Neonicotionoide in Neunziger Jahren eingeführt wurden, um für den Menschen gefährlichere Stoffe abzulösen. Ein Rückgriff auf gefährlichere Substanzen wird wohl der Ausweg sein, den die meisten wählen werden.

Das Kommunikationsmanagement des österreichischen Landwirtschaftsministern Niki Berlakovich war aber jedenfalls verbesserungswürdig, um es milde zu sagen. Warum erfahre ich nur über große Umwege, daß Österreich einen Kompromißvorschlag auf wissenschaftlicher Basis unterstützt hat? Oder daß es hier tatsächlich stark divergierende Ansichten in der Fachwelt gibt? Daß hier möglicherweise verschiedene Lobbyinginteressen zusammenprallen, denn es stehen wohl schon andere Unternehmen Gewehr bei Fuß, um Ersatz-Insektizide – und damit wieder Bienenkiller – als Ersatz bereit zu stellen? Berlakovich hätte sich wohl eine Scheibe von der deutschen Amtskollegin Ilse Aigner abschneiden können: Sie wollte Borgs Vorschlag durch Erweiterungen zu Fall bringen, als da aber nichts fruchtete und die Niederlage absehbar war, schlug sie sich in der endgültigen Abstimmung auf die Seite des Verbots.

Ein Bub und sein Atom – der kleinste Film der Welt

Solche Dinge faszinieren mich immer wieder: IBM hat den „kleinsten Film“ der Welt vorgestellt, eine kurze Geschichte, die mit Hilfe von etwa 10.000 Atomen in 242 Bildern erzählt wird. Dabei wurden Kohlenmonoxid-Moleküle Bild für Bild mit Hilfe einer Art Nadel auf einer Kupferoberfläche bewegt, Nanometer für Nanometer. Bei einer Temperatur von -268 Grad Celsius. Der passende Titel: „A Boy And His Atom“.Ein klarer Fall fürs Guiness Buch der Rekorde – und für Nostalgie, erinnert der Film doch an erste Kurzanimationen am Computer vor vielen Jahrzehnten:

Zugegeben, es ist eigentlich eine Werbung für das Rastertunnelmikroskop von IBM, mit dem man mit Hilfe von Spannungsunterschieden die Topographie auf atomarer Ebene beobachten kann, für die technischen Fähigkeiten der Wissenschafter von IBM im Bereich der Nanotechnologie, für die Bemühungen von IBM, neue Speichermedien zu finden. Aber was für eine Werbung! Eine, die uns an die Grenzen unserer Vorstellungskraft führt.

Mehr dazu kann man in der Presseaussendung von IBM lesen, in der einige technische Details zum Film erklärt werden. Nicht nur den Film, sondern viele Hintergründe zur Herstellung der kurzen Sequenz gibt es auf youtube.com/madewithatoms bzw. auf der zugehörigen Seite von IBM Research.

Und was ein richtiger Film ist, braucht natürlich auch ein Filmplakat. Voi là, hier ist es:

Ein digitaler Lesesaal

Die Österreichische Nationalbibliothek hat gemeinsam mit Google bislang 100.000 Bücher digitalisiert und online verfügbar gemacht. Weitere 500.000 sind in der Warteschlange, darunter die kostbaren Werke aus dem Prunksaal am Wiener Josefsplatz.

Ereignisse wie der Brand der der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar oder der Einsturz des Kölner Stadtarchivs machen bewußt, wie flüchtig und vergänglich die überlieferten Bücher sind. Doch nur ein Teil davon ist als Faksimile oder Nachdruck verfügbar, manches nicht einmal aufgearbeitet. Durch die Digitalisierung – und hoffentlich folgende Abspeicherung durch viele interessierte Leser – werden die Chancen vergrößert, daß ein Werk auch kommenden Generationen verfügbar bleibt.

Die Österreichische Nationalbibliothek ist eine der führenden Bibliotheken bei der Digitalisierung, und stellt beispielsweise zahlreiche alte Tageszeitungen online unter anno.onb.ac.at zur Verfügung, darunter viele Blätter des 19. Jahrhunderts, oder Reichsgesetzblätter und andere Rechtstexte aus der Monarchie und danach unter alex.onb.ac.at. Mehr Links kann man im Digitalen Lesesaal finden.

Außerdem arbeitet die Nationalbibliothek bei der Plattform europeana mit, in der sich zahlreiche Institutionen zusammengeschlossen haben, um verschiedenste Werke digitalisiert zur Verfügung zu stellen. So habe ich schon einige alte Drucke gefunden und im Original lesen können, für dich ich früher wohl eine größere Reise hätte unternehmen müssen – und sie folglich gar nicht gelesen hätte.

Die digitale Revolution ist als Mittel, um historische Werke zugänglich zu machen, ja sogar überhaupt zu erhalten, nicht zu unterschätzen. Gut, daß die Nationalbibliothek unter Johanna Rachinger da in vorderster Reihe mitmacht.

Gruß dem Kränzchen

Der 1. Mai war ein wunderschöner Tag, und so bin ich in der richtigen Stimmung für ein Naturgedicht, das zwar nicht ganz zum Mai paßt, aber mir eben untergekommen ist:

Es hegt ein blühender Garten
Viel zarte Blümelein;
Der Herr tut ihrer warten
Mit Tau und Sonnenschein.

Und all’ die blühenden Kronen
Umzieht ein grüner Hag,
Drin Nachtigallen wohnen
Mit süßem Sang und Schlag.

Auch sind sie treuen Händen
Zur Pflege anvertraut;
Mit schützenden Geländen
Sind milde sie umbaut.

Jüngst weht’ aus weiter Ferne
Ein herbstlich Blatt der Wind
Recht zwischen die blühenden Sterne
Und dreht’s im Kreise lind.

Da singen die Nachtigallen
Und duften die Blümelein;
Wohl muß es dem Blatte gefallen:
Es sieht ja den Lenz sich erneun.

Aus Blumenkelchen leise
Ein Lied nun aufwärts schwebt,
Das ist – ach! dieselbe Weise,
Die es gerauscht, gebebt,

Als noch das Nest der Taube
Gedeckt sein junges Grün
Und lieblich durch die Laube
Ihm Maiensonne schien. –

Doch daß es weiter reise,
Trägt es ein Hauch hinweg,
Und Tränen perlen leise
Auf seinen einsamen Steg.

Und nimmer wird’s vergessen
Das Kränzlein, in das es einst fiel,
Bis dort an den Cypressen
Ihm winkt sein Reiseziel.

– Louise Hensel
(Quelle: Zeno.org)

Louise Hensel (*1798 † 1876) ist eine namentlich wenig bekannte Dichterin, obwohl ihr Nachtgebet „Müde bin ich, geh zu Ruh’“ auch heute noch weit verbreitet ist. Hensel war eine Wahrheitssucherin, und ließ sich dabei von den Konventionen ihrer Zeit nicht zurückhalten. Ebenso war sie eine begeisterte und begeisternde Dichterin, die im Laufe ihres Lebens viele kurze und längere Gedichte hauptsächlich religiösen Inhalts verfaßte. Clemens Brentano war ebenso in sie verliebt wie später Wilhelm Müller, sie selbst wiederum war dem preußischen Politikers Ernst Ludwig von Gerlach verbunden. Übrigens sorgte Brentanos Liebe zu ihr dafür, daß er sich intensiv mit dem Glauben beschäftigte, wie es sich dann in seinen späteren Werken niederschlug. Mit 20 Jahren trat sie zum katholischen Glauben über, war später mit der Mystikern Anna Katharina Emmerick befreundet – die 2004 selig gesprochen wurde – und arbeitete als Lehrerin und in karitativen Projekten, wie man heute wohl sagen würde.

Steuertrends und ORF-Trends

Der Steuertrendbericht von Eurostat wurde in zahlreichen Medien verarbeitet. Es blieb aber wieder dem ORF vorbehalten, als „objektives öffentlich-rechtliches Medium“ dabei Werbung für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes zu machen. Bereits die Überschrift verrät die manipulative Absicht: „Gegen EU-Trend: Steuerlast für Topverdiener unverändert.“

Der Vergleich von gesetzlichen Spitzensteuersätzen ist dabei für sich ohnehin ziemlich sinnlos, wenn man nicht weiß, wann er einsetzt, ob er alle Einkommensabgaben beeinhaltet oder noch weitere Abzüge bestehen und ob der gelistete mit dem effektiven Tarif übereinstimmt. Ein Beispiel: In Dänemark gibt es keine gesonderten Sozialversicherungsbeiträge; die erforderlichen Mittel werden mit der Einkommensteuer eingehoben. In Österreich dagegen handelt es sich um getrennte Abzüge. Dafür gibt es in Österreich mit der Sechstelbegünstigung bzw. dem Gewinnfreibetrag ein Instrument, mit dem der Spitzensteuersatz de facto nicht schon mit den tarifierten 60.000 Euro greift, sondern erst später.

Der Bericht „Taxation Trends in the European Union“ selbst enthält einen Grundriß des Steuersystems jeden EU-Lands und für Island und Norwegen. Wer immer sich für Vergleiche der Steuersysteme in kompakter Form interessiert, findet hier einmal einen guten Anfang.