Philippus der Evangelist

Grab des Philippus. Quelle: Joachim Schäfer -  <a href="https://www.heiligenlexikon.de">Ökumenisches Heiligenlexikon</a>

Grab des Philippus. Quelle: Joachim Schäfer –
Ökumenisches Heiligenlexikon

Jesus war zwar schon durch Samarien gereist, doch wie die Apostelgeschicht in dem Abschnitt berichtet, der am 6. Sonntag der Osterzeit des Lesejahrs A zu hören ist, war es Philippus, der in Samarien sehr erfolgreich missionierte.

Philippus? Ja, aber nicht der Apostel, sondern der „Evangelist“, also der Überbringer der frohen Botschaft. Philippus war einer der sieben, die zum Dienst an den Tischen ausgewählt wurden, nachdem hellenistische und hebräische Christen aneinandergeraten waren (Apg 6). Nach der Steinigung des Stephanus und der zunehmenden Verfolgung der Christen in Jerusalem zog Philippus dann nach Samarien, wo er sogar den Simon Magus bekehrte, der sich vorher durch allerlei Scharlatanerie als mit besonderer Macht erfüllter Mann ausgab.

Dass es sich hier nicht um den Apostel Philippus handelt, wird aus dem Folgeabschnitt deutlich. Denn er konnte eben nur mit Wasser auf den Namen Jesu taufen, hatte aber nicht die Vollmacht, wie die Apostel den Heiligen Geist herabzuflehen. (Apg 8,5-13)

Philippus wurde dann von einem Engel aufgetragen, nach Süden zu ziehen. Auf der Straße von Jerusalem nach Gaza traf er den Kämmerer der äthiopischen Königin, der entweder ein Jude war oder sich zumindest dem Judentum gegenüber sehr aufgeschlossen war. Er las jedenfalls im Buch Jesaja. Philippus legte es für ihn aus — und zwar so treffend als Vorausschau auf Jesus Christus, dass sich der Kämmerer taufen ließ. (Apg 8,26-40)

Der „Evangelist“ zog dann nach Ashdod und Caesarea, wo er mit seinen vier Töchtern, „prophetisch begabten Jungfrauen“, lebte. Paulus und Lukas begegneten ihm in Caesarea (Apg 21,8-9). Später zog er nach Hierapolis, wo er auch starb. Ein vor kurzem gefundenes Philipps-Grab in Hierapolis könnte seines gewesen sein — oder das des Apostels Philippus. Hierüber gehen die Meinungen auseinander.

Der Fund des Grabes war aber so oder so sensationell. Ein spannender Bericht dazu beim „Sendboten des hl. Antonius“ schildert, dass in der Antike hier ein regelrechtes Pilgerzentrum entstanden war.

In der heutigen Zeit, in der Verkündigung wieder so wichtig geworden ist, tut es gut, auf Philipp den Evangelisten zu schauen, der — oftmals auf sich allein gestellt — offen, aber in die Situation hinein die frohe Botschaft verkündet hat.

Der 1. Petrusbrief

In der Osterzeit werden im Lesejahr A durchgehend Abschnitte aus dem 1. Petrusbrief gelesen, einem dichten und poetischen Text. So auch heute, wo Vers 22 des Psalm 117 (118) auf Jesus Christus gedeutet wird:

Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde1. Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,2 zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde3, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

Den Psalmvers über den Stein, den die Bauleute verwarfen, hat nach der Apostelgeschichte Petrus auf Jesus Christus bezogen4, als er sich vor dem Sanhedrin verteidigten. Wie später die historisch-kritischen Exegeten staunen da auch die Hohenpriester darüber, wie verständig die „ungelehrten und ungebildeten“ Apostel vor ihnen sprechen.

Petrinisch oder nicht?

Die sogenannten „Katholischen Briefe“ fristen trotz mancher in ihnen zu hebenden Schätzen neben dem paulinischen Werk ein wenig ein Schattendasein. Dazu kommen Zweifel an der Identität der Verfasser. So stellt das Portal der Deutschen Bibelgesellschaft, bibelwissenschaft.de, fest:

Der 1Petr erhebt im Präskript den Anspruch, vom Apostel Petrus verfasst worden zu sein. Dieser Anspruch ist in der Alten Kirche auch weithin anerkannt worden. […] Trotzdem sollte der pseudepigraphe Charakter des Briefes nicht bezweifelt werden, denn er bietet mehrfach Anachronismen für die Zeit des Apostels Petrus.

Die äußeren Indizien sprechen deutlich dafür, dass der Brief von Petrus autorisiert wurde. Aus dem Brief wurde schon von den frühen kirchlichen Autoren zitiert, so von Irenäus von Lyon oder Clemens von Alexandrien. Wenn ein Urheber genannt wird, dann immer Petrus, wie im 30. Canon des Hippolyt.

Der Brief selbst beginnt ausdrücklich mit einem Gruß des Petrus und endet mit der Erwähnung, dass Silvanus der Schreiber des Briefes war; auch Markus sendet einen Gruß an die Adressaten. Silvanus war wiederum ein Begleiter des Paulus.

Nun war das Autorenverständnis der Antike anders als unser heutiges. Doch ein Brief, der ausdrücklich mit einem Gruß des Petrus beginnt, musste auch nach antikem Verständnis petrinisch sein — auch wenn ihn Silvanus aufgesetzt haben mag und Petrus vielleicht nur ein Gerüst vorgegeben und das Ergebnis abgenommen hat. Dieses — in Chefetagen bis zum Beginn des Computerzeitalters übliche — Vorgehen erklärt auch leicht, warum das verwendete Griechisch so stilvoll ist.

Anachronismen liegen im Auge des Betrachters

Da also keine antiken Quellen an der Urheberschaft des Petrus zweifeln und der Brief selbst sich eindeutig Petrus zuordnet und sogar seinen Schreiber nennt, so werden doch Zweifel auf Grund von „Anachronismen“ erhoben.

Dabei besteht grundsätzlich das Problem, dass die Beurteilung, ob etwas zur Zeit der Abfassung des Briefes ein Anachronismus war oder nicht, kaum aus zeitgenössischen Quellen geschöpft werden kann, sondern aus der jeweiligen Rekonstruktion der Entwicklung christlichen Gemeindenlebens gefolgert wird.

So wird die Nennung einer Gemeindeleitung in 1 Petr 5 im erwähnten Artikel als Anachronismus bezeichnet, obwohl natürlich sich in jeder Gemeinschaft rasch Strukturen bilden, damit sie funktioniert. Die Paulusbriefe legen davon beredt Zeugnis ab.

Ebenso ist die frühe Verbreitung des Christentums in Kleinasien durch Paulus bezeugt, aber auch durch andere frühchristliche Autoren wie Papias von Hierapolis. Durch die Nähe zu Israel, insbesondere auf dem Schiffsweg, und die Klammer des Griechischen als Verkehrssprache war das ein naheliegendes Missionsgebiet.

Schließlich ist auch die Verfolgung kein Anachronismus, sondern Begleiter der frühen Christen von Anfang an, wie wiederum die Apostelgeschichte erzählt. Stephanus wird gesteinigt, Paulus zieht zur Verfolgung aus. Petrus wird gefangengenommen, kann aber wunderbar entkommen. Später müssen die Apostel aus Jerusalem fliehen. Paulus wiederum wird wiederholt festgesetzt. Das junge Christentum war eine Provokation!

Deswegen rät ja auch Paulus ständig, im Lebenswandel keinen Anstoß zu erregen, siehe z.B. den zweiten Korintherbrief. Genauso der erste Brief des Petrus, in dem die Christen aufgefordert werden, als vorbildliche Mitbürger zu wirken, damit „selbst die überzeugt werden, die euch bösartig verleumden.“ Einige heute gern kritisierte Verhaltensregeln werden ja explizit damit argumentiert, nicht zusätzlichen Unwillen hervorzurufen. Christsein war schon so gefährlich genug.

Es ist auch heute vielerorts gefährlich genug, sich zu Christus zu bekennen. Und so sind die Mahnungen und Ermunterungen des 1. Briefs des Apostels Petrus auch darin aktueller, als es mir lieb ist.


  1. Jesaja 28,16 
  2. Psalm 117,22 
  3. Exodus 19,5-6. In der Auferzählung werden noch weitere Stellen des Pentateuch referenziert. 
  4. Apostelgeschichte 4,11 

Ein indonesischer Gouverneur als Gotteslästerer? Eher ein Fanal eines wachsenden Islamismus.

Gouverneur Basuki „Ahok“ Tjahaja Purnama (offizielles Bild)

Gouverneur Basuki „Ahok“ Tjahaja Purnama (offizielles Bild)

Das Urteil gegen den Gouverneur von Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama, wegen Gotteslästerung ist eine Farce. Aber leider eine sehr schmerzhafte: Denn er sitzt nun im Gefängnis, weil er zu zwei Jahre für Blasphemie verurteilt wurde.

Der christliche Politiker mit chinesischen Wurzeln hatte sich 2012 gegen alle Vorurteile bei der Wahl zum Vizegouverneur von Jakarta durchgesetzt. Als sein Listenführer Joko Widodo 2014 Präsident wurde, rückte er nach und galt alsbald ob seiner innovativen, unbestechlichen und volksnahen Amtsführung als populär. Er hatte beste Chancen auf die Wiederwahl zum Gouverneur und errang im ersten Wahlgang bereits 43% und den ersten Platz. Doch mit dem Blasphemie-Verfahren wurden viele Wähler verunsichert, mit gefälschten Videosequenzen gegen ihn aufgehetzt, seine chinesische Abstammung erschien damit plötzlich in noch finstererem Licht. So erreichte er bei der Stichwahl nicht einmal das Ergebnis des ersten Durchgangs.

Eine Falle

Islamistische Proteste gegen Basuki. Foto: Cahaya Maulidian

Islamistische Proteste gegen Basuki. Foto: Cahaya Maulidian

Im Wahlkampf hatte die radikal-islamische Front Pembela Islam des Muhammad Rizieq Shihab gegen Basuki mobilisiert und dabei auch mit Vers 51 der Sure 5 (al-Māʾida) argumentiert: „O ihr Gläubige, nehmet weder Juden noch Christen zu Freunden; denn sie sind nur Einer dem Andern Freund. Wer aber von euch sie zu Freunden nimmt, der ist Einer von ihnen. Wahrlich, ein ungerechtes Volk leitet Gott nicht.“

Dabei wurde argumentiert, dass es nicht bloß Freund, sondern eigentlich Führer heißt. Während man über die Bedeutung des Freundes diskutieren kann, macht die zweite Interpretation für Rizieq Shihab klar, dass ein rechtgläubiger Moslem niemals einen Christen als Gouverneur akzeptieren kann.

Es wird jetzt wenig überraschen, dass Rizieq Shihab den Dschihad-Aufrufen der al-Kaida positiv gegenübersteht, die Durchsetzung einer streng interpretierten Scharia befürwortet und die Errichtung eines weltweiten Kalifats unterstützt.

Basuki hatte nun die Wahl, auf die Kampagne zu reagieren, mit der Gefahr, als Herabwürdiger des Islam dazustehen, oder sie unwidersprochen wirken zu lassen. Er wählte ersteres und erklärte, dass es verständlich sei, wenn manche Menschen ihn nicht wählen würden, weil sie von Gruppen bedroht und irregeführt würden, die den Vers 51 missbrauchten.

Das hat seinen Widersachern genügt. Sie bearbeiteten ein Video der Rede des Gouverneurs so, dass es nach einer Abwertung des Koran klang. Rizieq Shihabs Front Pembela Islam zeigte Basuki wegen Beleidung der Religion an. Die Staatsanwaltschaft schlug — offenbar als Kompromiss für die Islamisten — eine zweijährige Bewährungsstrafe wegen Beleidigung moslemischer Anführer vor. Eine Strafe wegen Blasphemie schien selbst der Anklage nicht gerechtfertigt, da er ja nicht den Koran, sondern lediglich eine bestimmte Interpretation kritisiert hatte.

Den Richtern war das nicht genug. Ahok, wie Gouverneur Basuki auch genannt wird, habe Unruhe gestiftet, den Islam verletzt und moslemische Gruppen gespalten. Offenbar hatten die Islamisten aus Sicht der Richter recht, dass ein Moslem keinen Christen wählen darf, sonst wäre Basukis Kritik ja keine Lästerung des Islam.

Die Globalisierung des Islam

Das hat viel mit der „Globalisierung des Islams“ zu tun. Vor zehn, fünfzehn Jahren wäre das scharfe Urteil in Indonesien noch undenkbar gewesen. Doch mittlerweile werden auch in den Ländern, die bisher einen toleranteren Islam praktiziert haben, enge Auslegungen des Islams Mainstream-Gedankengut. So weit, dass die früher dominanten Auslegungen unter Häresieverdacht stehen.

Das ist in Indonesien, in dem es durchaus große christliche, hinduistische und buddhistische Minderheiten gibt, besonders explosiv.

Mittlerweile sind seit 1999 schon 10.000 Menschen der Gewalt gegen Christen zum Opfer gefallen. Auch die anderen Minderheiten, insbesondere in Westpapua, werden ohne besondere Konsequenzen von islamistischen Banden bedrängt. Durch die höhere Geburtenrate der Moslems, den steigenden Druck durch Terror und Gewalt und die sich ändernde politische Landschaft ist davon auszugehen, dass die Minderheiten bis zur Auslöschung marginalisiert werden.

Das Urteil gegen Bukasi ist ein Fanal für ein immer islamistischeres Indonesien und für weitere Wellen der Gewalt, die vom politischen Islam in Ostasien ausgehen werden.

Der Ruf des Hirten ist stärker als wir glauben

Hirten und Schafe waren im Israel der Antike so allgegenwärtig, dass sie in den Psalmen und bei den Propheten des Alten Testaments gerne als leicht verständliches Bild eingesetzt wurden. „Der Herr ist mein Hirte“, heißt es etwa ganz plakativ in Psalm 22 (23). Aber auch die Führer des Volks können so gemeint sein: „Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden?“ steht im Buch Ezechiel (Ez 34,2). Auch die Folge des schlechten Hirtendienstes wird nicht verschwiegen: „Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere.“ (Ez 34,5). Der Prophet Micha, der die Bedeutung Bethlehems als Geburtsstadt des Messias verkündet, vergleicht diesen Heiland ebenfalls mit einem Hirten: „Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, im hohen Namen Jahwes, seines Gottes. Sie werden in Sicherheit leben; denn nun reicht seine Macht bis an die Grenzen der Erde.“ (Mi 5,3)

Die Aufgaben eines solchen Hirten kann man auch aus der negativen Liste des Propheten Sacharja ermessen: „Um das Vermisste kümmert er sich nicht, das Verlorene sucht er nicht, das Gebrochene heilt er nicht, das Gesunde versorgt er nicht. Stattdessen isst er das Fleisch der gemästeten Schafe und reißt ihnen die Klauen ab.“ (Sach 11,16)

Im Neuen Testament ist das Bild des Hirten ebenfalls häufig anzutreffen, so auch am heutigen 4. Sonntag der Osterzeit:

Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.

Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Das erste Gleichnis ist direkt dem Leben der Hirten entnommen. Der Hirte nennt die Schafe beim Namen, er kennt jedes einzelne davon. Sie vertrauen ihm, weil er sich tagein, tagaus um sie kümmert. Der Räuber hat keinen Schlüssel; er bricht einfach ein und holt sich die Tiere, die freilich vor ihm fliehen. Nun ist Jesus selbst die Tür, die zur Weide führt, zum Leben in Fülle. Wer also nicht durch Jesus zu den Menschen kommt, der führt sie nicht zum himmlischen Vater, sondern in die Irre.

Freilich ist Jesus durchaus optimistisch: Die Schafe fliehen vor den Dieben und Räubern. Sie können Erfolg haben, aber es würde die Schafe doch viel lieber zum guten Hirten ziehen, der ein Bild für Gott selbst ist. Man könnte sagen: Unser innerer Antrieb, Gott zu suchen, ist grundsätzlich stark genug, auch so manchen Irrlehrer zu überwinden. Wir sind auf die Stimme des Hirten geeicht, wir müssen uns nur für sie öffnen und uns von den „Dieben und Räubern“ loseisen. Eigentlich sehr tröstlich.

Philippus und Jakobus

Der dritte Mai ist seit 1969 der Festtag der Apostel Philippus und Jakobus des Jüngeren. Jahrhundertelang war es der 1. Mai, doch schuf Papst Pius XII. das Fest für Josef den Arbeiter für den 1. Mai, so dass die Apostel auf den elften Mai ausweichen mussten. Mit der Kalenderreform 1969 wurden sie schließlich so nah wie möglich an ihren alten Festtermin verlegt, also auf den 3. Mai.

Warum gerade diese beiden Apostel zusammen gefeiert werden, weiß ich nicht.

Philippus stammte aus Betsaida, dem gleichen Ort wie die Brüder Petrus und Andreas. Er wird im Evangelium nach Johannes häufiger genannt — ein Hinweis, dass er bzw. seine Schüler zu den Quellen des Evangelisten gehörten. So wird er zum frühen Zeugen Jesu (Joh 1,45-46), ist der Jünger, der für die Speisung der 5.000 Brot kaufen soll, aber eingestehen muss, dass das Geld dafür bei weitem nicht reichen würde (Joh 6,7-8), und an den sich griechische Pilger wenden, die Jesus sehen wollen (Joh 12,20-21). In seiner großen Abschiedsrede muss Jesus Philippus rügen, der ihn immer noch nicht erkannt hat (Joh 14,9).

Jakobus der Jüngere ist der Sohn des Alphäus (Mt 10,3; Mk 3,18; Lk 6,15; Apg 1,13). Seine Mutter war bei Kreuzigung, Grablegung und Besuch des Grabs am Ostermorgen anwesend (Mt 27,56; Mt 27,61; Mt 28,1; Mk 15,40; Mk 15,47; Mk 16,1; Lk 24,10) und ist wahrscheinlich mit der Verwandten Mariens ident, die Johannes nennt (Joh 19,25).1

Während seine Bedeutung in den Evangelien gering ist, erscheint er in der Apostelgeschichte. Nach der Hinrichtung des Jakobus des Älteren wird auch Petrus verhaftet; als er auf wunderbare Weise entkommt, trägt er an seinem Fluchort den Freunden auf, seine Flucht dem Jakobus mitzuteilen. (Apg 12,17) Auf dem Apostelkonzil spricht Jakobus mit Autorität (Apg 15,13-22) Als Paulus nach einer langen Reise wieder nach Jerusalem kommt, besucht er Jakobus. (Apg 21,18) Es gibt in der ganzen Apostelgeschichte keinen Hinweis darauf, dass dieser Jakobus jemand anderer als der Apostel sein soll.

Der einzige Grund, warum gerne zwischen einem „Herrenbruder“ und dem Apostel unterschieden wird, ist eine Stelle im Galaterbrief, in der Paulus schreibt: „Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen, nur Jakobus, den Bruder des Herrn.“ Damit stellt er klar, dass es sich nicht um Jakobus, den Sohn des Zebedäus gehandelt hat. Der Text macht aber deutlich, dass Jakobus und Petrus eben die einzigen Apostel waren, die er gesehen hat.

Eine kleine Schwierigkeit bereitet, dass die Mutter die des „Jakobus und des Josef“ genannt wird, doch von dem Josef nicht weiter berichtet wird. Ein Blick zurück löst die Angabe auf, denn genau die gleiche Formulierung begegnet uns bei der Nennung der Verwandten Jesu. Dagegen ist der Apostel Judas Thaddäus „der des Jakob“. Der scheinbare Widerspruch ist aber leicht aufgelöst, wenn wir uns vor Augen führen, dass die Bezeichnung „καὶ Ἰούδαν Ἰακώβου καὶ Ἰούδαν Ἰσκαριώθ“ in Lk 6,16 die beiden Judas auseinanderhalten soll. Der leibliche Bruder des Jakobus wird er (trotz Jud 1,1) nicht gewesen sein, sonst wäre er wohl eher als „Ἰούδαν Ἁλφαίου“ benannt worden. Aber sein Cousin oder Schwager? Das wäre auch hier eine elegante Lösung. Richard Bauckham schlägt dagegen vor, dass es sich ganz einfach um ein Patronymikon handelt, und Judas Thaddäus der Sohn eines Jakobs war. Die Namen Judas und Jakobus waren zu jener Zeit übrigens sehr häufig, so dass sogar beides zutreffen kann: Entfernte Verwandtschaft mit dem Apostel und ein Vater gleichen Namens.


  1. „Schwester“ und „Bruder“ benennt im biblischen Kontext durchaus auch verschwägerte Personen oder Cousins und Cousinen. Daher muss eine „Schwester seiner Mutter“ auch nicht unbedingt eine leibliche Schwester im Sinne der deutschen Sprachverwendung sein. 

Fällt der freie Karfreitag für Evangelische?

Ist es eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung, wenn evangelische Arbeitnehmer, die am Karfreitag einen Feiertagszuschlag erhalten, andere Arbeitnehmer aber nicht? Oder ist es sogar vielmehr eine Maßnahme zum Schutz der Freiheit der Religionsausübung? Vor diese Frage sieht sich der österreichische Oberste Gerichtshof gestellt, der — völlig richtig — ein Vorabentscheidungsersuchen an den EuGH gestellt hat.

Völlig richtig, weil in diesem Fall unionsrechtlich argumentiert wird, es aber keine Präzedenzfälle gibt, auf die sich der OGH berufen könnte, wie Wolfgang Mazal im Ö1-Morgenjournal erläuterte. Keineswegs hat der OGH „nicht allein entscheiden will“ und die Entscheidung auf europäische Ebene „abschiebt“, wie der Standard insinuiert. Er ist nach Artikel 267 AEUV geradezu verpflichtet, den EuGH zu befassen.

Hinter dem Verfahren stehen natürlich handfeste Interessen, das Christentum wieder einen Schritt weiter aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Kein Arbeitnehmer würde wegen der trüben Aussicht auf einige Euro Feiertagszuschlag durch alle Instanzen prozessieren. Es ist daher interessant, dass die öffentlich-rechtliche Arbeiterkammer diesen Fall vorantreibt, der für viele Arbeitnehmer nachteilige Folgen haben kann. Noch mehr, dass sie sich davor sträubt, die Parallelen zu Jom Kippur herauszuarbeiten, der ebenfalls nur ein partieller Feiertag ist. Bei diesem ist freilich deutlicher, dass es für die betroffenen Gläubigen besonders wichtig ist, an diesem Tag frei haben zu dürfen, und daher der Schutz der Religionsausübung ein gewichtiges Argument ist.

Wenn Eric Frey im „Standard“ für eine „rasche Lösung“ vor der Entscheidung des EuGH plädiert, ahnt man schon, wohin die Reise geht: Einige, die mit der Klage sympathisieren, haben Sorge, der EuGH könnte zumindest derart entscheiden, dass ein partieller Feiertag grundsätzlich möglich ist, aber unter gewissen Bedingungen, die gewährleisten, dass tatsächlich die Freiheit der Religionsausübung durch die Regelung gesichert wird. Bei einer Kollision zweier Grundrechte sind solche abwägenden Urteile durchaus üblich. Der Karfreitag hat hier als partieller Feiertag den schwereren Stand, da er ja auch für anerkannte Religionsgemeinschaften von großer Bedeutung ist, deren Karfreitag aber durch keinen gesetzlichen Feiertag geschützt ist. Der besondere Schutz, der gerade den Evangelischen, Altkatholiken und Methodisten zukommen muss, ist hier vielleicht schwerer zu argumentieren, wenngleich begründbar.

1955, als die Regelung eingeführt wurde, zielte die Argumentation darauf ab, dass Angehörige der Minderheitsbekenntnisse durch die Anerkennung eines eigenen Feiertags Anerkennung erleben würden. Es sei auch ein Ausdruck gelebter Toleranz, und durch die unterschiedliche Theologie von Katholiken und Evangelischen sei auch erklärbar, warum für die Katholiken der Karfreitag kein gesetzlicher Feiertag sei. So kann man es im Stenographischen Protokoll der entscheidenden Sitzung des Nationalrats nachlesen, in der Abg.z.NR Kranebitter ein theologisch gehaltvolles Bekenntnis zu seinem katholischen Glauben ablegt, das schon von seiner Tiefe her heute schwer vorstellbar wäre.