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Synode: Gestörte Kommunikation?


Wie stümperhaft die Öffentlichkeitsarbeit zur Familiensynode in Rom abläuft, kann man an den Zeitungsberichten ablesen, die etwa titelt: „Kirche korrigiert Kurs“ und von einer „Öffnung für Homosexuelle“ schreibt.1 Da wird ein Arbeitspapier präsentiert; auf Journalistenfragen dazu werden aber derart ausweichende Antworten gegeben, dass diesen gar nichts anderes überbleibt, als nach eigenem Ermessen zu interpretieren. Bischöfe protestieren gegen Passagen, und bald gilt das ganze nur mehr als Werk des Kardinal Erdö, aber (noch) nicht als Werk der Synode. Dann soll selbst Kardinal Erdö nicht hinter allen Teilen des Texts stehen.

Dabei sind die Kritiker des Papiers und die Autoren in vielen Fragen inhaltlich wahrscheinlich gar nicht so weit auseinander — so revolutionär ist der Text nicht. Vieles gibt Positionen wieder, die sich etwa auch im Katechismus finden. Vielmehr treibt viele die Sorge um gerade die (bewussten?) Missverständnisse, die jetzt so fröhliche Urständ’ feiern. Dass nicht die Heranführung der Menschen an die Wahrheit des Glaubens, sondern die Verwässerung der Wahrheit das praktische Ergebnis ist, auch wenn es eigentlich nicht intendiert war.

Offenbar ist aber auch die interne Kommunikation missglückt, wie die Verwirrung um das Arbeitspapier zeigt, die auch unter teilnehmenden Bischöfen zu herrschen scheint. Eine offene Diskussion sollte es werden — doch in der heutigen Mediengesellschaft kann so etwas auch leicht nach hinten losgehen und erst recht Gerüchte befeuern. Vielleicht wären Konsulenten, die einen Prozess begleiten, manchmal doch ihr Geld wert.


  1. Was ein völliger Kategorienfehler ist, denn das Christentum teilt Menschen nicht nach ihren vorübergehenden oder permanenten sexuellen Neigungen ein. Wie man damit umgeht, das ist der entscheidende Punkt. Und überhaupt: Katechismusleser wissen mehr. 

2 thoughts on “Synode: Gestörte Kommunikation?

  1. Die öffentliche Kommunikation dieser Synode ist wirklich größtenteils misslungen. Die Bischöfe und Kardinäle kannten sich nicht mehr aus. Über die Medien richtete man sich schließlich aus, ob man z.B. Homosexualität endlich akzeptieren möchte oder sie weiterhin für ein Werk des Teufels hält. Ich weiß leider nicht was der Papst genau denkt, aber ich glaube schon, dass er selbst eine „Öffnung der Katholischen Kirche“ in der Sexualmoral – also nicht nur beim Thema Homosexualität – angestrebt hat, aber der „konservative Block“ ist zu stark. Und dabei ging es gar nicht um die Öffnung der Ehe, sondern um die blosse Anerkennung als eine normale Partnerschaftsform des Menschen.

    • Danke für den Kommentar. Leider komme ich erst mir großer Verspätung zum Antworten, trotzdem ein paar kurze Bemerkungen. Ihr Kommentar zeigt genau das Kommunikationsproblem der Synode auf: Denn es ging ja nicht darum gehen, Kernstücke der Glaubenslehre zu ändern, die gerade in Fragen der Familie oft unmissverständliche biblische Grundlagen haben, sondern um eine Diskussion, wie man die Pastoral, die Betreuung der Menschen, die praktische Anwendung der Lehre gestalten soll. Und da zeigt Jesus immer wieder, dass er die Sünde scharf ablehnt, aber dem Sünder immer wieder die Hand reicht. Bekanntlich sagt Jesus zur Ehebrecherin zwar einerseits, dass er sie nicht nach dem Gesetz verurteilt, doch auch: „Geh, und sündige von jetzt an nicht mehr.“ Was sie getan hat, war falsch, eine Sünde. Doch sie behält ihre Würde als Mensch und erhält eine neue Chance.

      Wir alle scheitern immer wieder; perfekte Menschen gibt es ohnehin nicht. Das Scheitern, immer das Gute und Richtige zu tun, ändert aber nichts daran, was gut und richtig ist. Die Pastoral soll nun einerseits Menschen helfen, die Entscheidung für ein christliches Leben zu treffen, andererseits aber Menschen in ihrem Scheitern helfen, auffangen, unterstützen. Und da ist eine riesige Spannung darin, besonders, da viele Menschen dieses Missverhältnis zwischen christlichen Maßstäben und eigenem Leben meist sehr bequem auflösen.

      Da kommt etwa z.B. die Idee der Gradualität ins Spiel, die Menschen in Situationen abholt, die weit vom Ideal entfernt sind, aber ermutigen will, dass schon ein wenig vom Ideal in ihrem jetzigen Leben durchscheint und sie so schrittweise zum sittlich Guten führen will. Diese Gradualität wurde auf der Synode ausführlich diskutiert und kann verschieden verstanden werden. Das war, denke ich, eine der Gründe für die öffentlichen Kontroversen. Denn wie man das richtig umsetzt, darüber kann man äußerst unterschiedlichern Ansicht sein.

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